Neue Geiselnahme Sarkawi droht mit Enthauptung von drei Türken

Top-Terrorist Sarkawi hat im Irak drei Türken in seine Gewalt gebracht. Dem TV-Sender al-Dschasira zufolge will er sie köpfen lassen, wenn Ankara nicht binnen 72 Stunden alle türkischen Vertragspartner der Besatzungstruppen zum Abzug bewegt. Das Ultimatum läuft ausgerechnet am Schlusstag des Nato-Gipfels in Istanbul ab.


Türkische Geiseln: Sarkawi droht mit Enthauptung
AP

Türkische Geiseln: Sarkawi droht mit Enthauptung

Kairo - Es ist eine fürchterliche Drohung und eine beispiellose Provokation. Denn dass Abu Mussab Sarkawis Terrorgruppe die Türkei genau zu dem Zeitpunkt erpresst, an dem die Führer der 26 Nato-Staaten inklusive US-Präsident George W. Bush in Istanbul tagen, kann kein Zufall sein. Die Drohung ist unmissverständlich. Die Terroristen würden ihre Geiseln am Dienstag, dem Abschlusstag des Gipfels, enthaupten, sollten sich bis dahin nicht alle türkischen Firmen aus Irak zurückziehen, die die alliierten Besatzungstruppen unterstützen, sagte ein al-Dschasira-Mitarbeiter.

Der Sender zeigte einen Videofilm, in dem die drei Türken auf dem Boden hockten, ihre Namen nannten, Pässe hoch zeigten und auf Türkisch sagten, was sie im Irak machen. Die Türkei nimmt zwar nicht in den Koalitionstruppen im Irak teil. Viele Türken arbeiten aber als Vertragslieferanten der von den USA geführten Truppen.

Laut al-Dschasira erklärten die Terroristen: "Die türkischen Truppen und Unternehmen, die die Besatzungstruppen unterstützen", müssten den Irak bis zum genannten Fristablauf verlassen. Sonst würden die drei türkischen Arbeiter getötet. In einer dem Video beigefügten schriftlichen Erklärung riefen die Entführer die türkische Bevölkerung zu Demonstrationen gegen US-Präsident Bush auf, der am Samstagabend in Ankara eintraf. Der Besuch von "Bush dem Verbrecher, dem Feind des Islams" müsse klar verurteilt werden. Der Mitarbeiter des Senders sagte, die Kassette sei am Samstag eingegangen.

Fahndungsphoto von Sarkawi: Zehn Millionen Dollar Belohnung
AP

Fahndungsphoto von Sarkawi: Zehn Millionen Dollar Belohnung

Wie ernst die Drohung zu nehmen ist, belegen Sarkawis bisherige Verbrechen. Seine Gruppe hat die Verantwortung für die Entführung und Enthauptung der amerikanischen Geisel Nicholas Berg und des Südkoreaners Kim Sun-il übernommen.

Die US-geführte Verwaltung des Irak bemühte sich gleichzeitig, neue Hinweise über den Aufenthaltsort des mutmaßlichen Qaida-Verbündeten Sarkawi zu bekommen. Im Land wurden die Bewohner auf Plakaten und in Bekanntmachungen über die ausgesetzte Kopfgeldprämie von zehn Millionen Dollar informiert. "Er bleibt unser Ziel Nummer eins in diesem Land. Er ist ein sehr wirkungsvoller Terrorist", sagte Brigadegeneral Mark Kimmitt, der stellvertretende Leiter der US-Militäroperation in dem Golfstaat. "Jeder Bürger dieses Landes muss verstehen, dass er bei der Jagd nach Sarkawi eine Rolle spielt."

Neben den martialischen Enthauptungen hat Sarkawis Gruppe auch die Verantwortung für Anschläge am Donnerstag übernommen, bei denen mehr als 100 Iraker und drei US-Soldaten getötet wurden. Zudem bekannte sich die Gruppe zu einem Anschlag auf den irakischen Vize-Innenminister vor einer Woche in Bagdad, bei dem der Minister selbst zwar überlebte, aber mindestens fünf Menschen starben.

In der vergangenen Woche haben die US-Truppen drei Angriffe auf Häuser in der Stadt Falludscha geführt, in denen sie Anhänger Sarkawis vermuteten. Bei einem Angriff am Freitag dürfte Sarkawi nur knapp verfehlt worden sein, sagte Kimmitt. Zahlreiche Autos hätten sich nach dem Angriff von dem Gebäude entfernt. "Es ist die Einschätzung der Koalition, dass es Sarkawi und einige seiner wichtigsten Leute gewesen sein können." Dies stehe aber noch nicht fest.



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