Verteidigung Nato dementiert Meldung über neue Eingreiftruppe

Die Nato hat Meldungen dementiert, wonach sie eine Eingreiftruppe aus 30.000 Soldaten unter führender Rolle Deutschlands plane. Stattdessen kündigt Generalsekretär Stoltenberg im SPIEGEL an, die "Einsatzbereitschaft weiter zu verbessern".

DPA


Die Nato hat Berichte zurückgewiesen, wonach das Bündnis eine neue Eingreiftruppe von etwa 30.000 Soldaten aufbaue, die innerhalb von 30 Tagen einsatzbereit seien. Ein entsprechender Bericht der "Welt am Sonntag" war am Samstag von Medien in Deutschland aufgegriffen worden, auch vom SPIEGEL.

In einem Schreiben an die Redaktionen stellt die Nato klar, sie plane keine neue Eingreiftruppe. Vielmehr gehe es bei anstehenden Beratungen darum, die Bereitschaft der existierenden Truppen zu verbessern, ebenso ihre Bewegungsfähigkeit innerhalb Europas und über den Atlantik. Ziel sei es, die Reaktionsfähigkeit für den Fall eines unvorhersehbaren Angriffs zu verbessern.

In der kommenden Woche würden die Verteidigungsminister der Nato-Staaten in Brüssel den Weg freimachen für eine Entscheidung auf dem Gipfeltreffen im Juli, auf dem es um die Bereitschaft der Streitkräfte, ihre Verstärkung und die Kommandostruktur gehe. Es würden aber keine Truppenzahlen diskutiert.

Darauf hatte auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg im Gespräch mit dem SPIEGEL hingewiesen. "Wir werden beim Nato-Gipfel im Juli darüber diskutieren, wie wir uns unsere Einsatzbereitschaft weiter verbessern können", sagte Stoltenberg mit Blick auf die zunehmenden Probleme mit Russland.

Die Nato wolle überdies "mit unseren Bündnispartnern klären, welche zusätzlichen Einheiten im Krisenfall rasch abrufbar sind. Dies dient einer glaubwürdigen Abschreckung, und nicht dazu, Russland zu provozieren", so der Nato-Generalsekretär.

Stoltenberg kündigte zudem Änderungen in der Kommandostruktur an. "Es wird ein neues Atlantikkommando geben, um Truppen einfacher von Nordamerika nach Europa zu transportieren. Und wir planen ein Hauptquartier für Logistik, das in Deutschland entstehen soll." Als Standort für das deutsche Logistikhauptquartier ist Ulm angedacht.

Der SPIEGEL hatte bereits im vergangenen Herbst über vertrauliche Nato-Papiere berichtet, aus denen hervorging, dass die Allianz womöglich nicht in der Lage sein könnte, im Ernstfall rasch genug Verstärkung und Nachschub in die baltischen Länder oder nach Osteuropa zu bekommen. Hinterfragt wurde auch, ob eine Verstärkung aus den USA wirklich reibungslos funktionieren würde.

Stoltenberg betonte im Gespräch mit dem SPIEGEL zudem, dass die Nato bereits in den vergangenen Jahren viel unternommen habe, um sich auf eine mögliche Bedrohung durch Russland einzustellen. "Daher verstärken wir seit einiger Zeit unsere Präsenz in Osteuropa, wie etwa mit Soldaten der Bundeswehr in Litauen", so Stoltenberg". "Und wir arbeiten an unseren Fähigkeiten, um im Notfall schnell Nachschub dorthin zu bringen. Wir haben die Nato-Response-Force verdreifacht, unsere schnelle Eingreiftruppe."

ala



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.