Generalsekretär Stoltenberg Nato verzeichnet deutlichen Anstieg von Hackerangriffen

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zeigt sich besorgt über die steigende Zahl von Hackerangriffen auf Einrichtungen des Bündnisses. Nato-Computer würden rund 500-mal im Monat angegriffen. Dahinter steckten "staatliche Institutionen".

Jens Stoltenberg (Archivbild)
DPA

Jens Stoltenberg (Archivbild)


Die Zahl der Hackerangriffe auf die Nato ist nach Angaben ihres Generalsekretärs Jens Stoltenberg deutlich gestiegen. Im vergangenen Jahr habe es pro Monat durchschnittlich 500 bedrohliche Cyberangriffe auf Einrichtungen der Nato gegeben, die ein intensives Eingreifen von Experten erforderlich machten, sagte Stoltenberg der "Welt".

Das sei ein Anstieg von 60 Prozent gegenüber dem Jahr 2015. Die meisten dieser Angriffe gingen nicht von Privatpersonen aus, sondern würden "von staatlichen Institutionen anderer Länder gesponsert", so der Nato-Chef. Dies gehe aus dem großen Ressourcenaufwand klar hervor. "Ich bin äußerst besorgt über diese Entwicklung", sagte Stoltenberg.

Die Formulierung Stoltenbergs ähnelt Aussagen von US-Geheimdiensten, die für Computerangriffe während des US-Wahlkampfs ebenfalls staatliche Akteure verantwortlich machten. Die USA schließen aus Indizien, dass es sich bei den Angreifern um russische Hacker gehandelt habe, Beweise dafür gibt es nicht.

Nato-Generalsekretär Stoltenberg sprach sich nun für verstärkte Anstrengungen aus. Cyberabwehr werde beim nächsten Nato-Gipfel eine wichtige Rolle spielen. Cyberangriffe seien potenziell sehr gefährlich, weil sie beispielsweise der Energie- und Gesundheitsversorgung und anderen kritischen Infrastrukturen schaden können, sagte er.

Zudem könnten sie der Verteidigungsbereitschaft der Nato schaden und die bewaffneten Truppen bei ihrer Arbeit beeinträchtigen. Hackerangriffe von einer bestimmten Größenordnung könnten darum einen Bündnisfall nach Artikel 5 auslösen.

cht/Reuters

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insgesamt 119 Beiträge
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C. V. Neuves 19.01.2017
1. Seit ewigen Zeiten
Spionage und Spionageversuche gibt es seit ewigen Zeiten. Insbesondere Militärtische Institutionen sollten sich daher nicht beklagen. Mich würde es mehr als überraschen wenn die NATO und ihre Freunde da nicht tätig wären. Das wäre wohl sogar unverantwortlich, wenn die keine Spionage für unsere Sicherheit - die ja doch so furchtbar gefährdet ist, wie man hört - unternehmen würde. Jens Stoltenberg: harden up, get a grip on the realities of life! Odser ist das ganze nur Gedöns, damit man noch mehr Sanktionen gegen Russland verhängen kann?
studibaas 19.01.2017
2. Vielleicht sollte mal klar gesagt werden was das heißt
"Hackerangriffe von einer bestimmten Größenordnung könnten darum einen Bündnisfall nach Artikel 5 auslösen." Im Klartext: Wird die USA, insbesondere die NATO massiv online attackiert, will die USA den Nato Bündnisfall aufrufen und sieht sich damit legitmiert, einen anderen Staat per Bomben zu attackieren und erwartet dafür noch Unterstützung seiner "Bündnisländer". Nach derselben Logik dürfte seit Tempora und Prism jeder Staat England und USA den Krieg erklären, aber nie vergessen, wir sind die Guten. Wer mir nicht glaubt, hier Artikel 5, auf den man sich beruft, im Original: "Artikel 5 Die Parteien vereinbaren, daß ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird; sie vereinbaren daher, daß im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen werden, Beistand leistet, indem jede von ihnen unverzüglich für sich und im Zusammenwirken mit den anderen Parteien die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, trifft, die sie für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten. Von jedem bewaffneten Angriff und allen daraufhin getroffenen Gegen-maßnahmen ist unverzüglich dem Sicherheitsrat Mitteilung zu machen. Die Maßnahmen sind einzustellen, sobald der Sicherheitsrat diejenigen Schritte unternommen hat, die notwendig sind, um den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit wiederherzustellen und zu erhalten."
omanolika 19.01.2017
3. Staatlich geförderte Kriminalität
Nicht nur bei so mancher Wahl, ist die Kriminalität heute digital, und, was man dabei oft erspäht, ist "staatlich geförderte Kriminalität". Denn nur "die Guten" dürfen so etwas machen, wie z.B. die NSA - das ist nur noch zum Lachen!
nochnbier 19.01.2017
4. Um welche
Huch, Neuland bei der Nato? Oder um welche Computer geht es da eigentlich? Können ja auch Geräte von der Dame im Vorzimmer sein. Ich gehe mal davon aus, dass wirklich sicherheitsrelevante Systeme des Militärs unabhängig vom Internet funktionieren und man eigenständige Netzwerke dafür betreibt. In anderem Worten, dass die NICHT ans Internet angeschlossen sind. Falls nicht wäre das selten dämlich, aber bei der europäischen "Gurkentruppe" muss man ja mit allem rechnen. Aber vielleicht sind es ja doch nur die Rechner der Sekretärin und man instrumentalisiert die Viagra Spam-Mails, die sie bekommen hat, für Propaganda und Liebesgrüße nach Moskau. Oder wer soll die verklausulierte "ausländische Macht" mal wieder sein?
wohlmein 19.01.2017
5. Hört ! Hört !
Seitens Herrn Rasmussen hätte das Ausbleiben solcher Schreckensnachrichten verwundert.
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