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Nervenkrieg um Gaza-Hilfsschiff: Libyscher Frachter erreicht Ägypten

Eine neue Eskalation im Mittelmeer ist abgewendet: Ein von Libyen gechartertes Hilfsschiff hat seinen Kurs geändert - und ist nun in einen ägyptischen Hafen eingelaufen. Die geladenen Güter waren für Palästinenser bestimmt. Israels Marine hatte davor gewarnt, den Gaza-Streifen anzusteuern.

Kairo - "Wir werden das Boot weiter überwachen, es wird nicht nach Gaza kommen." Diese Worte eines israelischen Armeesprechers zeigen, wie angespannt die Lage am Mittwoch erneut im Mittelmeer war. Doch im Konflikt um einen von Libyen gecharterten Frachter mit Hilfslieferungen für Palästinenser im Gaza-Streifen hat Israel die Oberhand behalten. Das Schiff erreichte am Abend den Hafen der ägyptischen Stadt al-Arisch - und nicht den Gaza-Streifen.

Im Verlauf des Tages hatte die libysche Gaddafi-Stiftung, in dessen Auftrag der Frachter unterwegs ist, noch öffentlich an ihrem Vorhaben festgehalten, die "Amalthea" den Gaza-Streifen ansteuern zu lassen - so sollte die Seeblockade vor dem Palästinensergebiet gebrochen werden. "Wir sind entschlossen, nach Gaza zu fahren", sagte ein Vertreter der Organisation.

Am frühen Abend teilte die Stiftung jedoch mit, dass der Frachter die geladenen Hilfsgüter nach al-Arisch bringen werde, um die Sicherheit der Menschen an Bord nicht zu gefährden. Im Kampf für die Anliegen der Palästinenser seien dennoch "Punkte erzielt" worden. Ägyptens Außenminister Ahmed Abul Gheit sagte laut Nachrichtenagentur Mena, die Hilfsgüter sollten in der Hafenstadt entladen und an den ägyptischen Roten Halbmond übergeben werden. Die Hilfsorganisation werde dann die Güter in die Palästinensergebiete bringen.

Mit Gewalt gegen das Schiff gedroht

Mehrere Boote der israelischen Marine folgten dem Hilfsschiff nach Angaben eines Armeesprechers in Sichtweite. Israel wollte verhindern, dass die Crew der "Amalthea" in letzter Minute doch noch in Richtung des nördlich gelegenen Gazastreifens abdreht. Nach Angaben der Gaddafi-Stiftung hatte die israelische Armee mit Gewalt gedroht, wenn das Schiff nicht umkehre oder al-Arisch ansteuere. Ein ranghoher israelischer Militärvertreter sagte zudem der Zeitung "Maariv" vom Mittwoch, die Armee werde "bei Schwierigkeiten" auch Gewalt gegen das Schiff anwenden.

Die Fahrt des Schiffes hatte in den vergangenen Tagen international für Aufsehen gesorgt. Die unter moldauischer Flagge fahrende "Amalthea" hatte am Samstag den griechischen Hafen Lavrio verlassen. Das Schiff hat der Gaddafi-Stiftung zufolge 2000 Tonnen Medikamente und Nahrungsmittel geladen.

Israel hat den von der radikalislamischen Hamas beherrschten Gaza-Streifen streng abgeriegelt und blockiert auch die Seewege im Mittelmeer vor dem schmalen Küstenstreifen. Die israelische Regierung befürchtet, dass Waffenlieferungen als Hilfen getarnt sein könnten.

Ende Mai hatten israelische Spezialkräfte in internationalen Gewässern eine Hilfsflotte für den Gaza-Streifen gewaltsam gestoppt. Damals hatten die Elitesoldaten neun Türken getötet und 45 weitere Passagiere verletzt. Der Angriff wurde international scharf verurteilt.

kgp/dpa/AFP

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