Vorwürfe aus Israel Nato beunruhigt über möglichen Chemiewaffen-Einsatz in Syrien 

"Wir werden äußerst wachsam bleiben": Nach Israels Vorwürfen äußern sich Nato-Generalsekretär Rasmussen und US-Außenminister Kerry besorgt über den möglichen Einsatz von chemischen Waffen in Syrien. Das Bündnis sei darauf vorbereitet, den syrischen Nachbarn Türkei zu schützen.

Nato-Generalsekretär Rasmussen: "Ich kann versichern, dass wir vorbereitet sind"
AFP

Nato-Generalsekretär Rasmussen: "Ich kann versichern, dass wir vorbereitet sind"


Brüssel - Die Reaktionen folgten prompt: Nach den Anschuldigungen durch den israelischen Militärgeheimdienst gegen Syrien zeigt sich die Nato "extrem besorgt" über den möglichen Einsatz von Chemiewaffen in dem kriegsgebeutelten Land. Bei einem Treffen der Nato-Außenminister am Dienstag in Brüssel sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, das Bündnis habe Pläne für Notfälle, um jederzeit ihr Bündnismitglied Türkei schützen zu können.

"Wir sind extrem besorgt über den Einsatz von ballistischen Raketen in Syrien und über den möglichen Einsatz von Chemiewaffen", sagte Rasmussen vor Journalisten. Zu den konkreten Äußerungen Israels wollte Rasmussen keine Stellung nehmen. Auch US-Außenminister John Kerry zeigte sich beunruhigt. "Wir müssen weiter über die Rolle der Nato im Zusammenhang mit der Syrien-Krise nachdenken", sagte Kerry vor den Ministern.

"Das Bündnis hat bereits Patriot-Abwehrraketen in der Türkei stationiert, um das Nato-Land vor Beschuss aus dem benachbarten Bürgerkriegsland zu schützen. Einen Militäreinsatz der Nato in Syrien lehnt das Bündnis strikt ab. "Es gibt keine Forderung an die Nato, eine Rolle zu spielen", stellte Rasmussen klar. Aber die Krise könne "direkt unsere eigene Sicherheit beeinträchtigen. Wir werden daher weiter äußerst wachsam bleiben." Rasmussen fügte hinzu: Ich kann versichern, dass wir vorbereitet sind, um unsere Verbündeten zu schützen - in diesem Fall den syrischen Nachbarn Türkei. Wir haben alle Pläne bereit, um einen wirksamen Schutz sicherzustellen."

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle äußerte sich vorsichtig zu den israelischen Anschuldigungen. "Wir haben keine eigenen Erkenntnisse darüber, dass Chemiewaffen tatsächlich eingesetzt worden sind", sagte Westerwelle. "Und natürlich bitten wir alle jene, die solche Behauptungen aufstellen, uns in vollem Umfang dann auch Zugang zu ihren Erkenntnissen zu verschaffen."

Israel hatte Syriens Staatschef Baschar al-Assad vorgeworfen, das tödliche Nervengas Sarin eingesetzt zu haben. Anders als im Irak 2003 ist es erwiesen, dass Syrien Chemiewaffen besitzt. Das Regime hatte dies selbst bestätigt.

USA und Israel rücken näher zusammen

Vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs in Syrien sowie des Atomstreits mit Iran wollen sich die USA noch stärker für die Sicherheit Israels einsetzen. "Dies sind schwierige und gefährliche Zeiten, in denen Freunde mehr denn je zusammenhalten müssen", sagte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel bei einem Gespräch mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu am Dienstag. Nach Abschluss eines knapp dreitägigen Besuchs in Israel setzte Hagel seine Nahost-Reise in Jordanien fort.

Als Ausdruck des Zusammenrückens der beiden Länder hatte Hagel am Vortag Berichte über ein großes Rüstungsgeschäft mit Israel bestätigt. Es handelt sich dabei um hochmoderne Waffensysteme, die Israel für einen möglichen Militärschlag gegen Atomanlagen im Iran nutzen könnte.

Das Rüstungsgeschäft wurde als deutliches Signal in Richtung Teheran gewertet. Israel warnte erneut dringlich, dass der Iran bald im Besitz einer Atombombe sein könnte.

bos/dpa/AFP

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insgesamt 47 Beiträge
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seneca55 23.04.2013
1. Colin Powell's Beweisführung 2.0
Warum nicht? Die freigewordenen US-Kräfte aus dem IRAK liegen ja noch in Kuweit und Bahrein neben anderen Stützpunkten untätig herum und es gilt immer noch der Satz der ehem. US-Außenministerin Albright:"Wozu haben wir ein Super-Militär, wenn wir es nicht benutzen?" - Zitat Albrigt vor der NATO-Entscheidung 1999 gegen Serbien gegenüber ihrem obersten aber zögerlichen US-Militär Colin Powell. Allerdings waren die NATO-Einsätze weder in Serbien, Afghanistan noch IRAK nachhaltig erfolgreich und dabei sehr teuer. Hoffentlich halten die Etatprobleme der USA diese vor unrationalen Entscheidungen heute in Syrien ab.
meinnametutnixzursache 23.04.2013
2. Hm, ...
Zitat von seneca55Warum nicht? Die freigewordenen US-Kräfte aus dem IRAK liegen ja noch in Kuweit und Bahrein neben anderen Stützpunkten untätig herum und es gilt immer noch der Satz der ehem. US-Außenministerin Albright:"Wozu haben wir ein Super-Militär, wenn wir es nicht benutzen?" - Zitat Albrigt vor der NATO-Entscheidung 1999 gegen Serbien gegenüber ihrem obersten aber zögerlichen US-Militär Colin Powell. Allerdings waren die NATO-Einsätze weder in Serbien, Afghanistan noch IRAK nachhaltig erfolgreich und dabei sehr teuer. Hoffentlich halten die Etatprobleme der USA diese vor unrationalen Entscheidungen heute in Syrien ab.
... ich habe seit dem Balkaneinsatz der Nato von keinen weiteren Massakern wie dem in Srebrenica mehr gehört.
materialist 23.04.2013
3. Wohl kaum
Zitat von seneca55Warum nicht? Die freigewordenen US-Kräfte aus dem IRAK liegen ja noch in Kuweit und Bahrein neben anderen Stützpunkten untätig herum und es gilt immer noch der Satz der ehem. US-Außenministerin Albright:"Wozu haben wir ein Super-Militär, wenn wir es nicht benutzen?" - Zitat Albrigt vor der NATO-Entscheidung 1999 gegen Serbien gegenüber ihrem obersten aber zögerlichen US-Militär Colin Powell. Allerdings waren die NATO-Einsätze weder in Serbien, Afghanistan noch IRAK nachhaltig erfolgreich und dabei sehr teuer. Hoffentlich halten die Etatprobleme der USA diese vor unrationalen Entscheidungen heute in Syrien ab.
Die Etatprobleme hielten bisher weder die USA noch Frankreich und GB vom Kriegführen ab Kriege auf Pump sind doch schon normal.
intenso1 23.04.2013
4. Sie haben...
Zitat von meinnametutnixzursache... ich habe seit dem Balkaneinsatz der Nato von keinen weiteren Massakern wie dem in Srebrenica mehr gehört.
Sie haben seitdem keine Nachrichten verfolgt?
chr67 23.04.2013
5. Sarin in Syrien
Der israelische Geheimdienst und seine Generäle hebn wohl recht, wenn sie mit solchen Behauptungen an die Öffentlichkeit gehen. Sind schliesslich nicht solche Amateure wie bei uns. Aber bis die diskussionsfreudige Öffentlichkeit, bei Westerwelle angefangen, zu einer Entscheidung kommt, sind wahrscheinlich alle freiheitsliebenden und diktatorenfeindlichen Syrer umgebracht worden. Eine einzige Schande! Sollen den Tyrannen endlich ausbomben!
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