Deutscher Vorschlag Nato stimmt für neuen Krisendraht nach Moskau

Seit der Ukraine-Krise liegen die Beziehungen zwischen Nato und Russland auf Eis. Das soll sich nun ändern: Das Militärbündnis billigte einen deutschen Vorschlag für neue Gesprächskanäle. Aus Moskau gibt es noch keine Signale.

Deutscher Steinmeier, Außenministerkollegen: Wie umgehen mit Moskau?
AFP

Deutscher Steinmeier, Außenministerkollegen: Wie umgehen mit Moskau?


Brüssel - So schlecht wie derzeit war das Verhältnis zwischen Kreml und Nato lange nicht - die Krise in der Ukraine hat viele Dialoge beendet, Fortschritte zunichte gemacht. Jetzt gibt es möglicherweise eine positive Entwicklung zu verzeichnen. Die Nato hat dem deutschen Vorschlag für einen Krisen-Kommunikationsmechanismus mit Russland zugestimmt. Über diesen sollen sich beide Seiten schnell zu auftretenden Spannungen austauschen können.

Die Nato-Außenminister hätten die Führung der Allianz am Dienstagabend aufgefordert, "nach Möglichkeiten zu suchen, auf der Ebene der militärischen Experten Kontakte wieder aufzubauen", sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Mittwoch in Brüssel. Sie sollten "sicherstellen, dass wir über ein Mindestmaß gegenseitigen Austausches mit Russland verfügen in dieser kritischen Zeit".

Die Pläne stecken jedoch noch in einer sehr frühen Phase. Wie die Kontakte genau aussehen sollen, blieb ebenso offen wie die Frage, ob Russland überhaupt zustimmen würde. Als Beispiele für Situationen, in denen das Gremium zusammenkommen könne, nannte der Minister "internationale Übungen, Überflüge, Besuche von Kriegsschiffen der russischen Marine in fernen Gegenden der Welt"

Steinmeier hatte am Dienstag darauf verwiesen, dass die Kommunikation mit Russland wegen der Ukraine-Krise zuletzt unter das Niveau des Kalten Krieges gefallen sei. Der "Zustand der Kontaktlosigkeit" müsse dringend überwunden werden. Der Minister verwies dabei auf Spannungssituationen wie die Annäherung von Flugzeugen an den Nato-Luftraum oder die Entsendung von russischen Kriegsschiffen, die ohne Klärung schnell eskalieren könnten.

Die Nato hatte nach der Annexion der Krim im März zum 1. April ihre gesamte militärische Zusammenarbeit mit Russland auf Eis gelegt. Seit Juni gab es zudem keine Treffen auf Botschafterebene im Nato-Russland-Rat mehr. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte am Dienstag gesagt, es gebe weiter militärischen Kontakt mit Russland, und auch "die Kanäle für politischen Dialog" seien weiter offen.

jok/dpa/AFP/Reuters



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insgesamt 6 Beiträge
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sametime 03.12.2014
1. Ökologisch
Das ist doch mal eine gute Idee! Ein Draht nach Moskau. Er ist nicht nur leichter, sondern auch billiger als eine Gaspipeline und nimmt nicht so viel Platz in Anspruch. Gas kann man zwar nicht durchleiten, aber man kann nicht alles haben. Vielleicht kann man ja mal ein paar Kochrezepte über den Draht austauschen oder Wäsche zum Trocknen aufhängen. Möglichkeiten gibt es immer.
smokiebrandy 03.12.2014
2. Krisendrähte
...sind sicherlich sinnvoller als Speerspitzen. Damit man miteinander reden kann muss man sich aber auch auf eine gemeinsame "Sprache" einigen. Niemandem nutzt ein gegenseitiges Vorhalten der gemachten Fehler...man sollte diese allerdings von beiden Seiten aus in Zukunft vermeiden...Eine abschätzige oder herabwürdigende Betrachtung seiner Gesprächspartner ist eher nicht zielführend...
nightwatchman 04.12.2014
3.
Die Beispiele für ein Zusammenkommen des Gremiums implizieren irgendwie, dass Russland nun all seine Aktionen vorab per heisem Draht anmelden und die Erlaubnis dieses Gremiums erbitten soll?! Glaube kaum das sie jemanden fragen, ob sie Schiffe zu einem Flottenbesuch in "ferne Regionen " schicken dürfen oder nicht.
chrisof 04.12.2014
4.
vom Alphabet her gehört die Vertreterin Georgiens zwischen France and Germany, das ist richtig, aber muss denn unbedingt ein Land aus dem ehemals sowjetischen Transkaukasien in den Nordatlantik Pakt aufgenommen werden? Sollen da die für den Westen wichtigen Pipelines geschützt werden? Georgien liegt jenseits der Kaukasuskammlinie, also geografisch nicht in Europa und schon garnicht am Nordatlantik. Wenn der NATO-Raum dermaßen überdehnt wird, kommt es doch zwangsläufig zu immer mehr Beinahekatastrophen mit dem Militär des neudefinierten Feindbildes der Russischen Föderation.
reggi 04.12.2014
5.
Zitat von nightwatchmanDie Beispiele für ein Zusammenkommen des Gremiums implizieren irgendwie, dass Russland nun all seine Aktionen vorab per heisem Draht anmelden und die Erlaubnis dieses Gremiums erbitten soll?! Glaube kaum das sie jemanden fragen, ob sie Schiffe zu einem Flottenbesuch in "ferne Regionen " schicken dürfen oder nicht.
Sie scheinen nicht sehr alt zu sein. Zur Zeiten des Kalten Kriegs nannte man es noch "Rotes Telefon". Dadurch wollte man (vieleicht hat man auch) einen unbeabsichtigten Atomkrieg verhindern.
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