Nato-Gipfel Berlusconi schwänzt Gruppenfoto-Termin - und telefoniert

Italiens Premier Silvio Berlusconi war beim Nato-Gipfel in Kehl für eine Überraschung gut. Der Regierungschef ließ Gastgeberin Angela Merkel bei der Begrüßung stehen - und spazierte telefonierend zum Rhein. Beim feierlichen Gruppenfoto blieb er als einziger fern.


Kehl - Er telefonierte: Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat beim Nato-Gipfel den Termin für das Familienfoto der Staats- und Regierungschefs an der Rheinbrücke zwischen Kehl und Straßburg geschwänzt. Berlusconi blieb alleine in Kehl, und spazierte mit seinem Handy am Rheinufer entlang.

Aus italienischen Regierungskreise verlautete am Rande des Gipfels, das Telefonat am Rheinufer sei durchaus wichtig gewesen: Berlusconi habe mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan über die anstehende Nachfolge von Nato-Chef Jaap de Hoop Scheffer gesprochen.

Berlusconi hatte die Gastgeberin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, bereits bei der Begrüßung ignoriert. Er stieg aus seiner Limousine und ging zunächst in Richtung Rhein, um zu telefonieren. Merkel setzte die Begrüßung der Staats- und Regierungschef auf dem roten Teppich fort.

Als der britische Premierminister Gordon Brown als letzter Gast eintraf, telefonierte Berlusconi immer noch. Merkel beschritt schließlich ohne Berlusconi mit den anderen Staats- und Regierungschefs die Rheinbrücke. Berlusconi folgte später alleine - aber er telefonierte auch dann noch.

Noch immer ist der Streit um den Posten des Generalsekretärs nicht beigelegt. Der türkische Präsident Abdullah Gül hatte zum Gipfelauftakt am Freitagabend die Nominierung des dänischen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen für den Spitzenposten blockiert.

In Rom demonstrierten am Samstag mehrere Zehntausend Menschen gegen die Wirtschaftspolitik Berlusconis. Der größte italienische Gewerkschaftsbund CGIL hatte zu den Protesten aufgerufen. In fünf Demonstrationszügen marschierten die Teilnehmer Richtung Innenstadt. Auf Transparenten und in Sprechchören warfen sie der konservativen Regierung Berlusconi eine verfehlte Politik in der Wirtschaftskrise vor, die Italien hart getroffen hat. Prognosen gehen von einem Rückgang der Konjunktur in diesem Jahr um mehr als vier Prozent aus.

amz/AP/dpa



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