Tod einer Ikone Zwei Lehren aus Nelson Mandelas Leben

Von heute aus betrachtet ist es womöglich schwer zu verstehen, welche Bedeutung Nelson Mandela für eine ganze Generation hatte. Dabei ist jedem, der seine Wirkung erleben konnte, klar: Er war das politische Vorbild schlechthin. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe.

Ein Kommentar von  


Wenn es um die Lösung von globalen Problemen geht, lautet einer der meistbenutzten Sätze: "Das ist nun einmal so und es lässt sich nicht ändern." Armut in Afrika, der Klimawandel, Unterdrückung in Diktaturen - alles Schicksal. Solche Widrigkeiten werden von den Anhängern des politischen Realismus als unvermeidliche Übel angenommen. Man schaut zwar hin, wendet sich dann aber achselzuckend ab. Ist halt so. Engagieren würde man sich nur, wenn die eigenen Interessen berührt werden.

Der Realismus und sein Bruder, der Pragmatismus, sind die zwei hässlichen Geschwister in den internationalen Beziehungen. Sie machen die Welt nicht besser, sondern kälter.

Auch das Apartheid-Regime in Südafrika erschien in den 1980er Jahren unüberwindbar. Nelson Mandela saß als Held der Widerstandsbewegung im Gefängnis. Mit seiner Freilassung war kaum zu rechnen.

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Nelson Mandela: Afrikas größter Sohn
Trotzdem forderten bei einem gigantischen Solidaritätskonzert im Londoner Wembley Stadion 72.000 Menschen: "Set him free - Lasst ihn frei!" Millionen verfolgten das Konzert am Radio und im Fernsehen. Es war ein beeindruckender Aufschrei. Viele westliche Staaten verhängten einen Wirtschaftsboykott gegen das Regime in Pretoria. Der Druck wirkte, Mandela kam frei. Es zeigte sich: Selbst die größten Missstände lassen sich beseitigen. Vor allem: gewaltfrei. Und jeder kann etwas tun. Es ist nicht vergebens oder naiv, sich für eine bessere Welt einzusetzen, sondern Pflicht. Und: Es gibt da draußen wichtigere politische Themen, über die man sich streiten kann, als die Höhe des Rentenbeitrags oder die Finanzierung der Mütterrente.

Das ist die eine Lehre aus Mandelas Leben. Die andere lautet: Auch Hass lässt sich überwinden. 27 Jahre lang war Mandela eingekerkert, weil er gegen die Rassentrennung kämpfte. Doch was tat er, als er freikam? Statt seine Gegner zu verfolgen, setzte er sich mit ihnen an einen Tisch und warb für Versöhnung und Gewaltfreiheit. Seiner starken Persönlichkeit, seinem Beispiel war es zu verdanken, dass ein großes Blutbad in Südafrika verhindert werden konnte.

Was ist mit Israelis und Palästinensern, wann werden sie sich daran ein Beispiel nehmen? Oder die Unterdrücker und Kriegsherren auf dem afrikanischen Kontinent? Immer noch sterben Tausende Jahr für Jahr in Afrika - aus Hass.

Hass zerstört Vertrauen und Fortschritt. Auch in Europa und bei uns. Warum fühlen sich einige in Europa besser als andere, warum wird belehrt oder geneidet? Warum dürfen Rechtspopulisten wieder auf Zulauf bei den nächsten Europawahlen hoffen? Wie gehen eigentlich Politiker und Wähler hierzulande miteinander um?

Dieser freundlich lächelnde alte Herr in den bunten Hemden erinnerte bei jedem seiner Auftritte daran, dass es auch anders geht. Er wird fehlen.

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insgesamt 71 Beiträge
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megamekerer 06.12.2013
1. ...
Ich fühle dass die ganze Welt den Tod Nelson Mandela trauert.
susaz 06.12.2013
2. Mandela, ein Vorbild ohne Nachahmer
Herr Nelles hat da Recht, Mandela als Vorbild zu bezeichnen und gleichzeitig die Frage nach der gegenwärtigen Lage auf der Welt zu stellen. Warum noch immer Mord durch Hass betrieben wird. Doch man sollte nicht global analysieren, da die Ideale Mandelas schon in Südafrika selbst kaum umgesetzt wird. Viele südafrikanische Politiker sind geprägt von Habgier und Korruption: http://2010sdafrika.wordpress.com/2013/07/18/nelson-mandela-wird-95-jahre-alt/.
banteng 06.12.2013
3. optional
Was mich persönlich besonders an Mandela beeindruckt ist, dass er nicht von Anfang an die Person ist für die er veehrt wird - er hat sich dazu entwickelt! Ja, er war war der Gründer des mparamilitärischen Flügels der ANC. Aber warum? Es war NACH dem Massaker der Polizei an 69 Demonstranten, Sharpville 1960. Vor 53 jahren. Der 40-jährige Mandela kam zu dem Schluß dass man gegen diese brutale Gewalt nicht nur mit zivilem Ungehorsam agieren kann. Auf einer gewissen Weise, verständlich. Seine 27 Jahre im Gefängnis aber benutzte er um sich zu entwickeln. Der 70-Jährige Mandela, der 1990 aus dem Gefängnis kam, wusste, dass er seinen Hass und Verbitterheit hinter sich lassen musste wenn er wirklich etwas bewirken will. Die von ihm initierte TNC sind für mich ein Meisterstück der Geschichte. Nicht unumstritten natürlich, und auch nicht perfekt - aber wer ist dass schon?
doppelpunkt 06.12.2013
4. Mehr
Danke für diesen guten Kommentar: Knapp, ohne Pathos, aber herzenswarm.
juergw. 06.12.2013
5. Haben es eigendlich die ...
Zitat von susazHerr Nelles hat da Recht, Mandela als Vorbild zu bezeichnen und gleichzeitig die Frage nach der gegenwärtigen Lage auf der Welt zu stellen. Warum noch immer Mord durch Hass betrieben wird. Doch man sollte nicht global analysieren, da die Ideale Mandelas schon in Südafrika selbst kaum umgesetzt wird. Viele südafrikanische Politiker sind geprägt von Habgier und Korruption: http://2010sdafrika.wordpress.com/2013/07/18/nelson-mandela-wird-95-jahre-alt/.
Nachfolger von Mandela in der Regierung geschafft ,die Townships zu beseitigen und die Armut zu bekämpfen ?Ach so,sie haben sich nur selbst bereichert!Der Traum von Mandela hat sich nicht in Gänze erfüllt,selbst seine Ehefrau..
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