Nach Luftangriff in Afghanistan: Nato entschuldigt sich für zivile Opfer

Erstmals hat die Nato den Tod von Zivilisten bei ihrem jüngsten Luftangriff in Afghanistan eingestanden. Der Kommandeur der Isaf-Truppe reiste zu den Familien der Opfer und entschuldigte sich persönlich.

Kabul - Der Kommandeur der Nato-geführten Isaf-Truppe in Afghanistan, John Allen, hat sich für den Tod von Zivilisten beim jüngsten Angriff des Militärbündnisses entschuldigt. "General Allen ist heute nach Logar gefahren, um sich bei den Familien der Opfer zu entschuldigen und ihnen sein Beileid auszusprechen", sagte ein Sprecher der Isaf der Nachrichtenagentur dpa. Der Kommandeur habe dabei von einer "herzzerreißenden Realität des Krieges" gesprochen.

Am Mittwoch waren bei dem Nato-Luftschlag in der Provinz Logar im Osten des Landes nach afghanischen Angaben 18 Zivilisten getötet worden, darunter viele Kinder. Bisher hatte die Nato erklärt, es gebe keine Hinweise darauf, dass Zivilisten getötet worden seien.

Provinzratschef Abd al-Wali Wakili sagte nach Angaben von Nachrichtenagenturen, viele Mitglieder der Familie des Stammesältesten Basir Achundsada seien bei dem Bombardement ums Leben gekommen, darunter auch Achundsada selbst.

Der lokale Politiker sagte allerdings auch, dass sechs Taliban-Kämpfer - darunter ein Kommandeur - bei dem Angriff getötet worden sei.

Nach einem Schusswechsel hatte die Nato Luftunterstützung angefordert, sagte der Nato-Sprecher. Die Bewohner hätten das Haus trotz Aufforderung zuvor nicht verlassen. Den Berichten zufolge wurden der Stammesälteste und 17 seiner Familienmitglieder getötet - darunter neun Kinder und vier Frauen.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai hatte daraufhin scharfe Kritik geübt: "Nato-Operationen, die Zivilisten körperlichen und materiellen Schaden zufügen, können in keiner Weise gerechtfertigt, akzeptiert oder toleriert werden."

heb/AP/dpa

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1.
Ulrich Berger 08.06.2012
Zitat von sysopErstmals hat die Nato den Tod von Zivilisten bei ihrem jüngsten Luftangriff in Afghanistan eingestanden. Der Kommandeur der Isaf-Truppe reiste zu den Familien der Opfer und entschuldigte sich persönlich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,837772,00.html
Ich denke mal, dass Mordprozesse und die daraus resultierenden Strafen fuer uns Steuerzahler sehr teuer sind. Kann nicht versucht werden, Moerder in Zukunft zu einer Entschuldigung zu bewegen und den Mord nach dieser Entschuldigung nach dem ISAF-Modell als Sportunfall zu betrachten und bewerten? Stellen Sie sich mal vor, wieviel zusaetzliches Geld wir dann noch nach Griechenland schicken koennten. Nennen wir dann: aus dem Moerder-Fond.
2. Etwas spät
ritotschka 08.06.2012
Meint die NATO mit dieser Entschuldigung wirklich, alle Sünden sind jetzt vergeben? Das hinterlassene Leid können sie nicht ausschalten. Es wird bleiben und weiteren Hass erzeugen.
3. Tragödie
nauticcus 08.06.2012
So umstritten die Rechtfertigungen für diesen Krieg sind, so undurchsichtig und verworren ist auch der Krieg selbst. Nur findet zur Zeit eben leider dieser Krieg statt. Und da ist es mit Sicherheit überlebenswichtig, dass jeder in Afghanistan seine Position klar bezieht, sich entweder deutlich freihält von den erklärten Feinden der Allianz oder eben im Komglomerat der Interessen verweilt und sich damit dem kriegsbedingten Töten aussetzt. In der vorliegenden Tragödie war die Positionierung nicht eindeutig und klar, daher unter Inkaufnahme vielfacher Kinderopfer der "Kollateralschaden". Das klingt nicht nur zynisch, es ist es auch. Leider. Unsere Freiheit verteidigen wir dort jedenfalls nicht unmittelbar. Eine irgendwie nebulös angenommene Freiheit nach unseren ethischen Vorstellungen versucht die Allianz dort zu erzwingen, gegen einen Großteil der dortigen Bevölkerung. - Oder muß wieder nur die westliche Kriegmaschinerie weiterlaufen, weil der miltiärisch-kapitalistische Komplex seine Profite einfahren will, und findet das Gleiche mit teils anderen teils denselben Protagonisten auch auf der anderen Seite statt? Was nützt denn die Entschuldigung? - Jeder Tote multizipliert die Zahl neuer Gegner/Feinde!
4. die Standard-Entschuldigung
realpolitiker 08.06.2012
Zitat von sysopErstmals hat die Nato den Tod von Zivilisten bei ihrem jüngsten Luftangriff in Afghanistan eingestanden. Der Kommandeur der Isaf-Truppe reiste zu den Familien der Opfer und entschuldigte sich persönlich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,837772,00.html
Wenn Verbrecher Menschen ermorden oder totschlagen, dann sind das natürlich verabscheuungswürdige Taten, die zurecht mit aller Strenge bestaft werden müssen. Wenn das Militär von demokratischen Staaten, die sich ständig öffentlich zu den Menschenrechten bekennen, unschuldige Menschen so nebenbei mittötet und das als bedauerliche Kollateralsschäden bezeichnet, dann ist das für mich ein Rückfall in schlimme Barbarei. Die Entschuldigung der Nato-Verantwortlichen ist für mich eine schäbige Verhöhnung der Opfer. Für die vorsätzliche Inkaufnahme der Tötung auch unschuldiger Menschen kann es keine Entschuldigung oder Rechtfertigung geben. Das sind Methoden von Gewaltregimen. Schon schlimm genug, wenn Terroristen die Menschen in die Luft sprengen, wenn aber die eigentlichen Beschützer Zivilisten umbringen, dann sind das für mich Kriegsverbrechen! Diese Methoden zeigen leider die heute übliche Verlogenheit und Heuchelei und den in der Realität geringen Stellenwert des Rechtsgutes Leben auch bei den westlichen Demokratien. Das ist offensichtlich ein Verfahren nach dem Motto: Erlaubt ist alles, was der eigenen Sache nützt oder wo gehobelt wird fallen Späne. Ich denke, dass die politische Führung dem Militär unzulässige Kompetenzen zum Töten einräumt, die im Gegensatz zu allen westlichen Wertvorstellungen stehen dürften.
5. Mittäter
Klaschfr 09.06.2012
Zitat von sysopErstmals hat die Nato den Tod von Zivilisten bei ihrem jüngsten Luftangriff in Afghanistan eingestanden. Der Kommandeur der Isaf-Truppe reiste zu den Familien der Opfer und entschuldigte sich persönlich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,837772,00.html
Und Deutschland ist dabei!
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