Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Neue Präsidentenmaschine: Sarkozy gönnt sich eine "Air Force Un"

Von , Paris

Ein Staatschef im Luftloch: Während Nicolas Sarkozy den Franzosen einen harten Sparkurs verordnet, erhält er selbst eine luxuriöse Präsidentenmaschine. Das Vorbild des Airbus A330 ist Barack Obamas "Air Force One".

Vorbild Obama: Air Sarkozy Fotos
AP

Der Airbus hat eine Ausstattung, die einem neureichen Russen oder einem Öl-Scheich gefallen würde: Büro mit Salon, Versammlungsraum, Schlafzimmer, Bad und Klinik "für alle denkbaren Fälle". Dazu 60 Schlafsessel Marke Business für das fliegende Gefolge - statt der üblichen Bestuhlung mit 324 Sitzen. Der Flieger wird aber bald die Farben der "République Française" tragen, denn bei dem luxuriösen A330 handelt es sich um die offizielle Maschine von Präsident Nicolas Sarkozy - (dementiert wurden Gerüchte um die Anschaffung eines Wannenbades für Ehefrau Carla Bruni oder der Einbau eines Pizzaofens für den präsidialen Appetit).

Peinlich für den Staatschef: Der bevorstehende Jungfernflug des Langstrecken-Airbus findet punktgenau statt zwischen Sarkozys neuem Sparkurs, der Forderung an die Kabinettskollegen, besser zu haushalten, und einem Wust von Skandalen und Affären, die die Popularität des Präsidenten auf ein "historisches Tief" stürzen ließ: Da geht es nicht nur um die Saga der Millionenerbin Liliane Bettencourt und mögliche Interessenkonflikte bei dem amtierenden Arbeitsminister Éric Woerth, der die reichste Frau Frankreichs womöglich vor Nachstellungen der Steuerbehörden schützte.

Vergrätzt sind die Franzosen auch, weil trotz Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und Firmenpleiten Regierungsmitglieder den Staat als Selbstbedienungsladen nutzten: Da gab es Minister, die in Luxushotels übernachteten, unnötigerweise in Privatjets unterwegs waren oder ihre Dienstwohnungen weiterreichten. Andere beschäftigten den eigenen Sohn über Jahrzehnte als Mitarbeiter oder besorgten sich eine illegale Baugenehmigung für ihre Datsche - im Naturschutzgebiet an der Côte d'Azur. Den Vogel schoss Staatssekretär Christian Blanc ab; der Zigarrenliebhaber mit hohem Konsum ließ wöchentlich teure kubanische Ware ins Büro schaffen - der blaue Dunst kostete den Steuerzahler runde 12.000 Euro.

Peanuts, verglichen mit dem Luxusvogel des Präsidenten, der, das muss gerechterweise gesagt werden, schon vor drei Jahren geordert wurde. Sarkozy wollte eine Maschine nach dem Vorbild der "Air Force One" von Barack Obama. Ganz so üppig wie die Boeing 747 des US-Präsidenten wird es nicht, aber er reicht zum Mithalten im Jetset der internationalen Weltenlenker. Bislang waren Frankreichs Staatschefs mit zwei Mittelstreckenfliegern vom Typ A319 CJ unterwegs, die, unweit vom Lufthansaterminal, auf dem Flughafen Charles de Gaulle geparkt sind. Für Flüge im Inland steht eine Flotte von sechs VIP-Jets der Marke Falcon auf dem Militärstützpunkt Vélizy-Villacoublay bereit, neben drei Hubschraubern vom Typ Super Puma. Kosten pro Flugstunde: zwischen 4000 und 5800 Euro.

Die Kontroverse über die Einheit "Etec" (Escadron de transport, d'entraînement et de calibration") ist so alt wie die Luftwaffenstaffel selbst. Schon 1995 hatte Sarkozys Amtsvorgänger Jacques Chirac, der mit dem Versprechen auf eine "bescheidene Präsidentschaft" angetreten war, die "Gruppe der ministeriellen Luftverbindungen" (GLAM) aufgelöst und seinen Kabinettsmitgliedern preiswerteres Reisen ans Herz gelegt. Kurz darauf wurde GLAM unter dem neuen Namen wiedergeboren, und an der Fluglust der Minister hat sich bis heute nichts geändert.

Déjà-vu: Auch jetzt verordnete Sarkozy seiner Regierung sparen in Zeiten der Krise. "Flugreisen von Staatsangestellten sind künftig verboten, wenn es als Alternative eine Eisenbahnverbindung von weniger als drei Stunden gibt." Auch den neuen A330 verkauft der Élysée-Palast als Sparmaßnahme. Bei den bisherigen Reisen mit den beiden Mittelstreckenfliegern musste der Präsident etwa bei Transatlantikflügen eine Zwischenlandung einschieben; außerdem seien die Kommunikationsmittel an Bord nicht auf dem neusten Stand.

Obendrein würden für die Anschaffung des A330 dann im Gegenzug die beiden im Jahr 2000 erworbenen A319 verkauft. Mehr noch: Bei der Maschine handele es sich durchaus nicht um eine teure Neuanschaffung, sondern nur um "Second-hand-Ware", erworben von Air Caraibes, einer auf die Karibik spezialisierten Airline. Ein Schnäppchen? Der Umbau des Gebrauchtfliegers zu Sarkozys "Air Force Un" kostet Frankreichs Steuerzahler satte 176 Millionen Euro.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 44 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Sarkozy hat mitbekommen
DerBlicker 04.07.2010
Zitat von sysopEin Staatschef im Luftloch: Während Nicoals Sarkozy den Franzosen einen harten Sparkurs verordnet, erhält er selbst eine luxuriöse Präsidentenmaschine. Das Vorbild des Airbus A330 - Barack Obamas "Air Force One". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,704299,00.html
dass Angela Merkel zwei Airbus A340 bekommt, da muss für ihn wenigstens ein Airbus A330 drin sein. Wenn er allerdings mit dem nach Brasilien fliegt, kommt er eh nicht wieder zurück, siehe Air France.
2. Sparprogramm
prophet46 04.07.2010
Zitat von sysopEin Staatschef im Luftloch: Während Nicoals Sarkozy den Franzosen einen harten Sparkurs verordnet, erhält er selbst eine luxuriöse Präsidentenmaschine. Das Vorbild des Airbus A330 - Barack Obamas "Air Force One". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,704299,00.html
La Merkel bekommt ja demnächst aus dem Konjunkturprogramm (!) auch einen neuen Flieger, da kann Sarko nicht hinten anstehen. Es war schon immer leichter, bei den anderen zu sparen.
3. ...
seine_unermesslichkeit 04.07.2010
Nach der Qualität ihrer Regierungsarbeit beurteilt, sollte ein Flugzeug mit der Performance eines Düngerstreuers für die Merkel reichen!
4. Bitte um freundliche Infos ...
Celestine, 04.07.2010
Zitat von sysopEin Staatschef im Luftloch: Während Nicoals Sarkozy den Franzosen einen harten Sparkurs verordnet, erhält er selbst eine luxuriöse Präsidentenmaschine. Das Vorbild des Airbus A330 - Barack Obamas "Air Force One". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,704299,00.html
Warum wird die Beschreibung der neuen Kanzlermaschien von Frau Merkel uns durch Den Spiegel vorenthalten? Würde mich viel mehr interessieren ....
5. muss das sein?
skillpadde_norge 04.07.2010
Zitat von DerBlickerdass Angela Merkel zwei Airbus A340 bekommt, da muss für ihn wenigstens ein Airbus A330 drin sein. Wenn er allerdings mit dem nach Brasilien fliegt, kommt er eh nicht wieder zurück, siehe Air France.
Den Vergleich zum abgestürzten Flug der AF zu ziehen finde ich etwas geschmacklos,dabei kamen viele Menschen ums Leben und nicht irgendwelche Statisten, so dass man ihnen würdevoll gedenken sollte und nicht in unqualifizierten Komentaren. Der Absturz hat AF hart getroffen, nichts desto trotz halte ich AF für eine gute und sichere Airline, verglichen mit so manch anderer aus Indien oder China beispielweise, und das sage ich als jemand, der in dem Geschäft tätig ist, nicht bei AF, sondern bei der deutschen Konkurenz.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Nicolas Sarkozy und Carla Bruni: Kampf der Gerüchteküche


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: