Nemzow-Mord Russischer TV-Sender zeigt Überwachungsvideo vom Tatort

Neue Hinweise zum Mord an Putin-Kritiker Nemzow: Ein russischer TV-Sender hat ein Überwachungsvideo vom Tatort ausgestrahlt. Auf den Aufnahmen ist offenbar auch der Täter zu sehen.

Screenshot einer Aufnahme des russischen Senders TWZ: Video vom Tatort
TBU

Screenshot einer Aufnahme des russischen Senders TWZ: Video vom Tatort


Moskau - Die Aufnahmen sind zwar recht verschwommen, könnten aber neue Hinweise auf den Tathergang liefern: Nach dem Mord an dem russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow hat der Moskauer Fernsehsender TWZ ein Überwachungsvideo vom Ort und von der Zeit der Tat veröffentlicht.

In der Aufnahme ist nach Darstellung des Senders zu sehen, wie sich Nemzow mit seiner Begleiterin am Freitag gegen 23.30 Uhr Ortszeit auf der Großen Moskwa-Brücke in Kreml-Nähe bewegt und von einem Mann verfolgt wird. "Diese Überwachungskamera hat das Verbrechen sekundengenau festgehalten", heißt es im Ton zur Videosequenz. "Die Qualität der Aufnahme ist nicht hoch, aber Autos und die Silhouetten der Menschen auf der Brücke sind zu erkennen."

Langsam geht das Paar, mutmaßlich Nemzow und seine Begleiterin, in Richtung des Bolotnaja-Platzes. "Ein Schneeräumfahrzeug überholt sie langsam", sagt der Sprecher. "Um exakt 23.31 Uhr verdeckt der Lkw die beiden. Innerhalb einer Sekunde rennt von dort noch eine Person auf die Fahrbahn, setzt sich in ein Auto und fährt weg. Das Schneeräumfahrzeug bleibt einige Meter vom Ort des Geschehens stehen. Dort bleibt nur eine Silhouette zurück."

Die einzelne Person, vermutlich die Begleiterin Nemzows, geht zum Fahrer des Räumfahrzeugs und spricht ein paar Minuten mit ihm, wie es im Video weiter heißt. "Über die Brücke laufen weiter Fußgänger, einige laufen vorbei, als wäre nichts passiert", beschreibt der Sprecher die Szene auf der Brücke. "Um 23.35 Uhr bleibt das erste Auto stehen."

Etwa zehn Minuten danach trifft die Polizei ein.

Der frühere Vize-Regierungschef wurde nach Angaben von Ermittlern mit vier tödlichen Schüssen in den Rücken getroffen. Die Begleiterin des 55-Jährigen blieb unverletzt. Die Behörden gehen von einem Auftragsmord aus. Nemzow gehörte zu den schärfsten Gegnern von Kreml-Chef Wladimir Putin. Er hatte den Präsidenten auch für den Krieg in der Ukraine verantwortlich gemacht. Putin selbst hatte den Mord als Provokation verurteilt. Er kündigte an, alles für die Aufklärung des Verbrechens zu tun.

Berichte vom Fund des Fluchtautos dementiert

Die nationale Ermittlungsbehörde warnte angesichts einer Vielzahl von Fernsehberichten vor einer "Desinformation" der Öffentlichkeit. Ermittlungssprecher Wladimir Markin wies am Samstag einen TV-Bericht zurück, nachdem angeblich das Fluchtauto gefunden worden sei.

Die russische Opposition verzichtet nach dem Mord an Nemzow auf einen ursprünglich für Sonntag geplanten Marsch gegen Putins Politik. Nach dem Attentat wollen am Sonntag nun bis zu 50.000 Menschen im Zentrum von Moskau an einer Trauerkundgebung für den ermordeten Kreml-Gegner teilnehmen.

Im Video: Kurz vor seinem Tod gab Nemzow Putin-kritisches Interview

beb/bos/dpa

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insgesamt 108 Beiträge
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Seite 1
Art. 5 01.03.2015
1. Überwachungskameras
Dieser Fall verdeutlicht wieder einmal den Vorteil von Überwachungskameras bei die Aufklärung von Straftaten. Auch wenn der Täter wegen der Entfernung nicht klar zu erkennen ist, werden die Informationen auf dem Video wie in so vielen anderen Beispielen zuvor bei der Fahndung von großer Hilfe sein. Durch Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen, U-Bahnhöfen, etc. sind schon die meisten Gewalttäter gefasst worden. Sich dagegen auszusprechen kommt der Strafvereitelung gleich.
killi 01.03.2015
2. 10 Minuten!
Die Polizei benötigt zehn Minuten bis sie am Tatort ist? In Moskau? Wenige Meter vom Kreml entfernt? Ich hoffe der Täter hat einen Schalldämpfer benutzt, ansonsten ist es gleich fragwürdig wie die geglückte Flucht der Charlie Hebdo Attentäter aus Paris...
wolf-prange 01.03.2015
3. Nemzow-Mord
Wie gehabt : Es wird ein armes Schwein verhaftet, der Presse vorgeführt, eingebuchtet, per Schauprozess verurteilt und fertig sind die "Ermittlungen". Wer wollte da nicht an den Rechtsstaat Russland glauben!? Wenn jetzt nicht Gerhard Schröder aufwacht und kraft seines Berufes ( Anwalt ) erklärt, er rücke von seiner Feststellung ab, dass Putin ein 'lupenreiner Demokrat' sei, verstehe ich die Welt nicht mehr. Natürlich habe ich die Gaslieferungen im Hinterkopf,aber es ist bisher immer noch gelungen, etwaigen Engpässen zu entgehen. Ja, wenn die Wissenschaftler sich auf ihren Hosenboden setzen und neue Energiequellen erschließen, sollte es doch ohne diesen Teufel Putin zugehen, uns vor dem Erfrieren und dem Zusammenbruch der Wirtschaft zu retten. Die Ressourcen liegen nicht nur im Boden, sie liegen in den Köpfen.
heinihuckeduster 01.03.2015
4. @art.5
Völliger Quatsch!! Sinnvoller ist es Straftaten zu verhindern als davon unbrauchbare Filmchen mit Überwachungskameras zu drehen!!
DanRan 01.03.2015
5.
Zitat von Art. 5Dieser Fall verdeutlicht wieder einmal den Vorteil von Überwachungskameras bei die Aufklärung von Straftaten. Auch wenn der Täter wegen der Entfernung nicht klar zu erkennen ist, werden die Informationen auf dem Video wie in so vielen anderen Beispielen zuvor bei der Fahndung von großer Hilfe sein. Durch Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen, U-Bahnhöfen, etc. sind schon die meisten Gewalttäter gefasst worden. Sich dagegen auszusprechen kommt der Strafvereitelung gleich.
...es konnte ja nicht lange dauern, bis so ein Totalüberwachungsfan aus der Versenkung springt. Aber die Nachteile überwiegen die Vorteile bei Weitem, insbesondere Dank der fehlenden Vertrauenswürdigkeit der ausführenden Organe.
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