Neue Strategie US-Militärchefs warnen vor Scheitern in Afghanistan

Erst die Taliban, dann al-Qaida: So düster sieht die US-Militärführung die Zukunft Afghanistans, wenn die neue Strategie am Hindukusch versagt. Der angepeilte Abzug der Truppen ab 2011 wird laut Verteidigungsminister Gates nur im Erfolgsfall erfolgen.

US-Soldaten im Einsatz in Afghanistan: Abzug tatsächlich ab 2011?
AP

US-Soldaten im Einsatz in Afghanistan: Abzug tatsächlich ab 2011?


Washington - Der von US-Präsident Barack Obama angepeilte Truppenabzug aus Afghanistan von 2011 an steht nach den Worten von Verteidigungsminister Robert Gates nicht unverrückbar fest. Im Dezember kommenden Jahres werde die am Dienstag von Obama verkündete neue Strategie auf den Prüfstand gestellt, sagte Gates am Mittwoch vor einem Senatsausschuss. Dann erst werde entschieden, ob es beim geplanten Abzugsbeginn im Sommer 2011 bleibe. "Der Präsident hat als Oberbefehlshaber immer die Option, seine Entscheidung anzupassen."

Die US-Militärführung warnte derweil eindringlich vor einem Scheitern der neuen Strategie. Gewinne man im Krieg am Hindukusch nicht die Oberhand, drohe eine "Machtübernahme der Taliban", sagte Gates.

Generalstabschef Admiral Michael Mullen betonte während derselben Anhörung, sollten die Taliban wieder in Afghanistan das Sagen haben, werde das Terrornetzwerk al-Qaida schnell folgen. Die Taliban hätten bereits in vielen Provinzen Schattenregierungen etabliert. Wer eine Rückkehr al-Qaidas ausschließe, "ignoriert die jüngste Vergangenheit und die Beweise, die vor uns liegen". "Die Kosten eines Scheitern wären erheblich", betonte der Generalstabschef.

US-Außenministerin Hillary Clinton warnte ebenfalls vor einem weiteren Erstarken radikaler Kräfte am Hindukusch. Sie seien in der Lage, "eine gesamte Region ins Chaos zu stürzen", sagte sie während der Anhörung vor dem Streitkräfteausschuss des Senats. Die Ministerin verteidigte überdies die Entscheidung Obamas, auch ein Abzugsdatum anzupeilen. Dadurch werde der afghanischen Regierung die Dringlichkeit von Reformen deutlich gemacht, sagte sie.

Präsident Obama hatte die Entsendung von 30.000 zusätzlichen Soldaten nach Afghanistan bis Sommer nächsten Jahres verkündet, um die Taliban und al-Qaida zurückzuschlagen und afghanische Sicherheitskräfte schneller als bisher auszubilden. Die US-Verbündeten wollen sich mit mindestens 5000 Mann an der Truppenaufstockung beteiligen. Bereits in 18 Monaten soll die Strategie greifen und dann der Abzug der ersten Truppenkontingente eingeleitet werden - theoretisch jedenfalls.

Die Taliban zeigten sich unbeeindruckt. Die Extremisten schrieben in einer Erklärung: "Die Aufstockung der US-Soldaten wird keinerlei Auswirkung haben. Stattdessen wird sie den Mudschahidin eine noch bessere Gelegenheit geben, ihre Angriffe zu verstärken und die ohnehin schon angeschlagene US-Wirtschaft zusätzlich erschüttern."

Der Oberbefehlshaber der internationalen Truppen, US-General Stanley McChrystal, zeigte sich zufrieden. Obama habe ihn mit einer "klaren militärischen Mission sowie den notwendigen Ressourcen" ausgestattet, um die Aufgaben in Afghanistan erfüllen zu können, sagte McChrystal in Kabul.

ffr/dpa/Reuters

Forum - Afghanistan - bringt Obamas neuer Plan die Wende?
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Seite 1
Rübezahl 02.12.2009
1.
Zitat von sysop30.000 zusätzliche Soldaten, mehr Hilfe von den Verbündeten und ein schrittweiser Abzug ab 2011 - US-Präsident Obama hat seine Strategie für Afghanistan vorgelegt. Kann der Plan die Wende bringen?
Nein ! Zum einen wird der Abzug wie bei den Engländern um 1843 blutig verlaufen, zum anderen wird es nicht zurück nach Amerika gehen sondern weiter nach Pakistan.
Bettelmönch, 02.12.2009
2. Kann der Plan die Wende bringen?
Zitat von sysop30.000 zusätzliche Soldaten, mehr Hilfe von den Verbündeten und ein schrittweiser Abzug ab 2011 - US-Präsident Obama hat seine Strategie für Afghanistan vorgelegt. Kann der Plan die Wende bringen?
Der Plan erhält zwar viel Kritik, aber ich denke schon. Wenn die zusätzlichen Truppen da jetzt hingehen, wissen sie, dass sie eineinhalb Jahre Zeit haben, um die Sache zu erledigen. Das wirkt anspornend und motivierend. Daneben wirkt die Truppenaufstockung motivierend. Also eine doppelte Motivierung. Ich tue blöde Dinge besser, wenn ich weiß, wann ich damit fertig bin.
Meckermann 02.12.2009
3.
In Afganistan geht es im Grunde nur noch darum zu retten, was zu retten ist. Hätte man diesen Krieg von Anfang an mit einem klaren Konzept und den notwendigen Mitteln (zum Beispiel denen, die dann für den Irak drauf gingen) geführt, dann sähe es dort heute vielleicht ganz anders aus. So war es aber nunmal nicht und nun muss man aus dem vorhandenen das beste machen. Ich denke Obama geht hier den richtigen Weg: noch einmal eine richtige Kraftanstrengung aber mit Deadline bis zu der Ergebnisse vorliegen müssen.
Stefanie Bach, 02.12.2009
4.
Zitat von BettelmönchDer Plan erhält zwar viel Kritik, aber ich denke schon. Wenn die zusätzlichen Truppen da jetzt hingehen, wissen sie, dass sie eineinhalb Jahre Zeit haben, um die Sache zu erledigen. Das wirkt anspornend und motivierend. Daneben wirkt die Truppenaufstockung motivierend. Also eine doppelte Motivierung. Ich tue blöde Dinge besser, wenn ich weiß, wann ich damit fertig bin.
Kann man ohne Sprache denken? (http://www.plantor.de/2009/kann-man-ohne-sprache-denken/) Wohl nicht, deshalb ist es gut, dass Obama sehr klar gesagt hat, dass dieser Krieg im vitalen amerikanischen Interesse ist - letzlich dient er der Stabilisierung der Atommacht Pakistan. Auch Deutschland sollte sich zügig von unrealistischen Begründungen seiner Kriegsbeteiligung verabschieden. Entweder wir stehen dazu, dass wir dort Krieg führen, weil wir den Amerikanern zur Bündnistreue verpflichtet sind, oder wir lassen es ganz.
leser75 02.12.2009
5.
Afghanistan ist mit militärischen Mitteln nicht zu befrieden - deshalb wird auch diese Ankündigung eines amerikanischen Präsidenten wie eine Seifenblase zerplatzen - es ist das dritte Engagement mit vielen Gefallenen in den eigenen Reihen, das scheitert nach Vietnam und dem Irak. Europa muß lernen, sich eine eigene Meinung und Strategie im Vorfeld solcher "Abenteuern" zu bilden, wir sind kein Anhängsel.
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