Ausschreitungen in Brasilien Zehntausende protestieren auch nach Zugeständnissen weiter

In Brasilien ist das Parlament den Demonstranten entgegengekommen: Neue Gesetze gegen Korruption wurden verabschiedet. Dennoch gingen erneut Zehntausende auf die Straße. In Belo Horizonte kam es am Rande des Confed Cup zu Ausschreitungen.

Ausschreitungen in Belo Horizonte: Krawalle am Stadion
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Ausschreitungen in Belo Horizonte: Krawalle am Stadion


Rio de Janeiro - Am Rande des ersten Halbfinal-Spiels des Conf Cup in Brasilien haben sich Randalierer und Polizei erneut Straßenschlachten geliefert. Während 50.000 Demonstranten friedlich gegen Korruption und soziale Missstände protestierten, versuchten vermummte Krawallmacher die Absperrgitter vor der Sicherheitszone rund um das Mineirao-Stadion in Belo Horizonte einzureißen. Dort spielte Brasilien gegen Uruguay.

Sie warfen Molotow-Cocktails, zündeten ein Auto an und versuchten auch, ein Geschäft in Brand zu setzen. Unterdessen traf der Kongress erste Entscheidungen, mit denen er den Forderungen der Demonstranten entgegenkam.

Die Polizei setzte in Belo Horizonte Tränengas ein. Ein 21-Jähriger wurde nach Medienangaben schwer verletzt, als er von einer Straßenüberführung stürzte. In Recife und der Hauptstadt Brasília versammelten sich je 2000 Menschen zu Demonstrationen. Auch in neun weiteren Städten kam es zu neuen Protesten.

Die Proteste richten sich gegen die Verschwendung von Steuermitteln für prestigeträchtige Sportveranstaltungen sowie die Kürzung der Sozialausgaben und die Korruption in der Politik. Als Reaktion hatte Präsidentin Dilma Rousseff am Mittwoch das größte und umfassendste Reformpaket seit der Verabschiedung der Verfassung von 1988 angekündigt.

Im Kongress erfüllte das Abgeordnetenhaus mehrere Forderungen der Demonstranten. Die Kammer kassierte eine geplante Gesetzesänderung, die Ermittlungsbefugnisse der Staatsanwaltschaft einschränken sollte. Auch sollen Milliardeneinnahmen aus dem Ölgeschäft ausschließlich in Bildung und Gesundheit fließen. Der Senat stimmte am Mittwoch zudem einer Verschärfung von Strafen für Korruption vor. Geplant ist auch eine Volksabstimmung über zentrale Fragen einer Politikreform.

Der Präsident des Fußball-Weltverbands Fifa, Joseph Blatter, sagte dem Internetportal UOL kurz vor dem Spiel mit Blick auf die Proteste: "Das sind soziale Probleme Brasiliens und nicht des Fußballs. Der Fußball bringt nur Freude, nicht nur für Brasilien, sondern für die ganze Welt."

fab/AFP/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
masseur81 27.06.2013
1. Was hat der denn geraucht?
Herr Blatter - der Fußball bringt nur Freude. Ja, und wir sind alle Brüder und Schwestern. Natürlich wird der Fußball gerne als Ventil, als Schaubühne zum Vortragen sozialer Probleme missbraucht. Das sieht man ja auch in Deutschland vor und nach den Spielen, vor und in den Stadien, in den Städten und sogar noch auf den Autobahnrastplätzen. Nur sollte sich Herr Blatter damit befassen, denn das Soziale ist auch das, von dem der Fußball sich ernährt. Ich persönlich finde es gut, dass die Demonstranten weiterhin engagiert bleiben. Schade nur, dass so viel Gewalt im Spiel ist.
spon-facebook-10000442950 27.06.2013
2. Zinsen...
es geht um Zinsen Zinsen Zinsen, die Proteste werden solange weiter gehen bis Brasilien wirtschaftlich quasi am Boden zerstört ist. Die Präsidentin kann noch soviele Zugeständnisse machen die Proteste werden weitergehen !
Mart-73 27.06.2013
3.
Mit vollkommener Entspanntheit betrachtet die deutsche Elite die jüngsten Ereignisse in Brasilien. Bis es den Menschen hier auch nur annähernd so schlecht geht ist es noch ein weiter Weg. Viel Spielraum also für Lohnkürzung, Abzocke und Zwangsabgaben. :-)
ein anderer 27.06.2013
4. ...
Zitat von sysopAPIn Brasilien ist das Parlament den Demonstranten entgegen gekommen: Neue Gesetze gegen Korruption wurden verabschiedet. Dennoch gingen erneut Zehntausende auf die Straße. In Belo Horizonte kam es am Rande des Confederations Cups zu Ausschreitungen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/neue-proteste-in-brasilien-nach-zugestaendnissen-a-908095.html
Die alten Eliten, von den USA miterschaffen, warten nur auf ihre Chance wieder die Macht aus zu üben.
omarius 27.06.2013
5. naja friedliche proteste
beinhaltet aber keine Brennenden Autos...
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