Ukraine-Konflikt Nato erwägt Raketenabwehr gegen Russland

In der Nato wird nach SPIEGEL-Informationen diskutiert, den künftigen Raketenabwehrschirm auch gegen Russland in Stellung zu bringen. Die Bundesregierung bremst jedoch: Man solle Moskau nicht ohne Not provozieren.

Bodenbasiertes Raketenabwehrsystem in Kalifornien (Archiv): Nato-Raketenschirm gegen Russland in Überlegung
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Bodenbasiertes Raketenabwehrsystem in Kalifornien (Archiv): Nato-Raketenschirm gegen Russland in Überlegung


Hamburg - In der Nato gibt es Überlegungen, die gegen potenzielle Angriffe aus dem Nahen Osten geplante Raketenabwehr auch gegen Russland auszurichten. Solche Forderungen, unterstützt von den USA, kommen nach SPIEGEL-Informationen aus den baltischen Mitgliedsländern und Polen.

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Heft 35/2014
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In den Vorbereitungen des Nato-Gipfeltreffens Ende kommender Woche hatten die vier Länder gefordert, eine entsprechende Formulierung zu beschließen; sie fühlen sich durch die russische Intervention in der Ukraine bedroht. Die Mehrheit, allen voran Deutschland, sprach sich jedoch dagegen aus, weil man Moskau nicht ohne Not provozieren solle. Schließlich habe die Nato jahrelang den Russen versichert, der Raketenschirm richte sich nicht gegen sie.

Die weitere Debatte wurde auf die Zeit nach dem Nato-Gipfel verschoben.

In einem anderen Punkt setzten sich die Hardliner durch: Die sogenannten Rückversicherungs-Maßnahmen für Polen und das Baltikum, darunter die Stationierung von vier Kompanien und mehr Aufklärungsflüge an der Nato-Ostgrenze, sollen nicht nach einem Jahr automatisch auslaufen. Das Berliner Kanzleramt hatte gefordert, dass die militärischen Aktionen nach einem Jahr von allen Nato-Staaten erneut bestätigt werden müssen. Da die Bundesregierung am Ende mit dieser Forderung allein stand, gab sie klein bei (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.).

Bei ihrem jüngsten Besuch in Lettland hatte Kanzlerin Angela Merkel die Unterstützung durch das Nato-Bündnis bei einer möglichen Bedrohung Russlands zugesichert. Dabei ließ sie auch die Tagesordnung des Nato-Gipfeltreffens in Cardiff Anfang September durchblicken: Neben Manövern würde es unter anderem auch um "verstärkte Übungstätigkeit" gehen.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Cohiba_Robusto 24.08.2014
1. Der Russe kommt!
Herr Putin weiß genau, ein offener Angriff nach Westen wäre nicht erfolgversprechend. Aktuell benutzt er doch auch ukrainische Hintertürchen. Ein solch offen, provokatives Verhalten wäre also kontraproduktiv und kann leicht in den Cold War II führen.
sponposter 24.08.2014
2. Wir brauchen einen Schutz vor diesem Russland
Die Zeiten haben sich geändert. Russland ist kein rationaler Partner mehr, sondern ein aggressiv-nationalistischer Staat, der Nachbarländer bedroht und Teile von ihnen annektiert. Deshalb kann ich die Befürchtungen der Balten und Polen gut verstehen. Ich denke, wenn sich die Krise verschärfen sollte und der Westen vor den russischen Expansionsplänen nicht einknickt, wird Russland irgendwann auch die Raketen-Karte spielen. Ich denke, wir werden noch froh sein über einen Raketenabwehrschirm. Deshalb bin ich klar dafür, den Schutz auch vor Russland aufzubauen. Das wäre ein Zeichen der Vernunft.
sunglider 24.08.2014
3. Der Schutzschirm muss her
"weil man Moskau nicht ohne Not provozieren solle. " Unsere Sicherheit gegen Befindlichkeiten tauschen? Russland provoziert den Westen in einer Tour. Natürlich sollte dieser Schutzschirm her. Den Russen kann man nicht vertrauen, wie man im Moment deutlich sieht. Auch wenn man MH 117 mal außen wor lässt, die völkerrechtswidrige Annektion der Krim bleibt. Sollte tatsächlich mal ein agressiver Akt von Putin ausgehen, will Merkel sich dann bei den Opfern damit entschuldigen, man wollte Moskau ja nicht ohne Not provozieren?
Big_Jim 24.08.2014
4. Der Raketenschirm nutzt nur der Rüstungsindustrie.
Es ist technisch ausgeschlossen einen geballten Angriff mit atomaren Kurz- und Mittelstreckenraketen zu stoppen. Das funktioniert mit ein paar wenigen Raketen aber nicht gegen Russland. Wie wäre es, einfach wieder mit etwas weniger Aufregung und Zorn ins Gespräch zu kommen? Russland möchte, ebenso wenig wie wir, in einem atomaren Krieg ausgelöscht zu werden. Auf dieser Gemeinsamkeit sollte man doch aufbauen können, oder?
imri.rapaport 24.08.2014
5. Es wird schon wieder
mit den Schwertern gerasselt. hatten wir das nicht schon unlängst gehabt und es ging nicht so toll aus? Da sind mir doch wirtschaftliche Sanktion allemal lieber, da wird niemand direkt verletzt und die Wirkung ist schneller und effektiver.
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