"New York Times"-Bericht Navy Seals sind "wild geworden"

Eine "globale Menschenjagd-Maschine": Ehemalige und aktuelle Mitglieder der US-Navy Seals berichten laut "New York Times" von exzessiven und gezielten Tötungen der Spezialeinheit. Sogar Straßendiebe hätten die Soldaten verfolgt.

Team 6 bei einem Einsatz im Irak (Archiv): Die Soldaten gehören zu den besten des Landes
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Team 6 bei einem Einsatz im Irak (Archiv): Die Soldaten gehören zu den besten des Landes


Es ist eine der geheimsten Militärorganisationen der Welt - nicht einmal das US-Militär mischt sich in die Belange von Team 6 der Navy Seals ein: Die US-Spezialeinheit ist vor allem durch die Tötung von Osama Bin Laden bekannt geworden. Laut einem Bericht der US-Zeitung "New York Times" hat das Sondereinsatzteam seine Einsätze in aller Welt in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet.

Die Zeitung schreibt von einer "globalen Menschenjagd-Maschine" - gezielte Tötungen seien mittlerweile zur "Routine" geworden. Meldungen über exzessives Töten und zivile Opfer der Einsätze häufen sich.

Der Bericht stützt sich auf eine umfangreiche Analyse zahlreicher Gespräche mit früheren und gegenwärtigen Navy Seals sowie mit anderen Militärvertretern.

Ein Ex-Mitglied, das anonym bleiben wollte, sagte, die Soldaten seien "wild geworden", Tötungsorgien seien Routine. Zielpersonen seien immer weniger bedeutend geworden. "2010 haben die Jungs Straßendiebe verfolgt. Die bestausgebildeten Soldaten der Welt verfolgten Straßendiebe", sagte er.

Ein früherer hochrangiger Militärvertreter sagte: "Ob ich denke, dass es mehr Tötungen gab als es gegeben haben sollte? Sicher." Die Einstellung der Eliteeinheit habe gelautet: "'Wenn es eine Bedrohung ist, töte es', und später merkst du: 'Oh, vielleicht habe ich die Gefahr überschätzt'."

Dem Bericht zufolge war das Team 6 in den vergangenen Jahren unter anderem in Syrien, im Irak, in Somalia und im Jemen im Einsatz. Etwa 30 aus den Reihen von Team 6 und seiner Helfer in der US-Armee seien im Einsatz ums Leben gekommen. Viele hätten gesundheitliche Schäden davongetragen.

Zu den Erfolgen der Truppe zählte die Befreiung von US-Geiseln in Somalia. An Fehlschlägen nannte die "New York Times" eine versuchte Geiselbefreiung 2009 im afghanischen Ghasi Chan, bei der zehn Dorfbewohner getötet wurden. Auch der Tod der Britin Linda Norgrove im Oktober 2010 bei einer missglückten Befreiungsaktion in Afghanistan zähle zu den Niederlagen der Einheit.

kry/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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joergalexander 08.06.2015
1. Ausdruck amerikanischer Rechtsstaatlichkeit?
Schon lange (Jahrzehnt) ist dies latent und offensichtlich, und - entgegen meiner ironischen Überschrift - eben das absolute Gegenteil von Rechtsstaatlichkeit. Ebenso darf man die CIA als die schlimmste Terrororganisation der Welt ansehen. Frau Merkel möge mir erklären, ob das die Werte sind, derer sie sich verpflichtet fühlt, wenn sie in Richtung der absoluten Verschmelzung mit den USA entgegen der Interessen Deutschlands und dessen Souveränität von "Wertegemeinschaft" labert. Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind das Gegenteil nicht nur der US-Politik, sondern auch von Merkels Politik, so dass diese Dame diese Begriffe besser nicht mehr in den Mund nehmen sollte.
cvdheyden 08.06.2015
2. Nix neues
Schreiben Sie doch mal was neues! Das ist nichts neues, Team 6 sind nicht die einzigen und die USA nicht der einzige Staat. Da gibt es in der Tat wesentlich agilere Gruppen. Schreiben Sie doch mal über die Gründe, mehr Journalismus! Spiegel kehrt sich immer mehr von seinen Wurzeln ab und wird plakativ und spekulativ.
holy10 08.06.2015
3. Syrien?
Was machen die in Syrien? Einfach nur lächerlich.
Bueckstueck 08.06.2015
4. Bedingt glaubwürdig
Zum einen ist alles was diese Einheiten betrifft streng geheim und wird bei ausplaudern mit Hochverrat bestraft. Es ist deshalb wenig glaubwürdig das irgendwelche namenlosen Aussenseiter und nicht am Planungsstab beteiligten Personen irgendwas wissen - und die, die was wissen, wissen es besser als ihre Freiheit zu riskieren. Andererseits sind, nicht nur bei den SEALS, in der Vergangenheit immer wieder Ex-Mitglieder solcher Spezialeinheiten mit ihren Geschichten (und zwar nicht immer negative) mutmaßlich aus Geltungssucht oder Profitstreben (Hallo Buch und Filmverträge!) an die Öffentlichkeit gegangen, nur um dann von anderen Ex-Mitgliedern als Aufschneider entlarvt zu werden. In kaum einem Fall wurde jedoch irgendwelche Anklagen erhoben, was darauf hinweist, dass es eben doch frei erfunden war. So lange also nur namenlose whistleblower irgendwas erzählen ohne konkrete Beweise, sollte man davon Abstand nehmen es als Fakten zu vermarkten. Auch wenn es dem latenten Anti-Amerikanismus hier im Forum zweckdienlich wäre. Das Spezialeinheiten ein schmutziges Geschäft betreiben, ist ja wohl klar. Wir alle wollen ja insgeheim, dass dies jemand für uns erledigt, wenn es dem Zwecke unserer Sicherheit dienlich ist. Und das auch mal Unbeteiligte in die Schusslinie gelangen, liegt in der Natur der Sache: Wer sein Leben für eine Mission riskiert, von dem kann man nicht verlangen erstmal nachzufragen ob man ihm böses will...
Inuk 08.06.2015
5.
Offenbar hat nicht nur James Bond die Lizenz, außerhalb eines Kriegseinsatzes zu töten. Es ist schade, wenn ein demokratisches Land zu solchen Mitteln greift und Hoheitsrechte in anderen Ländern verletzt. Die Achse des Bösen verläuft nicht so, wie Bush es haben wollte.
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