Netanjahu-Besuch Obama sichert Israel "felsenfeste" Unterstützung zu

Ihr persönliches Verhältnis gilt als angespannt - aber die Verbindungen ihrer Länder gehen tief: US-Präsident Obama hat beim Besuch des israelischen Regierungschefs Netanjahu den "unzerbrechlichen Bund" zwischen beiden Staaten betont.

Netanjahu, Obama: Angespanntes persönliches Verhältnis
DPA

Netanjahu, Obama: Angespanntes persönliches Verhältnis


Berlin/Washington - US-Präsident Barack Obama hat die Verbindung zwischen Israel und den USA bei einem Treffen mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu als "unzerbrechlich" bezeichnet. "Israel befindet sich eindeutig in einer turbulenten Nachbarschaft", sagte Obama zu Beginn des Treffens im Weißen Haus am Mittwoch. Das Land könne deshalb auf die "felsenfeste Unterstützung" der USA in Sicherheitsfragen zählen. Das erste Treffen der beiden seit sieben Monaten war auf etwa anderthalb Stunden angesetzt.

Das Verhältnis zwischen Obama und Netanjahu gilt als schwierig. Die beiden ähnelten einem Ehepaar im Zwist, das sich zum Wohl der Familie trotz andauernder Streitereien entschieden habe, zusammen zu bleiben, schrieb die "New York Times" am Mittwoch. Das Verhältnis sei "in der Regel kooperativ, aber selten warm".

Kurz vor Netanjahus letztem Washington-Besuch im März hatte Obama in einem Interview moniert, dass die Zeit für einen Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern auslaufe. Die Verhandlungen über mögliche Rahmenvereinbarungen scheiterten einen Monat später.

Netanjahu bedankte sich für die "unnachgiebige" Unterstützung der Amerikaner. Erst im Juli hatten die USA weitere Finanzmittel für die israelische Raketenabwehr freigemacht. Von den weiteren 622 Millionen Dollar (460 Millionen Euro) sind 351 Millionen Dollar (259 Millionen Euro) für das System "Iron Dome" (Eisenkuppel) vorgesehen, das im Gaza-Krieg viele Raketen der radikal-islamistischen Hamas aus dem Gaza-Streifen abfing. Obama sagte, die Amerikaner sollten stolz auf dieses Programm sein, das israelische Menschen beschützt habe.

Kritik aus Washington während des Gaza-Kriegs

Im Sommer hatte es allerdings auch Kritik Washingtons an Israels Vorgehen im Gaza-Krieg gegeben. Zudem wurde über das Zurückhalten von bereits zugesagten Raketenlieferungen berichtet.

Netanjahu nutzte den Termin im Oval Office auch, um erneut seiner Sorge über das iranische Atomprogramm Luft zu machen. Iran strebe nach einem Deal, um die harten Sanktionen gegen die iranische Wirtschaft zu lockern und sich als "nukleare Schwellenmacht" zu etablieren, sagte Netanjahu. Er befürchtet, dass Iran unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms heimlich Atomwaffen bauen könnte.

Während Obama die Verhandlungen mit Teheran vorantreiben will, hofft Netanjahu, dass die Gespräche in einer Pattsituation enden

flo/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
joki81 01.10.2014
1. angespannt?
Das persönliche Verhältnis zwischen Obama und Netanjahu dürfte komplett vergiftet sein. Die Regierung Netanjahu hat einige Male Obamas Außenminister mit dessen Vermittlungsbemühungen öffentlich bloßgestellt... als Retourkutsche kamen dann die amerikanischen Verurteilungen der zivilen Opfer im Gazakrieg. Dies wiederum ist aus Sicht der Israelis reine Heuchelei, denn jede amerikanische Militärkampagne inklusive der jetzigen gegen IS fordert ebenfalls reichlich zivile Opfer (über die dann nur nicht gesprochen wird).
berlin-steffen 01.10.2014
2. und darum wird es kein Palästina geben
Wegen dieser alternativlosen Unterstützung Israels durch die USA wird es nie Frieden in Nahost geben. Danke an die beiden Länder!
altair 01.10.2014
3. Hier haben wir
die eigentliche Wurzel für den gesamten Terror im nahen und mittleren Osten. Der "unzerbrechliche Bund" - im Klartext: alle Bewohner des Orient, die nicht Staatsbürger Israels sind, sind für den Westen Menschen 2.Klasse. Das schürt Hass. Früher oder später wird uns das um die Ohren fliegen. Nehmen wir mal an, USA und der ganze Westen würden Israel die Unterstützung entziehen. Würde Israel als Staat überleben? Vielleicht, vielleicht auch nicht, vielleicht als "Sonderwirtschaftszone" Syriens. Jedenfalls müßten sie sich konziliant zeigen. Gemessen an dem, was für uns alle auf dem Spiel steht, wäre das wohl egal.
michael.mittermueller 01.10.2014
4. Wildwest trifft Nahost
Vielleicht ist das Problem der USA gerade dass sie sich von Israels Vorbild anstecken lässt. Die Amoralität kompromissloser Gewalt, ebenso wie die Korruptheit einer politischen Kaste versteckt hinter hochgradig moralischen Argumenten verdecken hier nur eines. Wirtschaftliche Interessen. Wenn AIPAC Lobbyisten sagen, sie könnten jedes Gesetz kaufen, so ist das in meinen Augen erschreckend. Es zeigt, wie die Korruptheit die Demokratie sowohl in Israel als auch in den USA seit Jahrzehnten zerstört. Demokratie bedeutet freien und gleichen Zugang zur Politik für alle. Nicht nur für eine kleine einflussreiche Minderheit, die keine Skrupel hat Politiker zu kaufen.. Obama hat in seiner ersten Kampagne neben Hillary Clinton einen Weg beschritten, der ihm die Wahl sichern sollte. Mehr nicht. Mit den Interessen der USA oder seiner Verbündeten hatte dies alles nichts zu tun. Im Gegenteil. Die aktuelle Situation im Nahen Osten ist eine Folge hiervon. http://www.jewishchronicle.org/article.php?article_id=10160 Obama, Clinton team up at AIPAC to slam Republicans By Ami Eden June 4th, 2008 "It was a terrific speech, so polished," Gerber said. "He overpowers both McCain and Hillary. However, his policies will not make us strong and will not help Israel." Gerber said he would not support Obama at the polls. "I just don’t trust him," he said.
gandhiforever 01.10.2014
5. Dannhat die israelische Regierung
weiterhin freie Hand. Sie darf , wie bisher, weitermachen: neue Siedlungen im okkupierten Land estellen, die Rechte der dort Wohnenden weiterhin mit Fuessen treten. Abbas hat Recht, wenn er dem ein ende bereiten will, indem er vor den Internationalen Gerichtshof zieht. Allerdings wird auch das nichts bringen, denn die US werden den Staat Israel vor den Folgen der Okkupationspolitik schuetzen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.