Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Neue Nahost-Politik der USA: "Naiv und potentiell gefährlich"

Die Regierung Obama will den Friedensprozess im Nahen Osten beleben - und geht auf Distanz zu Israel. Erstmals hat Washington das Land als Atommacht benannt. Dieser Tabubruch ist ein Fehler, warnt US-Historiker Jeffrey Herf im SPIEGEL-ONLINE-Interview.

SPIEGEL ONLINE: Normalerweise sprechen US-Regierungen nicht über israelische Atomwaffen. Sollte dieses Tabu erhalten bleiben?

Präsident Obama: Tabubruch gegenüber Israel
AFP

Präsident Obama: Tabubruch gegenüber Israel

Herf: Auf jeden Fall. Es gibt keinen Grund öffentlich über israelische Atomwaffen zu diskutieren. Es gibt auch keine Gründe über die Atomwaffen anderer amerikanischer Alliierter wie etwa Großbritannien und Frankreich zu diskutieren.

SPIEGEL ONLINE: Die Chefin der US-Abrüstungsgespräche, Rose Gottemoeller, hat Israel aufgefordert seine Atomwaffen vorzuzeigen und dem Vertrag für die Nichtverbreitung von Nuklearmaterial beizutreten. Ist das nicht - mit Blick auf Gespräche mit Iran - ein kluger Schachzug?

Herf: Ich weiß nicht, was der Zweck eines solchen Vorschlages sein soll. Geht es darum, die Legitimität israelischer Atomwaffen zu stärken? Oder geht es darum, Druck auszuüben, damit Israel abrüstet? Wenn das der Grund ist, kommt es einer Beschwichtigungspolitik gegenüber Iran gleich. Atomwaffen dienen der Abschreckung für den schlimmsten Fall. Außerdem ist es Iran und nicht Israel, das zahlreiche Beschlüsse des Uno-Sicherheitsrates verletzt. Es ist Iran, dessen nukleare Ambitionen drohen, den Nichtverbreitungsvertrag für Nuklearwaffen wirkungslos zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Iran die Bombe bekommt, was wäre die Folge?

Herf: Dann beginnt ein nukleares Wettrennen in dem unberechenbarsten Teil des Globus. Das wäre zugleich das Ende des Nichtverbreitungsvertrag für Nuklearwaffen.

SPIEGEL ONLINE: Wie würden sie die neue Politik gegenüber Israel beschreiben?

Herf: Es ist zu früh, ein Urteil abzugeben. Wenn sich die diplomatischen Bemühungen der Regierung Obama, Iran von seinen nuklearen Ambitionen abbringen, über eine sehr kurze Zeit hinziehen, dann hat das einen Wert. Aber ich kann mir nicht vorstellen, das die USA Iran jetzt etwas anbieten können, das nicht in den letzten fünf Jahren vom "Quartett" der Europäer bereits angeboten wurde. Wenn die US-Regierung wirklich glaubt, dass Lächeln und ein neuer Ton das iranische Verhalten ändern werden, dann verfolgt sie eine Politik, die naiv und potentiell gefährlich ist.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, der Präsident kann mit einer Unterstützung des israel-freundlichen Teils der Demokratischen Partei nicht rechnen?

Herf: Wenn es sein Ansatz ist, ein Iran mit Atomwaffen zu akzeptieren, dann unterstütze ich das auf keinen Fall. Wenn der Ansatz ist, Verhandlungen hinauszuziehen, bis Iran die Bombe hat, unterstütze ich das nicht. Wenn der neue Ansatz aber bedeutet, Verhandlungen mit klaren Zeitvorgaben und größeren wirtschaftlichen Sanktionen für alle Staaten und Firmen zu erreichen, die Iran helfen die Bombe zu bauen, verbunden auch mit der Möglichkeit militärischer Mittel, Irans Atomprogramm zu vernichten, wenn alle anderen Maßnahmen erfolglos sind, dann unterstütze ich eine solche Politik.

Das Interview führte Gabor Steingart, Washington

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 152 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Israel Politik atm = Fail
Galaxia, 11.05.2009
Zitat von sysopDie Regierung Obama will den Friedensprozess im Nahen Osten beleben - und geht auf Distanz zu Israel. Erstmals hat Washington das Land als Atommacht benannt. Dieser Tabubruch ist ein Fehler, warnt US-Historiker Jeffrey Herf im SPIEGEL-ONLINE-Interview. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,623966,00.html
Nur komisch das die Verantwortlichen zumindest auf der Seite der Israel Anreiner Ihre Waffenruhen lassen und fuer Gespraeche bereit sind (2 Staaten Loesung.) Nur dumm das Israel dagegen ist (Liebermann). Israel isoliert sich gerade vom Rest der Welt. Und Israel ist mit seiner konservativen hardliner Politik, nicht besser als das was sie zur Staatenbildung genoetigt hatte.
2. Stimme der Vernunft
Israel_Hands 11.05.2009
Jeffrey Herf spricht mit der Stimme der Vernunft.
3. Wer ist hier naiv
Everybodys darling 11.05.2009
Wenn der Historiker glaubt militärische Mittel würden das Problem lösen dann ist er den Republikanern näher als den Demokraten. Als Historiker müsste er wissen welche Folgen ein Militärschlag gegen den Iran hätte. Wie würde man auf einen Gegenschlag des Irans reagieren? Hat der Iran indem Fall dann nicht sein Recht auf Selbstverteidigung genutzt? Einen weiteren Kriegsschauplatz in Nahost können wir uns sparen. Und warum sollte man nicht über die Atomwaffen Israels reden? Denn dann redet man über tatsächliche Atomwaffen und nicht über iranische Fantasieatomwaffen. Wären nicht israelische Atomwaffen nicht schon Grund genug für ein Wettrüsten in Nahost? Wenn schon ein atomwaffenfreies Nahost dann richtig! In einer Sache ist der Historiker selber naiv. Er sagt dass Israel nicht gegen Resolutionen verstößt. Ja hallo in welcher Welt lebt der Herr? Siedlungsbau findet wohl in seiner Welt nicht statt. Dass Netanjahu die Errichtung eines palästinensischen Staates ablehnt hat er auch überhört. Seine Ignoranz reicht bis zum lieben Gott.
4. Gefählich die Wahrheit zu sagen ...
Revisionist 11.05.2009
ist es wohl nicht. Israel hat Atomwaffen, besteitet das nicht mal. Sollten die USA wirklich eine neue Politik gegenüber dem Rest der Welt verfolgen, bleibt gar kein anderer Weg die Realitäten zu benennen um Vertrauen zurück zu bekommen. Die alte Strategie hat ja katastrophale Auswirkungen für die USA gezeigt, wer wirklich den Friedensprozeß im nahen Osten befördern will, muß von den Realitäten ausgehen - alles andere bleibt gefährlich.
5. !
CaptainSubtext 11.05.2009
Zitat von Everybodys darlingWenn der Historiker glaubt militärische Mittel würden das Problem lösen dann ist er den Republikanern näher als den Demokraten. Als Historiker müsste er wissen welche Folgen ein Militärschlag gegen den Iran hätte. Wie würde man auf einen Gegenschlag des Irans reagieren? Hat der Iran indem Fall dann nicht sein Recht auf Selbstverteidigung genutzt? Einen weiteren Kriegsschauplatz in Nahost können wir uns sparen. Und warum sollte man nicht über die Atomwaffen Israels reden? Denn dann redet man über tatsächliche Atomwaffen und nicht über iranische Fantasieatomwaffen. Wären nicht israelische Atomwaffen nicht schon Grund genug für ein Wettrüsten in Nahost? Wenn schon ein atomwaffenfreies Nahost dann richtig! In einer Sache ist der Historiker selber naiv. Er sagt dass Israel nicht gegen Resolutionen verstößt. Ja hallo in welcher Welt lebt der Herr? Siedlungsbau findet wohl in seiner Welt nicht statt. Dass Netanjahu die Errichtung eines palästinensischen Staates ablehnt hat er auch überhört. Seine Ignoranz reicht bis zum lieben Gott.
Nein, es zeigt nur woher der Wind weht. IMHO hat er sich mit dem Satz disqualifiziert. Nicht weiter wert sich über die Worte dieses Herrn zu unterhalten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: