Montenegro zum Beitritt eingeladen Russland reagiert mit Drohungen auf Nato-Vorstoß

Die Nato hat Montenegro jetzt offiziell eingeladen, dem Militärbündnis beizutreten. Ein Schritt, vor dem Russland schon im Vorfeld gewarnt hatte. Moskau droht Konsequenzen an.

Sitzung der Nato-Außenminister: Angebot an Montenegro
AFP

Sitzung der Nato-Außenminister: Angebot an Montenegro


Trotz Widerstands aus Moskau: Montenegro kann 29. Mitglied der Nato werden. Die Außenminister der Bündnisstaaten haben das kleine Balkanland offiziell eingeladen, der Verteidigungsallianz beizutreten.

Der Generalsekretär des Bündnisses, Jens Stoltenberg, sagte, die Entscheidung mache klar, "dass die Nato ihre Tür offenhält, um die Vision von einem geeinten, freien und friedlichen Europa zu verwirklichen".

Der montenegrinische Außenminister Igor Lukic sprach von einem "großen Tag" für sein Land. Die Einladung sei auch die Anerkennung für große Anstrengungen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: "Wir haben in Montenegro in den letzten Jahren schwierige Reformprozesse erleben dürfen, denen sich das Land allerdings gestellt hat." Deshalb sei die Entscheidung ein gutes Signal für den westlichen Balkan und andere Beitrittsaspiranten.

Russland hatte eine Aufnahme Montenegros jüngst erst wieder als schädlich für die europäische Sicherheit bezeichnet. Eine Mitgliedschaft des kleinsten Landes Ex-Jugoslawiens in der Allianz würde den Beziehungen zwischen Russland und der Nato "einen weiteren Schlag versetzen", sagte Andrej Kelin vom Außenministerium in Moskau in der vergangenen Woche. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet nun, Russland drohe damit, gemeinsame Projekte mit Montenegro zu beenden.

Alle gemeinsamen Projekte würden gestoppt, wenn das Land dem Bündnis beitrete, sagte demnach Wiktor Oserow, Vorsitzender im Verteidigungsausschuss im Russischen Föderationsrat, dem Oberhaus des Parlaments, der Agentur Ria.

Das Verhältnis der Nato zu Russland ist seit der Ukrainekrise äußerst gespannt, jegliche Zusammenarbeit ist derzeit ausgesetzt. Zuletzt erhöhte der Abschuss eines russischen Kampfjets durch das Nato-Land Türkei die Spannungen weiter.

Montenegro gespalten

Montenegro selbst ist über den Nato-Beitritt gespalten. Nach allen Umfragen sind die Befürworter und Gegner praktisch gleich stark. Die Gegner sind gleichzeitig Russlandfreunde und stehen in scharfer Opposition zur Regierung. Im September begannen sie mit einem Parlamentsboykott den Versuch, Regierungschef Milo Djukanovic zu entmachten.

Der Konflikt eskalierte Ende Oktober, als die Opposition mit Protesten die Regierung gewaltsam stürzen wollte. Die erstickte die Demonstration mit großer Härte mit dem Einsatz von Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschossen.

Montenegro spaltete sich erst 2006 von Serbien ab. Dort leben etwas mehr als 600.000 Menschen. Von der Einladung bis zum Nato-Beitritt kann es noch dauern. Bei Albanien und Kroatien etwa lag dazwischen ein Jahr. Die beiden Länder waren 2009 die bislang letzten, die von der Nato aufgenommen wurden.

kev/AFP/dpa

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