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Nemzow-Mord: Ermittler wollen Fluchtauto gefunden haben

Moskau am Samstag: Ermittler untersuchen ein verdächtiges Auto Zur Großansicht
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Moskau am Samstag: Ermittler untersuchen ein verdächtiges Auto

Die Ermittler im Fall Nemzow legen erste Ergebnisse vor. Nach Angaben der russischen Polizei ist das Fluchtauto der Mörder entdeckt worden.

Moskau - Der Mord an dem russischen Oppositionellen Boris Nemzow sorgt international für Bestürzung. US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel fordern, dass die Tat aufgeklärt und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Jetzt machen die russischen Behörden erste Erkenntnisse publik: Sie wollen das Fluchtauto der Täter gefunden haben, berichtet der russische Fernsehsender Rossija 24. Von den Tätern fehle aber jede Spur.

Der Sender veröffentlichte Bilder von einem weißen Fahrzeug mit einem Nummernschild der russischen Teilrepublik Inguschetien. Die Region liegt im islamisch geprägten Konfliktgebiet Nordkaukasus.

Die Ermittler verfolgen mehrere Ansätze als Motiv für den Mord an Nemzow - wobei einige Mordtheorien erkennbar aus propagandistischen Gründen verbreitet werden. Unter anderem untersuchen sie einen angeblich möglichen islamistischen Hintergrund. Nach Darstellung der obersten Ermittlungsbehörde in Moskau hatte es gegen Nemzow angeblich Drohungen gegeben, nachdem der Politiker sich im Zuge des Anschlags auf das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo" solidarisch mit den Franzosen gezeigt hatte.

Als einen weiteren Ansatz verfolgen die Ermittler die Möglichkeit, dass die Täter mit dem Mord an Nemzow die politische Situation in Russland destabilisieren wollten, berichtet die Nachrichtenagentur Interfax. Weitere Ansätze der Untersuchung konzentrieren sich auf Nemzows Privatleben sowie auf den Ukraine-Konflikt.

Denn es kursieren auch Spekulationen, denen zufolge Nemzow an einem Bericht gearbeitet haben soll, der Beweise der Intervention russischer Militärs in der Ostukraine präsentiert. Auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat diese Recherchen als mutmaßliches Motiv für den Mord an dem Oppositionellen ins Spiel gebracht.

Trauerkundgebung in Moskau am Sonntag

Der Sarg mit dem Leichnam des Politikers Boris Nemzow soll am Sonntag nach einer großen Trauerfeier im Zentrum von Moskau im Sacharow-Menschenrechtszentrum aufgebahrt werden. Die russische Hauptstadt hat die Kundgebung für 50.000 Menschen überraschend genehmigt. Darauf hätten sich Oppositionsvertreter am Samstag bei Verhandlungen mit der Stadt geeinigt, teilten die Behörden mit.

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Die Initiative ging von dem Oppositionsführer und früheren Regierungschef Michail Kasjanow aus. Der hatte zuvor mitgeteilt, dass die Opposition nach dem Mord an Nemzow auf den für Sonntag geplanten Frühlingsmarsch gegen die Politik von Kreml-Chef Wladimir Putin verzichten werde.

Am Dienstag sollen die Menschen nach russisch-orthodoxem Brauch von dem früheren Vize-Regierungschef Abschied nehmen können. Anschließend ist Nemzows Beisetzung auf dem Prominentenfriedhof Trojekurowo geplant.

bos/dpa/Reuters

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Spur Nummer 1
Miracle 28.02.2015
Nemzow fühlte sich durch Putin bedroht. Also Durchsuchung bei Putin und all seinen Regierungsstellen. Beim FSB speziell. Die unabhängige Staatsanwaltschaft operiert, wie es in Rechtsstaaten üblich ist, als dritte Gewalt autonom. Nicht wahr Herr Schroeder, in einer von einem lupenreinen Demokraten geführten Staat eine Selbstverständlichkeit. Die deutsche Wirtschaft unterstützt die Staatsanwaltschaft uneingeschränkt durch Dokumente und Aussagen, die die Spur Nr. 1 verifizieren oder falsifizieren können. Wer etwas verschweigt, was zur Aufklärung der Tat, dem Meuschelmord an Nemzow, beitragen könnte, muss mit ... bis zu ... rechnen. Spielen wir das Ganze doch mal für Merkel und einen erklärten Gegner aus dem linken Spektrum zum Beispiel mal durch.
2. Tja
Topf Gun 28.02.2015
Tja, da wird man wieder in Kürze einen armen Teufel präsentieren, der angeblich den Mord begangen hat. Die weiße Weste bleibt gewahrt..... Jede Wette.
3. Fluchtauto
jamguy 28.02.2015
Wenn das Bild zum Artikel authentisch is kann man den Täterkreis schonmal eingrenzen,also Oligarchen oä!
4. Es ist wirklich
Montanabear 01.03.2015
skandaloes und bedrückend, daß so etwas heutzutage auf dem europäischen Kontinent geschieht.
5. Ohne Gewaltenteilung keine seriösen Ermittlungen
RRR79 01.03.2015
Innenministerium und Justiz sind ja bekanntlich in Putinland gleichgeschaltet. Eine Gewaltenteilung und damit ein grundsätzlich funktionierender Rechtsstaat wurden - das ist ja jedem hier im Forum bekannt - zugunsten des Konzepts einer gelenkten Demokratie aufgegeben. Mehr oder weniger wird das ermittelt, was die Loyalität zu Putin bestärkt. Das heißt, dass nicht die Wahrheit zum Vorschein kommt, sondern das, was Putins Regime hilft. Wie wir alle hier im Forum wissen, ist in Russland die Justiz und das Innenministerium ja nicht dazu da, Recht, Ordnung und Schutz der Bürger durchzusetzen, sondern allein dazu da, die Interessen der Regierung durchzusetzen. Was ja Korruption und Schmiergeldwirtschaft unter Putin Amtzeit zu einer ungeahnten Blüte verholfen hat. Es wird also ein Ergebnis präsentiert werden, welches vor allem Putin nützlich sein wird. Das Ergebnis wird ohnehin bereits vor dem Mord festgestanden sein.
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Fotostrecke
Boris Nemzow: Anschlag auf Oppositionsführer

Fläche: 17.098.200 km²

Bevölkerung: 143,972 Mio.

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

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