Nazi-Symbole US-Navy-Gebäude in Hakenkreuzform soll getarnt werden

Ein US-Militärkomplex, der aus der Vogelperspektive wie ein Hakenkreuz aussieht: Jahrzehntelang hat sich die Navy nicht daran gestört - bis Satellitenfotos auftauchten und Bürger protestierten. Jetzt soll das Nazi-Symbol nahe San Diego in Kalifornien verschwinden.


Hamburg - Vom Boden aus gesehen wirken sie ganz unauffällig: Vier Gebäude in L-Form, in den späten sechziger Jahren für die US-Marine erbaut. Die Naval Base in Coronado, ein ganz normaler Militärstützpunkt in der Nähe von San Diego, Einheiten der "Naval Construction Force" sind in den Gebäuden untergebracht.

Nur aus der Vogelperspektive wirkt alles etwas anders: Dann formen sich die Gebäude zu einem schaurigen Symbol aus dem finstersten Abschnitt der deutschen Geschichte - aus der Luft betrachtet wird aus den Unterkünften für US-Soldaten ein Hakenkreuz.

Jahrzehntelang hat die Öffentlichkeit davon keine Notiz genommen, die Gegend liegt in einer Flugverbotszone. Nur die Navy selbst wusste früh davon, blieb aber untätig. Es habe keinen Grund für Änderungen an den Gebäuden gegeben, sagte eine Militärsprecherin laut einem Bericht der "New York Times". Man habe die Unterkünfte gebraucht. Nicht zuletzt wegen der Flugverbotszone sei es zudem unwahrscheinlich gewesen, dass der ungewöhnliche Anblick aus der Luft überhaupt auffiel.

Bis es Google Earth gab und Satellitenfotos auftauchten. Es dauerte nicht lange, bis die Aufnahmen in Blogs diskutiert wurden und auf Internetseiten zu sehen waren.

So mutmaßte etwa am 17. November 2005 ein Internet-Nutzer in einem Forum über die Hintergründe für die Konstruktion: Er habe gehört, dass deutsche Kriegsgefangene auf dem Areal eingesessen hätten und als Arbeiter beim Bau eingesetzt worden wären. Auch die zweite Variante von "Schick5000" klingt skurril: Das US-Militär habe bei der Architektur die Formation japanischer Bomberpiloten berücksichtigt: Im Fall eines Angriffs wären auf diese Weise nur Teile der Militäranlage zerstört worden, schreibt "Schick5000".

Einer der ersten, die vom US-Militär Änderungen an den Gebäuden verlangten, war der Radio-Talker Dave von Kleist. Im Frühjahr des vergangenen Jahres schrieb er die ersten Briefe an Militärvertreter, auch an den damaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.

"Wir wollen niemanden beleidigen"

Irgendwann erhielt er eine Antwort von Militärvertretern aus Coronado. Von Plänen, Änderungen an den Gebäuden vorzunehmen, war darin keine Rede. Die US-Marine wolle die Unterkünfte so lange nutzen, wie sie den Bedürfnissen der Armee gerecht blieben, hieß es in dem Schreiben laut einem Bericht der "L.A. Times".

Der Protest aber ging weiter: Im Dezember vergangenen Jahres berichtete die inzwischen eingestellte jüdische Zeitung "San Diego Jewish Times" über das Thema - die Anti-Defamation-League (ADL) wurde aufmerksam, eine US-Organisation, die gegen die Diskriminierung von Juden eintritt. "Wir sagten der Marine, dass es sich um eine unglaublich unangemessene Form für ein Militärgebäude handelt", sagte Morris S. Casuto, Regionaldirektor der ADL in San Diego.

Es begann ein Dialog zwischen Casuto und Vertretern des US-Militärs. Inzwischen hat sich die Navy für bauliche Veränderungen entschieden: Photovoltaik-Zellen sollen auf den Dächern installiert werden, durch Sichtschutzmaßnahmen und Umbauarbeiten soll künftig aus der Luft kein Hakenkreuz mehr zu sehen sein. 600.000 US-Dollar sollen investiert werden. "Wir wollen niemanden beleidigen und wir wollen auch nicht mit diesem Symbol in Verbindung gebracht werden", sagte Militärsprecherin Angelic Dolan der "New York Times" zufolge.

Die ADL betonte, der Navy zu keinem Zeitpunkt böse Absichten für die Konstruktion der Gebäude unterstellt zu haben. "Es ist einfach passiert", sagte Casuto. Die Navy habe das Problem erkannt. "Jetzt ist die Angelegenheit erledigt", sagte Casuto.

hen



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