US-Pöbelei gegen Israels Premier Netanjahu "Bibi, der Feigling"

Es ist nur ein kleines Wort, doch in Israel löst das Zitat eines US-Offiziellen Zorn und Wut aus: Er bezeichnete Premier Netanjahu mit einem Ausdruck, der vorsichtig mit "Angsthase" übersetzt werden kann.

Israels Premier Netanjahu: Harte Worte aus den USA
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Israels Premier Netanjahu: Harte Worte aus den USA


Jerusalem - Das Verhältnis zwischen den USA und Israel lässt sich beim besten Willen nicht als harmonisch bezeichnen. Zuletzt kritisierte etwa das Weiße Haus die Siedlungspläne der Regierung in Jerusalem ungewöhnlich scharf. Nun löst ein einziges Wörtchen eines namentlich nicht einmal genannten US-Offiziellen neue Verstimmungen aus zwischen den eigentlich eng verbündeten Ländern.

Es geht um den wenig charmanten Ausdruck "chickenshit". Das lässt sich wohlwollend mit "Angsthase" oder "Feigling" übersetzen - mit etwas mehr Schwung wird auch ein "Hosenscheißer" daraus. Als einen solchen bezeichnet der hochrangige Vertreter der Regierung von Präsident Barack Obama den israelischen Premier Benjamin Netanjahu laut der US-Zeitschrift "The Atlantic".

"The thing about Bibi is, he's a chickenshit", lautet das Zitat, in dem der Spitzname Netanjahus benutzt wird. Dieser stelle ohnehin sein eigenes politisches Überleben über alle anderen Interessen. Und den Mut und das Durchsetzungsvermögen seiner Vorgänger habe er schon gar nicht.

Die Antwort aus Israel ließ nur wenige Stunden auf sich warten. Netanjahu wies die US-Kritik an seiner Person barsch zurück. "Ich werde angegriffen, weil ich den Staat Israel verteidige", sagte Netanjahu am Mittwoch in einer Rede vor der Knesset.

In einer Stellungnahme versuchte das Weiße Haus wenig später, sich von den Zitaten zu distanzieren. Diese seien "unangebracht und kontraproduktiv", so ein Sprecher. Netanjahu und Obama hätten eine "effektive Partnerschaft" erarbeitet, hieß es weiter, einigermaßen nüchtern.

In Israel hatte das Zitat bereits kurz nach Veröffentlichung einigen Ärger ausgelöst. So forderte der israelische Wirtschaftsminister Naftali Bennett auf Facebook eine deutliche Reaktion aus Washington. Seine Begründung: "Solche Beleidigungen des Premiers sind auch eine Beleidigung für Millionen Israelis und für Juden in aller Welt."

Am Montag hatte Netanjahu den Bau von weiteren 1000 Wohnungen in Ostjerusalem angekündigt - ein Schritt, der international erneut kritisiert wurde. Es besteht die Sorge, dass solche Bauprojekte den ohnehin labilen Frieden in der Region noch weiter gefährden könnten.

jok/dpa

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