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Protest gegen Sparpaket: Griechen starten neue Streikwelle

Klinikärzte behandeln nur Notfälle, es fahren keine Taxis, Straßenbahnen und U-Bahnen: Aus Protest gegen das neue Sparpaket haben massive Streiks in Griechenland begonnen. Sie sollen in den nächsten Tagen noch ausgeweitet werden.

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AFP

Protest gegen Sparpaket (vergangene Woche): Massive Streiks in Griechenland

Athen - Griechenland steht vor einer neuen Zerreißprobe. Am Montag starteten im ganzen Land umfangreiche Arbeitskämpfe aus Protest gegen das neue Sparpaket in Höhe von 13,5 Milliarden. Weder Radio noch Fernsehen sendeten Nachrichten, weil Journalisten ihre Arbeit niedergelegt hatten.

Tausende Menschen kamen in Athen zu spät zur Arbeit, weil in der Hauptstadt weder U-Bahnen noch Straßenbahnen und Stadtbahn fuhren. Auch die Taxifahrer streiken für 24 Stunden. Die Krankenhausärzte behandeln nur Notfälle. Die Mitarbeiter der Müllabfuhr legten ebenfalls ihre Arbeit nieder.

Am Dienstag sollen die Streiks noch intensiviert werden und dann voraussichtlich das gesamte öffentliche Leben in Griechenland lahmlegen. Dann wollen auch die Bankangestellten, die Seeleute, die Bahngewerkschaft und die Busfahrer sowie die Staatsbediensteten und die Lehrer die Arbeit niederlegen. Wegen eines Fluglotsenstreiks zwischen 9 und 12 Uhr (MEZ) wird es am Dienstag auch zu erheblichen Verspätungen und Annullierungen im Flugverkehr kommen. Schon am Freitag hatte ein 24-stündiger Ausstand der Metroangestellten in Athen für ein Verkehrschaos gesorgt

Die Proteste sollen am Mittwochabend mit einer Demonstration vor dem Parlamentsgebäude in Athen ihren Höhepunkt erreichen. Denn am späten Mittwochabend soll das neue Sparprogramm der Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras vom Parlament gebilligt werden.

Vor der Abstimmung versuchten Samaras und sein Finanzminister Yannis Stournaras am Sonntag, die Koalitionsparteien auf Linie zu bringen. Denn die Zustimmung zu den Maßnahmen ist Voraussetzung dafür, dass Griechenland von der Geldgeber-Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) weitere Finanzhilfen erhält.

Samaras kann sich jedoch nicht auf sämtliche Regierungsparteien verlassen. Die Demokratische Linke, der kleinste Koalitionspartner, will beim Widerstand gegen die geplanten Arbeitsmarktreformen bleiben: Die Partei billige das Ergebnis der Verhandlungen nicht, erklärte die Demokratische Linke im Staatsfernsehnen und via Twitter. "Die Demokratische Linke bleibt bei ihrer Position."

Oppositionsführer Alexis Tsipras von der Koalition der radikalen Linken (Syriza) forderte vor seiner Fraktion bereits Neuwahlen. Finanzminister Stournaras hatte schon am Samstag vor dem Haushaltsausschuss vor einem Scheitern der Abstimmung über das Sparpaket sowie des damit verbundenen Etats für 2013 gewarnt. Es würde den Staatsbankrott und den Austritt aus dem Euro bedeuten.

als/dpa

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insgesamt 109 Beiträge
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1. Sehr gut!
Highfreq 05.11.2012
Erst kippt hoffentlich Griechenland, dann Spanien und Portugal und dann die ganze Europäische Union. ela!
2. Gut organisiert
romeov 05.11.2012
Wenn es um's streiken geht scheinen die Griechen top organisiert zu sein. Vielleicht könnte man diesen Enthusiasmus auch mal auf die tägliche Arbeit der Steuerbeamten übertragen.
3. Großer Unmut
Sharoun 05.11.2012
Zitat von sysopAFPKlinikärzte behandeln nur Notfälle, es fahren keine Taxis, Straßenbahnen und U-Bahnen: Aus Protest gegen das neue Sparpaket haben massive Streiks in Griechenland begonnen, die in den nächsten Tagen noch ausgeweitet werden. Tausende kamen deshalb zu spät zur Arbeit. http://www.spiegel.de/politik/ausland/neue-streikwelle-in-griechenland-aus-protest-gegen-sparpaket-a-865282.html
In den Staaten des sog. Ostblocks waren die Regierungen nach solchen andauernden Unmutsbekundungen wie jetzt in Spanien, Portugal oder eben Griechenland schon längst zurückgetreten. (Die 'freie Presse' des Westens hatte dann lang und breit darüber geschrieben, daß das Volk sie davongejagt hätte...) In den demokratisch gesteuerten Ländern des Westens sitzt man solche Massenstreiks und -demonstrationen wohl einfach nur aus! Mal sehen, was das noch wird.
4. Gesundschrumpfen wird nicht funktionieren
ongduc 05.11.2012
wie man sieht: keine regierung steht das durch. Und damit ist Griechenland nur durch einen Austritt aus dem Euro zu retten.
5. Beneidenswerte Streikbereitschaft !
sagmalwasdazu 05.11.2012
Immerhin versuchen die Griechishen Bürger dem wahnsinnigen Spardiktat der Regierung mit allen legitimen Mitteln aufzuweichen. Wir Deutschen schlucken leider immer noch jede Kröte und bittere Medizin, wie zB. die Rentenabsenkung auf 43 %. Die Großen werden hüben wie drüben immer noch völlig verschont. Bei Sparkursen fällt keiner Regierung etwas anderes ein, als Löhne und Renten zu kürzen, sowie die Steuern der Normalverdiener zu erhöhen. Damit provoziert man zum einen eine Rezession, sowie innere Unruhen. Der Souverän wird mehr und mehr unterdrückt und versklavt. Noch schlimmer ist, das er für solche Desaster verantwortlich gemacht wird, obwohl er keinerlei Einflußnahme darauf hatte, und haben wird. Die Proteste sind somit als erste Bürgerpflicht anzusehen. Wie sollten uns ein Beispiel daran nehmen!!
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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