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Neue Taktik: FBI warnt vor Terroristen mit Bomben-Implantaten

Flugreisende müssen in den USA künftig mit schärferen Kontrollen rechnen. Die Behörden warnen vor einer neuen perfiden Strategie: Demnach planen Terroristen, sich durch Sprengstoff-Implantate in "menschliche Bomben" zu verwandeln. Herkömmliche Sicherheitschecks wären dagegen machtlos.

Sicherheitscheck am Flughafen Pittsburgh (Archivbild): Warnung vor Bomben-Implantaten Zur Großansicht
AFP

Sicherheitscheck am Flughafen Pittsburgh (Archivbild): Warnung vor Bomben-Implantaten

Washington - Ist es denkbar, dass sich Selbstmordattentäter Sprengstoff implantieren und so selbst ausgeklügelte Sicherheitsvorkehrungen überwinden können? Laut einem Memo der US-Bundespolizei und des Heimatschutzministeriums gehen amerikanische Terrorfahnder jedenfalls davon aus.

In dem Bericht, aus dem Nachrichtenagenturen und US-Medien zitieren, werden Sicherheitsbehörden in den USA vor der neuen Taktik gewarnt, die demnach von der Terrororganisation al-Qaida im Jemen stammt. Die Idee sei zwar nicht neu, werde nun aber offenbar verstärkt in Erwägung gezogen, nachdem etliche internationale Flughäfen sich sogenannte Nacktscanner angeschafft haben. Implantierte Bomben würden durch diese Methode aber nicht angezeigt. Die Warnung vor der möglichen Gefahr durch derartige Bomben ging auch an Partnerländer und Fluggesellschaften.

Es gebe allerdings derzeit keine Hinweise auf konkrete Pläne, berichtete die "Los Angeles Times" am Mittwoch unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Das "Wall Street Journal" zitiert einen Beamten aber mit den Worten, Terroristen würden versuchen, derartige Überlegungen "in die Tat umzusetzen".

Als Beleg, dass solche Implantate möglich sind, ziehen die Verfasser des Memos einen Fall von 2005 heran. Damals waren mehrere Kolumbianer angeklagt, Drogen in die Körper von Kurieren eingepflanzt zu haben. Als Hinweise auf implantierte Fremdkörper nennen die Terrorfahnder einen aufgebläht wirkenden Magen oder ähnlich auffällige Ausbuchtungen sowie deutlich sichtbare Abwehrreaktionen beim Abtasten.

Kommen mögliche Attentäter aus dem Ausland?

Experten gehen davon aus, dass die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen nun verschärft werden müssen. Die Informationen deuteten laut dem Memo darauf hin, dass implantierte Sprengsätze eher von ausländischen Terroristen verwendet würden und nicht von Extremisten innerhalb der USA. Daher hielten die Behörden entsprechende Vorkehrungen in den Vereinigten Staaten wie auch auf ausländischen Flughäfen für notwendig, heißt es in den Berichten.

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gilt die Luftfahrt als besonders anfällig für Attacken. Damals hatten Terroristen vier US-Linienmaschinen entführt. Zwei der Flugzeuge steuerten die Entführer in die Türme des World Trade Centers in New York, eine dritte Maschine in das Pentagon in Washington. Ein viertes Flugzeug zerschellte auf einem Feld in Pennsylvania. Insgesamt starben bei den Anschlägen fast 3000 Menschen. Seither gab es mehrere versuchte Anschläge auf US-Flugzeuge.

Unter anderem plante ein Nigerianer am ersten Weihnachtstag 2009 auf einem Flug von Amsterdam nach Detroit, einen in seiner Unterhose eingenähten Plastiksprengstoff zu zünden. Er verletzte sich dabei selbst und wurde von Passagieren überwältigt. Vor dem Anschlagsversuch hatte er sich monatelang im Jemen aufgehalten und war dort von dem radikalen islamischen Geistlichen Anwar al-Awlaki betreut worden.

Die instabile Lage im Jemen beunruhigt die US-Behörden schon seit Monaten. Es besteht die Befürchtung, dass al-Qaida das Sicherheitsvakuum nutzen und noch freier operieren könnte als zuvor.

ffr/AP/dpa/AFP

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Nacktscanner
Was ist der Vorteil eines Nacktscanners?
Körperscanner sind Geräte, mit denen die Oberfläche des menschlichen Körpers unter der Kleidung abgebildet werden kann. So sollen versteckte Gegenstände sichtbar gemacht werden - etwa Sprengstoff oder sogenannte Nichtmetallwaffen wie Keramikmesser, die bei herkömmlichen Scannern unerkannt bleiben.
Wie funktioniert das Gerät?
REUTERS/ TSA
Für die Nacktscanner gibt es zwei technische Methoden: Röntgenstrahlen und die Terahertzstrahlen. Bei der Röntgenmethode ist die mittlere Gesamtstrahlenbelastung geringer als beim konventionellen Röntgen. Die dabei anfallende Strahlung entspricht nach Angaben der US-Flugsicherheitsbehörde TSA in etwa der Dosis, der ein Passagier innerhalb von zwei Minuten in einem Flugzeug auf Reiseflughöhe ausgesetzt ist.

Die Terahertzmethode setzt elektromagnetische Strahlung im Grenzbereich zwischen Infrarotlicht und Mikrowellenstrahlung ein. Die sogenannten T-Wellen sind Teil der natürlichen Wärmestrahlung. Bis vor wenigen Jahren waren diese technisch noch gar nicht zugänglich. Die Terahertzmethode wird untergliedert in eine aktive und eine passive Form. Bei der aktiven Methode scannt ein fokussierter Strahl den Körper ab und konstruiert aus der Rückstreuung ein Bild. Bei der passiven Methode wird nur die natürliche Wärmestrahlung des menschlichen Körpers erfasst, wodurch ein Bild ohne anatomische Details erzeugt wird. Im Vergleich zur Röntgenmethode ist die auf den menschlichen Körper wirkende Energie bei der aktiven Terahertzmethode wesentlich geringer, im Passivmodus wirkt sogar überhaupt keine Strahlenquelle auf den Körper.
Warum ist der Scanner umstritten?
Datenschützer halten den flächendeckenden Einsatz von Scannern für unverhältnismäßig. Besonders kritisiert wird an den Geräten, dass die erzeugten Nacktbilder die Privatsphäre oder sogar die Menschenwürde verletzen. Außerdem können die Scanner keine Substanzen oder Gegenstände erkennen, die in Körperöffnungen wie Mundhöhle, Gehörgang oder Rektum eingeführt wurden.
Wird der Körperscanner in Europa eingesetzt?
Sogenannte Nacktscanner werden in der EU bislang nur zu Testzwecken eingesetzt. Die EU-Kommission erklärte zwar im Herbst 2008, den Einsatz dieser Geräte an Flughäfen zulassen zu wollen, doch das Europaparlament stoppte das Vorhaben. In Deutschland begannen im Dezember 2008 Laborversuche bei der Bundespolizei, ab September 2010 sollen erste freiwillige Tests am Hamburger Flughafen stattfinden.

DPA
Eine neue Generation von Scannern wird derzeit in Amsterdam, London und Zürich getestet - ebenso wie in Moskau und US-amerikanischen Städten. Laut Experten sind diese Geräte vollkommen automatisiert. Die Scanbilder von unbekleideten Körpern bekommt - angeblich zumindest - kein anderer Mensch mehr zu sehen, sondern nur noch der Computer. Sobald dem Rechner an einem Körper etwas gefährlich erscheint, sendet er eine Warnmeldung.

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