Neue Resolution: US-Senat entschuldigt sich für Sklaverei

"Grausamkeit, Brutalität und Unmenschlichkeit": Der US-Senat hat sich in einer Resolution für das Unrecht der Sklaverei entschuldigt. Als Rechtsgrundlage für mögliche Entschädigungen ist die Erklärung jedoch nicht gültig.

Washington - Seit fünf Monaten ist Barack Obama als erster afroamerikanischer US-Präsident im Amt, nun hat sich der US-Senat förmlich für das Unrecht von Sklaverei entschuldigt. In einer Resolution heißt es, "dass Sklaverei fundamentales Unrecht, Grausamkeit, Brutalität und Unmenschlichkeit" bedeutet.

Die einstimmig verabschiedete Erklärung enthält zudem eine Entschuldigung für die sogenannten Jim-Crow-Gesetze: Damit sind jene Vorschriften gemeint, in denen die systematische Diskriminierung farbiger US-Bürger bis weit ins 20. Jahrhundert rechtsverbindlich festgeschrieben war. Die Sklaverei war mit dem Ende des amerikanischen Bürgerkrieges 1865 formell abgeschafft worden.

Als Rechtsgrundlage für Entschädigungen an Sklaverei-Opfer oder deren Nachfahren darf die Resolution allerdings nicht verwendet werden. Das schreibt ein Passus ausdrücklich fest.

Die Resolution spricht die Entschuldigung "im Namen des amerikanischen Volkes" aus und richtet sich an Afroamerikaner, "die selbst oder deren Vorfahren Unrecht durch die Sklaverei und die Jim-Crow-Gesetze erlitten haben".

"Eines der größten Verbrechen in der Geschichte"

In der Senatsdebatte sagte der Initiator des Entwurfs, der demokratische Senator Tom Harkin: "Eine Entschuldigung für Jahrhunderte brutaler Entmenschlichung kann die Vergangenheit nicht ungeschehen machen." Das Eingeständnis der Fehler und eine formelle Entschuldigung könnten aber helfen, "die Wunden einer Nation zu verbinden, deren Wurzeln in die Sklaverei reichen".

Die USA haben sich bislang nie formell für das Unrecht der Verschleppung und Versklavung von Afrikanern entschuldigt. Eine entsprechende Vorlage war vor einem Jahr im Repräsentantenhaus verabschiedet worden, dann aber vom Senat blockiert worden. Bei einem Afrika-Besuch 1998 hatte der damalige US-Präsident Bill Clinton sein Bedauern über die Sklaverei geäußert, sein Nachfolger George W. Bush hatte 2003 ebenfalls in Afrika von "einem der größten Verbrechen in der Geschichte" gesprochen.

hut/dpa/AFP

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