Angespannte Sicherheitslage Nato stoppt Truppenabzug aus Afghanistan

Das westliche Verteidigungsbündnis zieht seine Truppen langsamer aus Afghanistan ab - wegen der schlechten Sicherheitslage. Deutschland schickt kommendes Jahr sogar mehr Soldaten.

US-Soldaten in Afghanistan (Archivbild): Der Abzug wird verzögert
REUTERS

US-Soldaten in Afghanistan (Archivbild): Der Abzug wird verzögert


Die Nato hat den geplanten Truppenabzug aus Afghanistan vorerst gestoppt. Die Außenminister der Bündnisstaaten beschlossen in Brüssel, den Einsatz am Hindukusch im nächsten Jahr mit nahezu unverändertem Aufwand fortzuführen.

Das Verteidigungsbündnis insgesamt reagiert damit auf die prekäre Sicherheitslage im Land. Deutschland wird sein Engagement wie Mitte November angekündigt sogar wieder ausweiten - und sich mit bis zu 980 statt bisher 850 Bundeswehrsoldaten beteiligen. Zuvor hatte bereits US-Präsident Barack Obama den Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus dem Land verlangsamt. Bis Ende 2016 sollen nun rund 7000 US-Soldaten in dem Land bleiben, 5000 entfallen auf die anderen Nato-Partner.

Rund 12.000 Soldaten werden damit kommendes Jahr die afghanischen Sicherheitskräfte in der Mission "Resolute Support" beraten und ausbilden. "Ich begrüße das sehr starke Engagement der Alliierten und ihrer Partner", kommentierte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg die Einigung.

Etliche Nato-Partner wie Deutschland und die USA hatten für 2016 eigentlich einen weitreichenden Truppenabzug geplant. Heftige Angriffe radikalislamischer Taliban-Rebellen auf Städte wie Kundus führten zuletzt aber zu einem Umdenken.

Künftig ist sogar vorgesehen, Nato-Ausbilder wieder verstärkt direkt in umkämpften Gebieten einzusetzen. Zudem soll die Weitergabe von Aufklärungserkenntnissen an afghanische Sicherheitskräfte geprüft werden. So ließe sich möglicherweise verhindern, dass diese wie zuletzt in Kundus von Angriffen überrascht werden.

Im Video: Stoltenberg zum Afghanistan-Einsatz

"Wir werden Anpassungen machen", sagte Stoltenberg. Aus dem Einsatz wieder einen Kampfeinsatz zu machen, schloss er allerdings aus. Der Nato-Kampfeinsatz in dem Land lief Ende 2014 offiziell aus.

apr/dpa/AFP

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insgesamt 65 Beiträge
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dilido 01.12.2015
1. Umgekehrte Welt?
Nato-Soldaten setzen in Afghanistan ihr Leben aus Spiel --- während die afghanischen jungen Männer desertieren, vorzugsweise nach Deutschland.
neinsagen 01.12.2015
2. warum war das schon immer klar?
die Sauerei die uns die Alliierten eingebrokt haben lassen sich nicht in 100 Jahren auslöffeln. gestern Afghanistan heute Mali und Syrien Deutschland ein versklavter Staat
joG 01.12.2015
3. Fast alle EU Mitglieder sind....
.....in der NATO. Warum sollen die Amis 7.000 und die Europäer, von denen es mehr gibt als Amis, nur 5.000 Buben stationieren? Ich finde das unerhört.
Worldwatch 01.12.2015
4. Die Sicherheit Deutschlands ...
... wird bekanntlich auch am Hindukusch verteidigt! Oder, der Verstand der NATO wird am Hindukusch auf dem Mohn-Basar verhoekert.
Here Fido 01.12.2015
5. Katastrophal
Dieses Abenteuer gestartet aus uneingeschränkter Solidarität ist immer noch nicht zu Ende. Auch hier war kein klares Ziel und keine Exit-Strategie vorhanden. Und nun wollen wir das Nächste aus ähnlich kopflosen Gründen starten? Unsere Politiker machen mir mehr Angst als sämtliche Terroristen. Handeln die eigentlich komplett ohne Verstand? Was war denn nun in Belgien und in Hannover?
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