Tod Bin Ladens: Navy Seal widerspricht Helden-Story

Terrorplaner Bin Laden (Aufnahme von 1998): Widersprüche über seinen Tod Zur Großansicht
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Terrorplaner Bin Laden (Aufnahme von 1998): Widersprüche über seinen Tod

Wie starb Osama Bin Laden? Ein beteiligter Navy Seal meldet sich nun zu Wort - und widerspricht einem Kollegen, der seine eigene angebliche Heldengeschichte erzählt hatte. Nach dem neuen Bericht war der Terrorplaner nicht bewaffnet, als er erschossen wurde.

Washington - Ein drittes Mitglied des Navy-Seal-Teams, das Osama Bin Laden tötete, hat nun Details über die Nachtaktion im Mai 2011 erzählt - und der Darstellung eines Kollegen widersprochen, der behauptete, er habe den Oberterroristen erschossen.

Zuletzt hatte der Fall im Februar Schlagzeilen gemacht, als der angebliche Todesschütze sich zu Wort gemeldet hatte. Im US-Magazin "Esquire" berichtete der "Shooter", dessen Name nicht preisgegeben wird, dass sich im Schlafzimmer des Anwesens im pakistanischen Abbottabad Folgendes abgespielt habe: Er habe Bin Laden, der im Schlafzimmer in Reichweite einer Waffe stand, mit zwei Schüssen in die Stirn erschossen.

Jetzt gibt es neue Zweifel: In einem Bericht auf der CNN-Website nennt ein weiterer beteiligter Navy Seal die Geschichte im "Esquire" "völligen Schwachsinn". Bin Laden war demnach nicht bewaffnet. Der Mann, mit dem CNN-Reporter Peter Bergen nun sprach, stellt es so dar: Er lief als Erster der Sondereinheit die Treppe hinauf und schoss Bin Laden in den Kopf, als dieser seinen Kopf aus der Schlafzimmertür streckte. Als die Soldaten dann ins Schlafzimmer eindrangen, stürzte sich dieser Soldat auf die zwei anwesenden Frauen. Zwei weitere Navy Seals hätten den schwer verwundeten Bin Laden dann mit Schüssen in die Brust getötet.

Der CNN-Bericht entspricht einer ersten Darstellung aus dem Buch "No Easy Day" von Mark Bissonnette, das er unter dem Pseudonym Mark Owen bereits 2012 veröffentlichte. Auch er schrieb, dass er im Schlafzimmer einen durch den Kopfschuss verwundeten Bin Laden gesehen habe und ihn dann erschossen habe. Von einer Waffe "in Reichweite" war dort ebenfalls nichts zu lesen.

Im CNN-Bericht heißt es, dass beteiligte Schützen das Bissonnette-Buch für glaubwürdiger halten als die Darstellung des "Shooters" im "Esquire".

Diese Darstellung ist in jedem Fall weniger heldenhaft als die "Esquire"-Geschichte. Das Magazin reagierte auf die neue Veröffentlichung. "Wir stehen zu unserer Geschichte", sagte eine Sprecherin.

fab

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 75 Beiträge
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1. Als ob
hessenmob 27.03.2013
das eine Rolle spielen würde. Es soll mir mal jemand erzählen, dass es ein anderes Ziel gab, als Bin Laden zu töten. Bewaffnet oder nicht spielte dabei bestimmt keine Rolle.
2. Klassischer Fall...
Airkraft 27.03.2013
Klassischer Fall von Desinformation. Spätestens jetzt kann jeder glauben, was er schon immer zu wissen glaubte !
3. Für mich ist das Mord und sonst gar nichts
karlhansbauer 27.03.2013
Aber seit Bush und Rumsfeld ist auf der Welt alles erlaubt.
4.
M. Thomas 27.03.2013
Ganz offensichtlich existiert keine einzige, objektive geschweige denn nachvollziehbare Version der Ereignisse und wie so oft gehören alle US-offiziellen Schilderungen in solchen Fällen in Märchenbücher, aber doch nicht als ernste "Informationen" in die Öffentlichkeit. Man möchte in den USA wohl nur ungern öffentlich zugeben, einen kranken und völlig wehrlosen Mann einfach abgeknallt zu haben.
5. Heldengeschichte?
Thomas-Melber-Stuttgart 27.03.2013
Zitat von sysopAPWie starb Osama Bin Laden? Ein beteiligter Navy Seal meldet sich nun zu Wort - und widerspricht einem Kollegen, der seine eigene angebliche Heldengeschichte erzählt hatte. Nach dem neuen Bericht war der Terrorplaner nicht bewaffnet, als er erschossen wurde. Navy Seal berichtet neue Details über Bin-Laden-Tötung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/navy-seal-berichtet-neue-details-ueber-bin-laden-toetung-a-891195.html)
Nach Aussage der Seals und ihrem Selbstverständnis nach war dies ein normaler Auftrag, der bloß durch die Prominenz der Zielperson öffentlich wurde. Vergleichbare Aktionen gibt es öfter bloß daß über diese in der Öffentlichkeit nichts bekannt wird.
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