Nervenkrieg in Griechenland Boot der Gaza-Flottille durchbricht Blockade

Ein französisches Motorboot auf dem Weg nach Gaza ist offenbar der griechischen Küstenwache entkommen. Es wäre das erste Schiff der geplanten Hilfsflotte für die Palästinenser, das die Auslaufsperre durchbrochen hätte - Hilfsgüter hat es jedoch nicht an Bord.

AFP

Athen - Als erstes Schiff der Hilfsflotte für den Gaza-Streifen ist nach Angaben der Organisatoren ein französisches Boot erfolgreich in See gestochen - trotz eines Auslaufverbots der griechischen Behörden. Das kleine Schiff "Dignité al Karama" habe in der Nacht zu Dienstag mit acht Aktivisten an Bord griechische Gewässer verlassen und sei auf dem Weg zum Gaza-Streifen, erklärten die Organisatoren in Paris.

An Bord des 19 Meter langen Motorboots ist demnach auch der populäre Linkspolitiker und Ex-Präsidentschaftskandidat Olivier Besancenot. Die "Dignité al Karama" sei nicht in einem Register erfasst gewesen und so sei es gelungen, die Behörden zu umgehen, sagte Jean-Claude Lefort, Sprecher des Teams "Französisches Boot für Gaza" in Paris.

Es sei nicht wie die anderen Boote im Hafen von Piräus gestartet. "Unser Boot konnte volltanken und Lebensmittel laden. Es ist auf dem Weg nach Gaza." Hilfsgüter hat das Boot demnach aber nicht an Bord. Eine mit den Organisatoren vertraute Quelle in Athen sagte, das Boot sei am Wochenende aus Korsika gekommen und habe dann in einem Hafen abseits von Athen angelegt.

Küstenwache stoppt kanadisches Boot

Palästinenserfreunde aus aller Welt wollen von verschiedenen Mittelmeerhäfen aus mit einer Flotte Hilfsgüter in den Gaza-Streifen zu bringen. Die Schiffe und Boote liegen in kleineren Häfen nahe Piräus sowie auf den Inseln Kreta und Korfu. Einige Schiffe sollten auch aus anderen Mittelmeerstaaten, darunter Frankreich und der Türkei, Kurs auf Gaza nehmen.

Die griechische Regierung hat allerdings allen Schiffen verboten, die Häfen des Landes in Richtung Gaza-Streifen zu verlassen. Die Behörden führen für das Auslaufverbot die Drohung Israels an, die Schiffe notfalls mit Gewalt zu stoppen.

Am Montagabend hatte ein kanadisches Schiff erfolglos versucht, von Kreta aus in See zu stechen. Die Küstenwache hatte die "Tahrir" gestoppt und das Schiff zurück in den Hafen von Agios Nikolaos geschleppt.

Ein Aktivist der kanadischen Organisation "Boat to Gaza" sagte, es seien 15 Bewaffnete an Bord gekommen. "Ich werde von einem Mann mit einem Maschinengewehr aufgehalten", sagte David Heap am Telefon. Zwei Aktivisten wurden festgenommen. Sie hatten nach Angaben der Organisatoren versucht, das Boot der Küstenwache mit einem Kajak abzudrängen.

Demonstranten stürmen Botschaft

Die kanadische Aktivistin Sandra Ruch sagte, die "Tahrir" sei von dem Boot der Küstenwache "gerammt" worden und habe nun ein Leck, aus dem Treibstoff auslaufe.

Aus Protest gegen die Blockade durch die griechischen Behörden hatte am Montag bereits ein französisches Schiff der Hilfsflotte symbolisch die Segel gesetzt, war aber nicht aus dem Hafen von Piräus ausgelaufen. Auch besetzten pro-palästinensische Aktivisten am Dienstag die spanische Botschaft in Athen. Rund 30 überwiegend spanische Demonstranten drangen in das Botschaftsgebäude im Zentrum der griechischen Hauptstadt ein, berichtete ein Reporter.

Am Freitag hatte das US-Schiff "Audacity of Hope" trotz des Verbots den Hafen von Piräus verlassen und war kurz darauf von der Küstenwache gestoppt worden. Der Kapitän wurde festgenommen und sollte am Dienstag vor Gericht erscheinen.

Die Hilfsflotte aus mehreren Schiffen will die von Israel verhängte Blockade des Gaza-Streifens durchbrechen, um Hilfsgüter in das Palästinensergebiet zu bringen. Israel hatte 2007 eine Seeblockade gegen das palästinensische Autonomiegebiet verhängt, um Waffenlieferungen an die dort regierende Hamas zu verhindern.

Ankunft Hunderter Aktivisten erwartet

Die Palästinenser halten die Abriegelung für rechtswidrig und kritisieren sie als kollektive Bestrafung der 1,5 Millionen Einwohner des Gebiets. Im vergangenen Jahr wurden neun Aktivisten auf einem türkischen Schiff getötet, als ein israelisches Kommando gegen eine ähnliche Blockadebrecher-Aktion vorging.

Rund 300 pro-palästinensische Aktivisten sowie 35 Journalisten aus 22 Ländern wollen sich den Angaben der Organisatoren zufolge an der aktuellen Flottillen-Aktion beteiligen.

Für Freitag ist zudem die Ankunft von rund 500 pro-palästinensischen Aktivisten unter anderem aus Deutschland, Frankreich und den USA am Flughafen von Tel Aviv geplant. Von dort aus wollen sie ebenfalls in die Palästinensergebiete reisen und so die Hilfsflotte für den Gaza-Streifen flankieren. Israels Regierung mobilisierte bereits seinen Sicherheitsapparat.

amz/AFP/Reuters

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