Abschied in Südafrika Tausende strömen zu Mandela-Trauerfeier

Die Welt trauert um Nelson Mandela. In Johannesburg wurde das Stadion geöffnet, in dem Tausende Menschen des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers gedenken werden. Die Rednerliste könnte prominenter nicht sein.


Johannesburg - Es regnet in Strömen. Bereits vier Stunden vor Beginn der Trauerfeier kommen die Menschen massenhaft aus allen Himmelsrichtungen zum FNB-Stadion, wo Mandela bei der Eröffnung der Fußball-WM 2010 seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte. Sämtliche Zufahrtsstraßen sind gesperrt, Hubschrauber kreisen über der Arena. Tausende tanzen und singen und rufen immer wieder den Siegesruf des Widerstandskampfes: "Amandla! Awethu! Power to the People." Die Stimmung ist ausgelassen, schon jetzt.

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Heft 50/2013
1918-2013

Dabei wird an diesem Tag von großer Trauer die Rede sein, Trauer um Nelson Mandela. Tausende Menschen werden am Dienstag in Johannesburg zusammenkommen, um das Leben eines großen Mannes feiern, das so unglaublich wie beeindruckend war.

Das Stadion öffnete am frühen Morgen, viele Menschen waren bereits in der Nacht angereist. Oft kamen sie zu Fuß, da die Straßen gesperrt waren. Trotz Nieselregen standen sie in langen Schlangen an.


SPIEGEL ONLINE berichtet ab 9.30 Uhr live von der Trauerfeier in Johannesburg


Hunderte Polizisten sicherten Straßen und Stadion. Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Mandela war am vergangenen Donnerstag im Alter von 95 Jahren gestorben. Er hatte sein Land aus der Rassentrennung in die Demokratie geführt.

Zur Trauerfeier werden 70 amtierende und 10 ehemalige Staats- und Regierungschefs erwartet. Darunter Bundespräsident Joachim Gauck, der französische Präsident François Hollande und der britische Premierminister David Cameron. In dem 90.000 Menschen fassenden Fußballstadion werden nach bisherigem Programm Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, US-Präsident Barack Obama, der kubanische Präsident Raúl Castro, Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff, Chinas Vizepräsident Li Yuanchao, Indiens Präsident Pranab Mukherjee, Südafrikas Präsident Jacob Zuma sowie Kinder und Enkel Mandelas Reden halten.

"Die Kinder waren da, die Enkel waren da"

Obama landete am frühen Dienstagmorgen in Centurion im Norden von Johannesburg. Mit ihm an Bord der Air Force One war sein Amtsvorgänger und einstiger politischer Gegner George W. Bush .

"Die ganze Welt kommt im wahrsten Sinne des Wortes nach Südafrika", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Clayson Monyela, in Pretoria. Zu den Gästen zählten "Könige und Königinnen, Prinzen und Prinzessinnen". Das sei beispiellos in der Geschichte des Landes. Logistisch allerdings stehe die Regierung vor "einer sehr schweren Aufgabe", sagte Monyela.

Die Gedenkfeier findet zwischen 10 und 14 Uhr (MEZ, SPIEGEL ONLINE berichtet live) statt. Der Trauerakt wird an 90 Orten im Land auf Großleinwänden sowie in drei weiteren Stadien von Johannesburg für die Öffentlichkeit übertragen. Weltweit berichten Fernsehstationen aus Johannesburg.

Zu Ehren des afrikanischen Friedensnobelpreisträgers werden nicht nur Familienmitglieder des Mandela-Clans Reden halten. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon ist der erste Würdenträger, der an Nelson Mandela erinnern wird, gefolgt von Barack Obama, Dilma Rousseff und Raúl Castro.

Makaziwe Mandela, die älteste Tochter des verstorbenen südafrikanischen Friedensnobelpreisträgers, sagte vor der Trauerfeier über ihren Vater: "Die Lehre, die wir aus seinem Leben ziehen können, besteht darin, mutig zu sein und anderen Menschen zu vergeben." Sie habe die letzten Momente mit dem Sterbenden als "wunderbar" erlebt. "Die Kinder waren da, die Enkel waren da", erzählte Makaziwe Mandela dem britischen Rundfunksender BBC.

Ihr Vater solle dafür in Erinnerung bleiben, dass er sich für geistige und politische Freiheit eingesetzt habe, wünschte Makaziwe Mandela. Er habe gelehrt, dass es viel Mut brauche, um zu vergeben, sagte die Tochter in Erinnerung an seine 27-jährige Gefangenschaft. "Vergeben zu können, ist eine schwierige Sache." Aber ihr Vater habe gewusst, dass er "für immer ein geistiger Gefangener sein" würde, wenn er nicht vergebe.

Mandela soll am Sonntag im Dorf Qunu im Süden des Landes beigesetzt werden.

bim/dpa/Reuters/AP



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