Neue Einreisebestimmungen USA-Touristen müssen sich online registrieren

Die USA verschärfen ihre Einreisebestimmungen drastisch. Touristen, die bislang kein Visum benötigen, müssen sich laut einem Bericht der "Financial Times" künftig spätestens drei Tage vor Reiseantritt online registrieren. Betroffen sind vor allem Bürger aus Westeuropa.


Hamburg - USA-Reisen werden ab Januar komplizierter. Die US-Regierung will einem Bericht der "Financial Times" zufolge die Einreisebestimmungen erweitern. Bürger aus 27 Staaten, die im Rahmen eines Verzichtsabkommens bislang ohne Visum einreisen konnten, müssen sich künftig online registrieren. Die Registrierung bleibt demnach für einen Zeitraum von zwei Jahren gültig. Betroffen ist fast ganz Westeuropa inklusive Deutschland und Staaten wie Australien, Japan und Neuseeland. Michael Chertoff, US-Minister für Heimatschutz, werde die neue Regelung am heutigen Dienstag bekanntgeben, schreibt die Zeitung.

Reisende am US-Flughafen Newark: Einreise wird komplizierter
REUTERS

Reisende am US-Flughafen Newark: Einreise wird komplizierter

Das Formular orientiert sich den Angaben zufolge an dem bereits bestehenden, das Touristen bei der Einreise ausfüllen müssen. Die Registrierung ist laut "Financial Times" in Reisebüros ebenso möglich wie auf den Websites von Flughäfen und einer eigenen Seite der US-Regierung. Urlauber können sich einem Mitarbeiter des Ministeriums zufolge ab August im Voraus registrieren, die Regel trete aber erst Anfang des Jahres in Kraft.

Schon im vergangenen Jahr hatte es laut der Zeitung erste Überlegungen zu einer Überarbeitung der Einreisebestimmungen gegeben. Damals hatten sich europäische Firmen beklagt, eine solche Regelung gefährde kurzfristige Geschäftsreisen in die USA. Aus dem Ministerium heißt es dazu, es bleibe bei der 72-Stunden-Frist. Wer sich jedoch einmal registriert habe, könne während der Gültigkeitsdauer mehrfach einreisen, ohne sich erneut zu registrieren.

Terror-Reisende aus Europa?

Als Gründe für die Verschärfung nannte die US-Behörde den Kampf gegen den Terrorismus. Die Gefahr, dass Extremisten aus Europa ohne Visum in die USA gelangten, sei zu groß. Als Beispiele zitiert das Blatt den britische "Schuhbomber" Richard Reid und den französischen Staatsbürger Zacarias Moussaoui, der im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September verurteilt wurde. Beide konnten im Rahmen des Verzichtsabkommens ohne Visum einreisen.

"Es besteht die Sorge, dass sich Europa radikalisiert", wird ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des Ministeriums zitiert, "und dass von Europa aus Anschläge auf die USA vorbereitet werden könnten." Die Vergangenheit habe gezeigt, dass es "naiv ist zu glauben, dass Reisende aus Ländern, die kein Visum benötigen, weniger gefährlich sind als solche, die sich über ihren Visumsantrag einer verschärften Sicherheitsprozedur unterzogen haben".

Wie die EU nun konkret auf die Neuerung reagiert, ist noch unklar. Chertoff habe am vergangenen Montag mit Justizkommissar Jacques Barrot über die Pläne gesprochen, schreibt die "Financial Times". Ein EU-Vertreter sagte dem Blatt, Barrot habe weitere Informationen und schriftliche Details verlangt. Der bereits zitierte Mitarbeiter des Heimatschutzministeriums allerdings stellte die Reaktion Barrots anders dar: Dieser habe gewirkt, als werde er das Vorhaben ohne Umschweife akzeptieren. Bislang war die Haltung der EU zurückhaltend bis ablehnend.

ffr



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