Neue Studie Deutsche sind wieder Amerika-Fans

Die Wahl von Barack Obama zum US-Präsidenten hat das transatlantische Verhältnis schlagartig verbessert. Einer neuen Studie zufolge sind die Deutschen besonders euphorisch - obgleich sie den Afghanistan-Kurs kritisch bewerten. In der islamischen Welt hat die Amerika-Skepsis dagegen kaum abgenommen.

Von Washington


Washington - Die Wahl von Barack Obama zum US-Präsidenten hat das Ansehen Amerikas in Europa schlagartig verbessert. Dies geht aus einer Umfrage des Pew Research Center in Washington hervor, für die zwischen Mai und Juni dieses Jahres rund 26.000 Menschen in 24 Ländern befragt wurden.

Sympathieträger Obama: Zwei Drittel der Deutschen haben eine positive Einstellung zu Amerika
AP

Sympathieträger Obama: Zwei Drittel der Deutschen haben eine positive Einstellung zu Amerika

Besonders dramatisch ist die Trendwende in Deutschland, wo knapp ein halbes Jahr nach Obamas Amtsantritt 64 Prozent der Befragten eine positive Einstellung zu den Vereinigten Staaten haben. Im Vorjahr waren es nur 31 Prozent. Der neue Wert nähert sich damit wieder den Zahlen vor der Amtszeit von George W. Bush an. Vertrauen in Präsident Obama selbst hat gar so gut wie jeder befragte Deutsche (93 Prozent). Beliebter ist der Präsident weltweit nur in Kenia, aus dem sein Vater stammte. Er übertrifft damit auch Kanzlerin Angela Merkel deutlich, der in der Studie 75 Prozent der deutschen Befragten Vertrauenswürdigkeit attestierten.

Ebenfalls 93 Prozent der Deutschen glauben zudem, dass Obama in internationalen Angelegenheiten die "richtigen Entscheidungen" treffen werde - ein Plus von fast 80 Prozentpunkten im Vergleich zu den Bush-Jahren.

"Obamas hohe Beliebtheitswerte spiegeln persönliches Vertrauen in ihn wider sowie das Gefühl, dass er sehr viel anders sein wird als Bush", sagt Andrew Kohut vom Pew Research Center bei der Vorstelllung der Studie in Washington. "Die Befragten glauben, dass er multilateraler agieren wird, internationale Genehmigung vor dem Einsatz von Gewalt einholt, Guantanamo schließt und US-Truppen aus dem Irak abzieht."

Auch andere europäische Staaten wie Frankreich, Großbritannien oder Spanien sind sehr viel Amerika-freundlicher geworden. Beigetragen hat dazu etwa breite europäische Zustimmung zu Obamas Entscheidung, das umstrittene Gefangenenlager Guantananmo zu schließen und die US-Truppen aus dem Irak abzuziehen. 84 Prozent der Deutschen begrüßen die Schließung Guantanamos.

Möglicher Streitpunkt Afghanistan

Jedoch bedeutet die neue Popularität Amerikas kaum mehr europäische Unterstützung für die Militärmission in Afghanistan, wohin die USA gerade 22.000 weitere Soldaten schickten. Noch immer lehnen 63 Prozent der Deutschen die Entsendung von Truppen nach Afghanistan ab. Dieser Punkt könnte zu Kontroversen im transatlantischen Verhältnis führen, denn spätestens nach der Bundestagswahl dürfte Washington mehr deutsches Engagement dort fordern. Bislang dienen Bundeswehrsoldaten im relativ sicheren Norden des Landes und sind an Kampfeinsätzen im gefährlichen Süden Afghanistans nicht beteiligt.

So groß die Begeisterung für Obama in Europa ist, so geringe Fortschritte macht der neue Präsident in den Ländern, die für die USA die größten außenpolitischen Herausforderungen darstellen. In der muslimischen Welt ist die Popularität der USA seit Obamas Amtsantritt nur geringfügig gestiegen, etwa in Ägypten oder Indonesien, wo der Präsident Kindheitsjahre verbrachte. In der Türkei hingegen oder in Pakistan geben nach wie vor deutlich unter 20 Prozent der Befragten eine positive Einstellung zu Amerika an.

Auch Obamas vielbeachtete Rede an die muslimische Welt im Juni in Kairo hatte laut der PEW-Studie keinen durchgreifenden Erfolg. So stieg die positive Einstellung von Bewohnern der palästinensischen Gebiete zu den USA nach Obamas Ansprache nur um fünf Prozent (von 14 auf 19 Prozent). Eine breite Mehrheit ist nach wie vor davon überzeugt, dass auch der neue Präsident ihre Interessen nicht vertreten wird.

Die Unterstützung für Selbstmordattentate und Osama Bin Laden unter muslimischen Befragten ist seit Obamas Amtsantritt nicht deutlich gefallen. Zudem wird der ökonomische Einfluss der USA in den meisten befragten Ländern nach wie vor negativ gesehen. Es überwiegt ebenfalls weiterhin Skepsis, dass selbst Obamas Regierung nicht wirklich multilateral agieren wird.

Obgleich Bundeskanzlerin Angela Merkel in der PEW-Studie von Obama in den Schatten gestellt wird, bringt die Umfrage für sie ebenfalls positive Nachrichten. Sie wird in den großen europäischen Ländern Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien als deutlich vertrauenswürdiger als der französische Präsident Nicolas Sarkozy eingestuft. Auch unter amerikanischen Befragten erhält sie überwiegend positive Noten. Jedoch genießt auch Merkel wenig Vertrauen im Nahen Osten und in der Türkei - und fast zehn Prozent weniger Russen halten sie für vertrauenswürdig als noch im vorigen Jahr.

Forum - Hat sich das deutsch-amerikanische Verhältnis durch Obama verbes
insgesamt 549 Beiträge
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aloiswester 23.07.2009
1. Klaro
Klaro, nach Bush kanns wie auch immer nur aufwärts gehen. Aber den Obama werden's schon noch "einkriegen".
Gandhi, 23.07.2009
2. Allein schon durch die Wahl
Mit Bush war ein dorftrottel Praesident, der nicht kapierte, warum, was er fuer die USA fuer gut hielt, nicht auch generell gut sein sollte. Obams Hintergrund ist da voellig anders. Er hat vor kurzem in Ghana eine Rede gehalten, die Bush nie haette halten koennen, weil es an zu vielem mangelt. Allerdings gibt sich einem Irrtum hin, wer glaubt, Obama werde nicht die Interessen der USA vertreten. Allerdings wird er bei der globalen Politik auch die Interessen anderer Laender beruecksichtigen.
chagall1985 23.07.2009
3. Wie kann man das nicht so sehen?
Ist das eine rethorische Frage? Selbst ein Schimpanse als Präsident der vereinigten Staaten hätte die Wertschätzung der Amerikaner positiv beeinflusst. Denn ein Schimpanse mag genauso dämlich sein wie George Bush. Er ist aber kein gefährlicher Irrer der religiös verblendet und in Deutschland aus dem rechten Milieu stammen würde. Dieser rechts religiöse Überzeugungstäter hat die USA vor die Wand gefahren. Obama hat jetzt die Trümmer zu verwalten und seinen Idealismus vor den realen Zwängen des amerikanischen Systems zu bewahren. Immer gelingt im das allerdings nicht. Krieg ist profitabel und wird natürlich auch unter Obama nicht eingestellt. Die USA leben seit Jahrzehnten auf Pump. Früher waren es die Bürger und der Staat heute übernimmt der Staat das meiste. 1.900.000.000.000 $ Nettokredit Jahresneuaufnahme für die nächsten 3 Jahre. Ein genialer Plan Mister OBAMA. Mal sehen wo die nächste Blase wächst.
Sisko82, 23.07.2009
4. hm
man sollte Land und Leute nicht allein anhand der Politik beurteilen. Diese Deutschen möchte ich gerne mal kennenlernen die jetzt auf einmal der USA wieder wohlgesonnen sind. Das ist schizophren.
smoki 23.07.2009
5. Überraschung?
Aussenpolitisch ist Obama auf jeden Fall vorteilhaft gegenüber Bush. Die Erwartungen an ihm werden allerdings auch noch enttäuscht werden, denn er ist weiterhin "Amerikaner"! Sicherlich ist er gut, um die von Georg W. Bush geschlagenen Wunden zu heilen. Ob er aber auch neues bringen kann, dass muss er zeigen.
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