Twitter-Spott aus Iran Netanjahu blamiert sich mit Jeans-Kommentar

Es sollte der Beginn einer Charme-Offensive werden: Erstmals hat sich Israels Premier Netanjahu direkt an das iranische Volk gewandt. Und prompt gepatzt. Er schwärmte von Popmusik und Jeans aus dem Westen. Jetzt spotten iranische Jugendliche und twittern Fotos ihrer Kleiderschränke.

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Eine historische Angelegenheit sollte es sein, die direkte Ansprache eines israelischen Regierungschefs an das iranische Volk. Im September hatte Irans neuer Präsident Hassan Rohani vorgelegt mit einer Charme-Offensive in den USA inklusive Gespräch mit dem amerikanischen TV-Sender CNN. Doch wo Rohani den richtigen Ton traf, patzt Benjamin Netanjahu.

Auf YouTube finden sich nun Ausschnitte des Gesprächs von Netanjahu mit dem persischsprachigen Kanal der britischen BBC. Er ist eine beliebte Nachrichtenquelle in Iran, auch wenn die iranische Regierung versucht, den Sender zu blockieren. Das Interview ist auf Englisch, ausgestrahlt wurde es mit persischen Untertiteln.

Wo Rohani wirbt, predigt Netanjahu. Er, ein israelischer Premier, glaubt die Iraner daran erinnern zu müssen, was an ihrem politischen System alles auszusetzen sei - die undemokratischen Wahlen, die Unfreiheit, die grausame Unterdrückung der Proteste 2009. Und dann passiert es.

"Das iranische Volk würde Blue Jeans tragen"

"Ich glaube, wenn es nach dem Willen des iranischen Volkes gehen würde, würden sie Blue Jeans tragen, sie hätten westliche Musik und freie Wahlen", sagt der israelische Premierminister. Der fatale Satz ist hier zu sehen.

In einem einzigen Moment schafft Netanjahu es, seine ernstzunehmenden Worte der Lächerlichkeit preiszugeben, wie 2012, als er vor der Uno-Generalversammlung das Diagramm einer Bombe präsentierte, das eine gewisse Ähnlichkeit mit der Zeichentrick-Serie "Road Runner und Wile E. Coyote" aufwies.

Denn natürlich hat die Jeans auch in Iran längst Einzug gehalten. Die islamischen Kleidungsvorschriften wie etwa das Kopftuch für Frauen scheinen viele Iraner geradezu als Ansporn zu nehmen, um mit den modischen Grenzen zu spielen und sie zu überschreiten. Diesen Sommer schimpften die Sittenwächter über Leggings, doch die Iranerinnen trugen sie unerschrocken weiter. Genauso wenig leben die Iraner musikalisch hinter dem Mond.

Prompt überschütten seit Sonntag die jungen Iraner auf Twitter den israelischen Premierminister mit Spott unter den Hashtags #jeans und #IranJeans. Der Kurznachrichtendienst ist in Iran zwar gesperrt, aber viele umgehen die Zensur.

"Er glaubt, wir reiten Pferde"

"Wir tragen nicht nur Jeans, wir hören auch fremdsprachige Musik. Ich wette, er glaubt, wir reiten Pferde", hieß es etwa.

"Wenn Netanjahu keine Ahnung hat, was Iraner in der Öffentlichkeit machen, woher ist er sich so sicher, was in den Geheimbunkern passiert?"

Andere twitterten Fotos vom Inhalt ihres Kleiderschrankes oder sich selbst in Jeans. Besonders beliebt war auch eine Fotomontage, die Netanjahu mit Jeans-statt-Bomben-Diagramm zeigt.

Der israelische Premierminister hat es nicht leicht, seit sein iranischer Gegenspieler Mahmud Ahmadinedschad nicht mehr im Amt ist. Wo früher Hardliner auf Hardliner prallte, läuft der polternde Netanjahu nun ins Leere.

Jerusalem muss dabei zusehen, wie Washington und Teheran sich vorsichtig annähern. Irans Präsident macht den "Good Cop", während im Hintergrund weiter Ajatollah Ali Chamenei die Fäden in der Hand behält. Auf Rohanis stetes Lächeln und diplomatisches Geschick hat Netanjahu bisher keine passende Antwort gefunden.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
ramuz 07.10.2013
1. Hm.... was soll man sagen...
Zitat von sysopTwitterEs sollte der Beginn einer Charme-Offensive werden: Erstmals hat sich Israels Premier Netanjahu direkt an das iranische Volk gewandt. Und prompt gepatzt. Er schwärmte von Popmusik und Jeans aus dem Westen. Jetzt spotten iranische Jugendliche und twittern Fotos ihrer Kleiderschränke. Netanjahu: Irans Jugend spottet über Israels Premier - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/netanjahu-irans-jugend-spottet-ueber-israels-premier-a-926427.html)
Wenn es nach dem religionsfreien, also WIRKLICH freien Willen der israelischen Gesamtbevölkerung gehen würde, würden alle Blue Jeans tragen, sie hätten westliche Musik und freie Wahlen für alle, keine Religionsfanatiker und Rassen-Segregation. Tja .. hätte ... täte... wäre.. selten so viel Glashaus in Scherben gesehen wie unter Bibis Attacke.
noalk 07.10.2013
2. Was denn sonst?
"... Ich wette, er glaubt, wir reiten Pferde." --- In der Tat, das glaube ich allerdings auch. Oder reiten die Iraner auf Hammeln? Ach ja, Kamele gibt's auch noch.
echo12345 07.10.2013
3. Ein bischen hinter der Zeit
Der gute Herr N... sollte besser Rosen züchten, sonst fühlt er sich ba'd nicht mehr verstanden und richtet aus Versehen ? noch Schaden an. Schon blöd wenn sich die andere Seite nicht mehr mit Flachsprüchen provozieren lässt. Da müssen einfach einmal frische Pferde ran und dann werden sich die Kommunikationsprobleme auch zivilisiert lösen lassen.
sozialminister 07.10.2013
4.
Ich glaube Netanjahu hat wohl etwas zuviel CIV5: Brave New World gezockt und versucht nun einen Kultursieg zu erringen ^^
shine31 07.10.2013
5. optional
---Zitat--- "Wenn Netanjahu keine Ahnung hat, was Iraner in der Öffentlichkeit machen, woher ist er sich so sicher, was in den Geheimbunkern passiert?" ---Zitatende--- Dieser Satz sagt doch alles!
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