Von Stefan Simons, Paris
Der Airbus hat eine Ausstattung, die einem neureichen Russen oder einem Öl-Scheich gefallen würde: Büro mit Salon, Versammlungsraum, Schlafzimmer, Bad und Klinik "für alle denkbaren Fälle". Dazu 60 Schlafsessel Marke Business für das fliegende Gefolge - statt der üblichen Bestuhlung mit 324 Sitzen. Der Flieger wird aber bald die Farben der "République Française" tragen, denn bei dem luxuriösen A330 handelt es sich um die offizielle Maschine von Präsident Nicolas Sarkozy - (dementiert wurden Gerüchte um die Anschaffung eines Wannenbades für Ehefrau Carla Bruni oder der Einbau eines Pizzaofens für den präsidialen Appetit).
Peinlich für den Staatschef: Der bevorstehende Jungfernflug des Langstrecken-Airbus findet punktgenau statt zwischen Sarkozys neuem Sparkurs, der Forderung an die Kabinettskollegen, besser zu haushalten, und einem Wust von Skandalen und Affären, die die Popularität des Präsidenten auf ein "historisches Tief" stürzen ließ: Da geht es nicht nur um die Saga der Millionenerbin Liliane Bettencourt und mögliche Interessenkonflikte bei dem amtierenden Arbeitsminister Éric Woerth, der die reichste Frau Frankreichs womöglich vor Nachstellungen der Steuerbehörden schützte.
Vergrätzt sind die Franzosen auch, weil trotz Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und Firmenpleiten Regierungsmitglieder den Staat als Selbstbedienungsladen nutzten: Da gab es Minister, die in Luxushotels übernachteten, unnötigerweise in Privatjets unterwegs waren oder ihre Dienstwohnungen weiterreichten. Andere beschäftigten den eigenen Sohn über Jahrzehnte als Mitarbeiter oder besorgten sich eine illegale Baugenehmigung für ihre Datsche - im Naturschutzgebiet an der Côte d'Azur. Den Vogel schoss Staatssekretär Christian Blanc ab; der Zigarrenliebhaber mit hohem Konsum ließ wöchentlich teure kubanische Ware ins Büro schaffen - der blaue Dunst kostete den Steuerzahler runde 12.000 Euro.
Peanuts, verglichen mit dem Luxusvogel des Präsidenten, der, das muss gerechterweise gesagt werden, schon vor drei Jahren geordert wurde. Sarkozy wollte eine Maschine nach dem Vorbild der "Air Force One" von Barack Obama. Ganz so üppig wie die Boeing 747 des US-Präsidenten wird es nicht, aber er reicht zum Mithalten im Jetset der internationalen Weltenlenker. Bislang waren Frankreichs Staatschefs mit zwei Mittelstreckenfliegern vom Typ A319 CJ unterwegs, die, unweit vom Lufthansaterminal, auf dem Flughafen Charles de Gaulle geparkt sind. Für Flüge im Inland steht eine Flotte von sechs VIP-Jets der Marke Falcon auf dem Militärstützpunkt Vélizy-Villacoublay bereit, neben drei Hubschraubern vom Typ Super Puma. Kosten pro Flugstunde: zwischen 4000 und 5800 Euro.
Die Kontroverse über die Einheit "Etec" (Escadron de transport, d'entraînement et de calibration") ist so alt wie die Luftwaffenstaffel selbst. Schon 1995 hatte Sarkozys Amtsvorgänger Jacques Chirac, der mit dem Versprechen auf eine "bescheidene Präsidentschaft" angetreten war, die "Gruppe der ministeriellen Luftverbindungen" (GLAM) aufgelöst und seinen Kabinettsmitgliedern preiswerteres Reisen ans Herz gelegt. Kurz darauf wurde GLAM unter dem neuen Namen wiedergeboren, und an der Fluglust der Minister hat sich bis heute nichts geändert.
Déjà-vu: Auch jetzt verordnete Sarkozy seiner Regierung sparen in Zeiten der Krise. "Flugreisen von Staatsangestellten sind künftig verboten, wenn es als Alternative eine Eisenbahnverbindung von weniger als drei Stunden gibt." Auch den neuen A330 verkauft der Élysée-Palast als Sparmaßnahme. Bei den bisherigen Reisen mit den beiden Mittelstreckenfliegern musste der Präsident etwa bei Transatlantikflügen eine Zwischenlandung einschieben; außerdem seien die Kommunikationsmittel an Bord nicht auf dem neusten Stand.
Obendrein würden für die Anschaffung des A330 dann im Gegenzug die beiden im Jahr 2000 erworbenen A319 verkauft. Mehr noch: Bei der Maschine handele es sich durchaus nicht um eine teure Neuanschaffung, sondern nur um "Second-hand-Ware", erworben von Air Caraibes, einer auf die Karibik spezialisierten Airline. Ein Schnäppchen? Der Umbau des Gebrauchtfliegers zu Sarkozys "Air Force Un" kostet Frankreichs Steuerzahler satte 176 Millionen Euro.
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