Netanyahu vor der Uno "Ihr glaubt, Ihr könnt den Tiger in ein Kätzchen verwandeln?"

Ein gereizter Benjamin Netanyahu hat der Uno "extreme Feindlichkeit" vorgeworfen: Israel werde "exzessiv niedergemacht". Der israelische Ministerpräsident warnte auch vor dem Atomabkommen mit Iran.

Benjamin Netanyahu vor der Uno: Iran ist gefährlich
AP/dpa

Benjamin Netanyahu vor der Uno: Iran ist gefährlich


Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat in seiner Rede vor der Uno-Vollversammlung nicht nur vor Iran gewarnt. Auch den Vereinten Nationen warf er Vorurteile gegenüber seinem Land vor. "Die Uno ist extrem feindlich gegenüber Israel, der einzigen Demokratie im Nahen Osten", so Netanyahu. "Wir erleben hier ein exzessives Niedermachen Israels." In den vier Jahren des Mordens in Syrien habe die Uno-Vollversammlung nur einmal die Gewalt in Syrien verurteilt, aber 20 Mal Israel.

Netanyahu sagte, das Atomabkommen mit Iran erhöhe die Kriegsgefahr im Nahen Osten. "Es macht nicht Frieden wahrscheinlicher, wenn man den aggressiven Iran mit Dollar und Waffen versorgt, sondern Krieg", sagte er. Teheran habe den Westen ausgetrickst. "Ihr glaubt, ihr könnt den wahnsinnigen Tiger in ein Kätzchen verwandeln?" Wer so optimistisch sei, solle seine Begeisterung an der Garderobe abgeben.

Netanyahu nutzte seine Rede für dramatische Gesten. Anfangs guckte er gereizt in die Runde und setzte erst eine, dann eine zweite Brille auf, bevor er begann - ohne Brille. Mitten in der Rede schwieg er eine halbe Minute und schaute auf die wenigen Delegierten im Saal.

"70 Jahre nach dem Mord an sechs Millionen Juden versprechen die Führer Irans, dass sie wieder sechs Millionen Juden töten werden, dass sie mein Land zerstören und mein Volk töten werden. Und diese Institution macht was? Absolut nichts, gar nichts! Vielleicht können Sie jetzt verstehen, warum wir dieses Abkommen nicht feiern wollen."

Israel führe einen Kampf für alle Demokratien. "Helfen Sie uns, den Fanatismus vor unserer Haustür zu bekämpfen, bevor er Ihre Haustür erreicht. Israel verteidigt auch Sie!" Denn Iran entwickele auch Langstreckenraketen. "Die sind nicht für uns, Israel ist nur ein paar Kilometer weiter. Diese Raketen sind für Sie!"

Netanyahu erklärte zudem seine Bereitschaft zur sofortigen Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen mit den Palästinensern. "Ich bin bereit, umgehend direkte Friedensverhandlungen mit den Palästinensern ohne jede Vorbedingung wieder aufzunehmen", sagte er. Die Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinensern liegen auf Eis, seit der letzte Vermittlungsversuch von US-Außenminister John Kerry im April 2014 scheiterte.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte in seiner Rede vor der Uno-Vollversammlung die Aufkündigung des Friedensprozesses mit Israel angedroht. Die Palästinenser seien nicht länger an die Verträge von Oslo gebunden, wenn diese von Israel nicht eingehalten würden, sagte Abbas.

Nun wandte sich Netanyahu direkt an den Palästinenserpräsidenten mit dem Vorschlag neuer Gespräche: "Präsident Abbas, ich weiß, es ist nicht einfach. Ich weiß, dass es schwer ist. Aber wir schulden es unseren Völkern, es zu versuchen."

amt/dpa/AFP

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