Militärübung in Norwegen Nato bereitet größtes Manöver seit dem Kalten Krieg vor

Knapp 300.000 Soldaten waren jüngst bei einem russischen Großmanöver im Einsatz. Nun probt auch die Nato den Ernstfall: Es soll ihre größte Übung seit Jahrzehnten werden, allein Deutschland schickt 10.000 Soldaten.

US-amerikanische Nato-Soldaten bei einem Marinemanöver in Polen (Juni 2016)
KAY NIETFELD / DPA

US-amerikanische Nato-Soldaten bei einem Marinemanöver in Polen (Juni 2016)


Es soll die größte Militärübung des Bündnisses seit dem Ende des Kalten Krieges werden: Die Nato bereitet das Manöver "Trident Juncture 2018" vor, das in vier Wochen in Norwegen beginnt.

Nach dem jüngsten Planungsstand werden mehr als 44.000 Soldaten an der Übung teilnehmen. Das bestätigten Militärkreise in Brüssel. Allein die Bundeswehr stellt nach eigenen Angaben rund 10.000.

Mit dem Großmanöver will die Nato vom 25. Oktober bis zum 23. November für den sogenannten Bündnisfall trainieren. Dieser könnte ausgerufen werden, wenn einer oder mehrere der 29 Mitgliedstaaten von einem Gegner angegriffen würden. In der Folge müssten die anderen Alliierten Beistand leisten.

Für den Bündnisfall war nach dem Ende des Kalten Krieges lange Zeit weniger intensiv geübt worden. Nachdem Russland sich 2014 die ukrainische Halbinsel Krim einverleibt hatte, änderte die Nato jedoch ihre Strategie. Vor allem Polen sowie die baltischen Alliierten Litauen, Lettland und Estland fühlen sich von der aktuellen Politik des großen Nachbarn verstärkt bedroht und fordern Aufrüstung und mehr Abschreckung.

Die Nato-Zentrale in Brüssel betont unterdessen, dass bei "Trident Juncture" (Dreizackiger Verbindungspunkt) nicht konkret für das Szenario eines russischen Angriffs geübt werde. Mit dem Manöver solle die gemeinsame Abwehr eines fiktiven Gegners trainiert werden, sagte eine Sprecherin. "Das Szenario und die Übung richten sich gegen kein bestimmtes Land."

Aus Diplomatenkreisen heißt es, dass es natürlich kein Zufall sei, dass die Übung in einem Land ausgerichtet wird, das an Russland grenzt. Sie verweisen dabei auch darauf, dass das Russland zuletzt wieder intensiv für großformatige Konflikte trainiert habe. An dem jüngsten russischen Großmanöver "Wostok" (Osten) sollen nach Angaben aus Moskau knapp 300.000 Soldaten teilgenommen haben.

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In der ersten Runde des bevorstehenden Nato-Manövers werden nach Bündnisangaben von Ländern wie Deutschland, Italien und Großbritannien gebildete "südliche Kräfte" einen Angriff von "nördlichen Kräften" abwehren. Letztere sollen unter anderem aus Truppen der USA, Kanadas und Norwegens bestehen. In der zweiten Runde sieht das Szenario dann einen Gegenangriff der "südlichen Kräfte" auf die "nördlichen Kräfte" vor.

Als größtes Nato-Manöver nach dem Ende des Kalten Krieges galt bislang die Übung "Strong Resolve" im Jahr 2002. Bei ihr waren rund 40.000 Soldaten im Einsatz. Die letzten Nato-Manöver, die größer waren als die bevorstehende Ausgabe von "Trident Juncture", fanden nach Angaben von Nato-Diplomaten vor der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 statt. Damals gab es unter anderem noch die "Reforger" abgekürzte Manöverreihe "Return of Forces to Germany" (Rückkehr von Streitkräften nach Deutschland). An ihr waren bis zu 125.000 Soldaten beteiligt.

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asa/dpa



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