Rechtsextremismus Neonazi-Zelle soll hinter Anschlag auf Asylunterkunft in Nauen stecken

Neonazis sollen laut Behörden für den Brand einer geplanten Asylunterkunft in Nauen verantwortlich sein. Ermittelt wird auch gegen einen NPD-Politiker. Die Zelle könnte hinter weiteren Anschlägen stecken.

Brennende  Halle in Nauen (August 2015)
DPA

Brennende Halle in Nauen (August 2015)


Nach dem Brand in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft im brandenburgischen Nauen ermittelt die Staatsanwaltschaft Potsdam gegen mehrere Rechtsextremisten, darunter einen NPD-Funktionär. Der Mann soll an dem Anschlag auf die Sporthalle Ende August beteiligt gewesen sein, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag in Potsdam mitteilten.

Der NPD-Stadtverordnete aus Nauen soll zu einer Gruppe von etwa einem halben Dutzend Verdächtigen gehören. Die Untersuchungen laufen gegen sie wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Es geht um mehrere Straftaten.

In der Sporthalle eines Oberstufenzentrums sollten hundert Asylbewerber vorübergehend unterkommen. Kurz bevor die ersten einziehen konnten, ging die geplante Notunterkunft in Flammen auf. Menschen wurden bei dem Brand nicht verletzt. Es war aber schnell klar, dass es sich um einen Brandanschlag handelt. Auch ein rechtsextremer Hintergrund wurde gleich vermutet.

Zuvor hatte es Demonstrationen gegen die geplante Aufnahme von Flüchtlingen gegeben. Auch eine Stadtverordnetenversammlung zu dem Thema war von rechtsextremen Demonstranten gestört worden. Gegen die Rechtsextremen hatten sich allerdings auch zahlreiche Bürger gewandt und immer wieder Gegendemonstrationen organisiert.

Serie von Angriffen

Laut einem Bericht der "Potsdamer Neuesten Nachrichten" wird der Neonazi-Gruppe aus Nauen eine ganze Serie von fremdenfeindlichen Anschlägen zugerechnet, die als terroristisch eingestuft werden könnten. Unter anderem soll die Gruppe mehrfach das Parteibüro der Linken in Nauen angegriffen, sowie einen Brandanschlag auf das Auto eines Politiker-Paares verübt haben.

Klaus Beier, Sprecher der NPD und Vorsitzender der rechtsextremen Partei in Brandenburg, sagte SPIEGEL ONLINE zu den Vorwürfen gegen den Stadtverordneten aus Nauen, sein Landesverband werde den Fall am Wochenende beraten. Erst einmal gelte aber die Unschuldsvermutung. "Seltsam ist der Zeitpunkt, punktgenau zum Verbotsverfahren." Wenn die Vorwürfe aber zuträfen, hätten die Männer nichts in der NPD zu suchen. "Wir lehnen Gewalt ab."

Im derzeit laufenden Verbotsverfahren gegen die NPD geht es um die Frage, wie aggressiv-kämpferisch Mitglieder der Partei auftreten, also wie gefährlich die rechtsextreme Partei jenseits ihrer rassistischen und menschenverachtenden Äußerungen wirklich ist.

kev/heb/dpa

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