Nato Experten setzen sich für Verbot atomarer Marschflugkörper ein

Nukleare Marschflugkörper gelten als große Gefahr für den Frieden. Nach SPIEGEL-Informationen loten nun Experten bei den europäischen Nato-Staaten die Chancen für ein weltweites Verbot aus.

US-Schiff feuert Marschflugkörper ab
REUTERS/ US Navy

US-Schiff feuert Marschflugkörper ab


Der Nato steht eine Debatte über die Abschaffung atomarer Marschflugkörper bevor. Ein Team von Nuklearwaffenexperten um Andrew Weber, unter Barack Obama ranghoher Mitarbeiter im US-Verteidigungsministerium, und den britischen Konter-Admiral a. D. John Gower sondiert nach SPIEGEL-Informationen die Bereitschaft europäischer Nato-Staaten, sich für ein weltweites Verbot einzusetzen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 16/2018
Berechtigte Sorge, übertriebene Angst - die Fakten zur Debatte um Islam und Heimat

Marschflugkörper können mit konventionellen wie nuklearen Sprengköpfen bestückt werden und gelten als destabilisierend. Droht ein Atomwaffenstaat mit dem Einsatz dieser Waffen, kann der Gegner nur spekulieren, welchen Sprengkopf diese tragen. Auch warnen die Experten, dass die Marschflugkörper im Kriegsfall die nukleare Schwelle senken. Die Verlockung sei groß, bei einer Eskalation auf nukleare Marschflugkörper zurückzugreifen, weil man glaube, die Situation sei dann beherrschbar, erklärt Gower.

Unter den Atommächten besitzen Frankreich, die USA und Russland diese Systeme. Auch Pakistan entwickelt eine solche Waffe; China und Indien könnten folgen. Ein weltweites Verbot würde insbesondere die Lage in Europa stabilisieren und zudem den nicht europäischen Atomwaffenstaaten den Aufwand für Entwicklung und Produktion ersparen. Großbritannien hat sich schon explizit gegen atomare Marschflugkörper ausgesprochen, die neutralen Staaten Schweiz und Schweden unterstützen den Vorstoß. Mit der Bundesregierung haben Gower und Weber jetzt Gespräche aufgenommen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.



insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Beat Adler 14.04.2018
1. Jedes Verbot bedingt die Ueberpruefung der Einhaltung.
Jedes Verbot bedingt die Ueberpruefung der Einhaltung. Wer stellt sicher, dass in den USA, in Russland, in China, in Grossbritanien, in Frankreich, in Indien, in Pakistan, in Israel und in Nordkorea keine Marschflugkoerper mit Atomspengkoepfen bestueckt sind und auch nicht werden? Wenn doch, wer fuehrt Sanktionen durch? Syrien unterschrieb 2013 die Konvention gegen chemische Waffen mit Russland als Garantiemacht. Das Resultat ist bekannt. Ein Verbot, ohne Umsetzung der Ueberpruefung und im Falle der Missachtung der Bestrafung, ist unsinnig. mfG Beat
graf koks 14.04.2018
2. oha, Verbote
Die Zeiten, als man sich an Verbote, Verträge oder gar Völkerrecht hielt, sind doch Vergangenheit. Und selbst da haben sie die Menschheit nicht vor verheerenden Kriegen bewahrt. Überhaupt - wer sollte das kontrollieren? Das Pentagon oder CIA?
mk1964 14.04.2018
3. Wäre gut, aber
Chemiewaffen sind auch verboten und werden nicht nur in Syrien hemmungslos genutzt. Und der UN-Sicherheitsrat schafft es nicht einmal, das wenigstens verbal zu verurteilen.
auweia 14.04.2018
4. In Ordnung
Dann aber nicht bestimmte Mittelstreckenraketen vergessen, die ebenfalls in einer konventionellen und einer nuklaren Variante scharf gemacht werden können. Beispiel: Russische Iskander die gegenwärtig im Königsberger Gebiet stationiert sind und auch Berlin erreichen können. Von denen weiss auch niemand, welcher Sprengkopf gerade drauf ist...
helmut46 14.04.2018
5. Auch abgereicherte Uran-Munition ist eine Chemiewaffe!!!!!!
Zitat von mk1964Chemiewaffen sind auch verboten und werden nicht nur in Syrien hemmungslos genutzt. Und der UN-Sicherheitsrat schafft es nicht einmal, das wenigstens verbal zu verurteilen.
Es wäre doch schon ein großer Fortschritt, wenn sich alle UN-Mitglieder einig wären, dass der Einsatz von abgereicherter Uranmunition inakzeptabel ist, durch die die Anzahl der Leukämie- und Krebskranken z. B. im Irak um mehr als das Zehnfache gestiegen ist und auch die Anzahl der Missbildungen bei Neugeborenen ( Körper mit drei oder vier Händen oder zwei Köpfen) zunehmen. Eine große Gefahr geht von den Trümmern der im Irak eingesetzten Uran-Munition aus, durch die die Gesundheit der Bevölkerung auf Jahre beeinträchtigt wird, aber vom Verursacher nicht beseitigt wird. Es ist erwiesen, daß USA kürzlich auch in Syrien abgereicherte Uranmunition eingesetzt hat. Aber das interessiert natürlich niemand.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.