Aufrüstung nach Jet-Abschuss Nato stärkt Luftabwehr der Türkei

Der Bündnispartner Türkei soll eine stärkere Luftabwehr erhalten, und die Nato betont: Die Aufrüstung habe nichts mit dem Abschuss eines russischen Jagdbombers zu tun.

Nato-Generalsekretär Stoltenberg: Verbesserung der Luftabwehr in der Türkei
AFP

Nato-Generalsekretär Stoltenberg: Verbesserung der Luftabwehr in der Türkei


Die Türkei hat immer wieder um Unterstützung der Nato gebeten. Jetzt signalisiert das Militärbündnis. "Wir werden an weiteren Maßnahmen arbeiten, um die Sicherheit der Türkei zu gewährleisten", sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Dienstag kurz vor Beginn eines Außenministertreffens in Brüssel. Dabei gehe es unter anderem um die Verbesserung der Luftabwehr.

Stoltenberg betonte allerdings, dass die Entscheidung bereits vor der jüngsten Eskalation der Spannungen zwischen der Türkei und Russland getroffen worden sei. Dazu war es in der vergangenen Woche gekommen, als die türkische Luftwaffe im türkisch-syrischen Grenzgebiet ein russisches Kampfflugzeug abschoss. Schon nach den ersten Luftraumverletzungen durch die Russen hatte Ankara um Hilfe gebeten.

Die Spannungen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan haben seitdem stark zugenommen. Moskau verlangt eine Entschuldigung, Ankara spricht von Selbstverteidigung, da das Flugzeug den türkischen Luftraum verletzt habe. Putin bezichtigte die Türkei zuletzt gar, mit der Terrormiliz "Islamischer Staat" zu kooperieren.

Genaue Pläne liegen noch nicht vor

Wie genau die Nato-Präsenz im Süden gestärkt werden soll, ist nach Angaben von Stoltenberg noch nicht endgültig entschieden. Er verwies unter anderem darauf, dass Deutschland jüngst für die Nato-Marinekräfte eine Fregatte zur Verfügung gestellt habe, die bereits im östlichen Mittelmeer unterwegs sei.

Wie es heißt, plant die Nato, die Türken mit zusätzlichen Awacs-Flügen und möglicherweise auch mit Abfangjägern, die die Briten stellen wollen, die Rede ist von vier "Typhoons", zu unterstützen. Beschlossen wird das wohl bei diesem Nato-Treffen noch nicht, aber die Planungen dafür laufen.

Bereits jetzt haben die USA im Rahmen eines bilateralen Abkommens Abfangjäger in der Türkei stationiert, um die Luftabwehr des Landes zu stärken. "Ich erwarte, dass weitere Alliierte zusätzliche Zusagen machen und wir innerhalb weniger Wochen Entscheidungen zu den Sicherungsmaßnahmen für die Türkei treffen können", sagte Stoltenberg.

Die USA und Deutschland hatten eigentlich geplant, ihre militärische Unterstützung für die Türkei zurückzufahren und im Sommer den Abzug ihrer "Patriot"-Raketenabwehrsysteme eingeleitet. Derzeit ist nur noch eine spanische "Patriot"-Batterie einsatzbereit.

Schutzmacht der Turkmenen

Bereits beim Nato-Verteidigungsministertreffen im Oktober hatte Nato-Generalsekretär Stoltenberg klargemacht, dass das Bündnis bei Bedarf sogar Truppen zum Schutz des Bündnisgebietes in die Türkei schicken würde. "Die Türkei ist ein sehr starker Partner, aber die Nato ist natürlich immer bereit zu verstärken und zu unterstützen", sagte er damals. Der türkische Verteidigungsminister Vecdi Gönül bat damals aber konkret um Unterstützung bei der Luftabwehr.

Als Hintergrund gilt das militärische Eingreifen Russlands in den Syrienkonflikt. Dieses wird von der Regierung in Ankara sehr kritisch gesehen, da Moskau im Gegensatz zu der US-geführten Koalition gegen die Terrormiliz IS gleichzeitig auch den syrischen Machthaber Baschar al-Assad unterstützt.

Die Türkei wirft Russland unter anderem vor, auch die in der Grenzregion lebende Turkmenen zu bombardieren. Die Türkei versteht sich als Schutzmacht dieser Minderheit.

apr/mgb/heb/dpa/AFP

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