Neue Unruhen Nato-Truppen marschieren im Kosovo auf

Der alte Hass kocht wieder hoch. Bei Unruhen zwischen Serben und Albanern sind im Kosovo mindestens 22 Menschen getötet und rund 500 verletzt worden. Die Nato bezog Stellungen, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bekommen.


Kosovo: Kfor-Soldaten im Einsatz
AP

Kosovo: Kfor-Soldaten im Einsatz

Belgrad - Eine Sprecherin der Uno-Polizeitruppen berichtete von den schwersten Ausschreitungen in der serbischen Provinz seit dem Ende des Krieges 1999. Unter den 500 Verletzten waren auch 40 Uno-Polizisten, 21 einheimische Sicherheitskräfte und 17 Soldaten der Nato-Friedenstruppen. Bei den Ausschreitungen seien mindestens 22 Menschen getötet worden.

Um die Gewalt einzudämmern, schickt die Nato 400 zusätzliche Soldaten in den Kosovo, um für Ruhe zu sorgen. Von Bosnien-Herzegowina aus machten sich drei Kompanien der dortigen Sfor-Truppen auf den Weg. Sie sollen die Soldaten der dortigen Friedenstruppe Kfor verstärken.

Die Ausschreitungen hatten am Donnerstag in der ethnisch geteilten Stadt Kosovska Mitrovica begonnen und später auf weitere Städte im Kosovo sowie in Serbien selbst übergegriffen.

Die fast ausschließlich von Albanern bewohnte Provinz Kosovo wird seit 1999 von den Vereinten Nationen verwaltet. Die Albaner verlangen die Unabhängigkeit von Serbien. Belgrad besteht unter Hinweis auf historische Gründe darauf, dass die Provinz ein Teil Serbiens bleibt.

Moschee in Brand gesetzt

In Belgrad durchbrachen unterdessen hunderte Jugendliche die Polizeiketten und setzten das 500 Jahre alte einzige islamische Gotteshaus in der Hauptstadt Belgrad in Brand. Das teilte Innenminister Dragan Jocic mit. Dabei wurden drei Reporter verletzt, meldete der Sender BKTV. Die Polizei habe tatenlos zusehen müssen, weil die Regierung zu wenig Sicherheitskräfte eingesetzt habe, berichteten Medien.

Belgrad: Jubel über die brennende Moschee
AP

Belgrad: Jubel über die brennende Moschee

Selbst der orthodoxe Bischof Amfilohije Radovic konnte die aufgebrachte Menge vor der Belgrader Moschee nicht stoppen. "Dies ist eine Schande", sagte der Belgrader Mufti Hamdija Jusufspahic im Sender BK TV. Mehrere Dutzend Polizisten seien verletzt worden.

Auch in anderen Städten versammelten sich tausende Serben, um gegen die Übergriffe "albanischer Extremisten" im Kosovo zu demonstrieren, bei denen am Mittwoch serbische Kirchen, Klöster und zahlreiche Häuser zerstört wurden, hieß es. Starke Polizeikräfte schützten vor allem die US-Botschaft in Belgrad. Auch in der Industriestadt Nis wurde die Moschee zerstört.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Winfried Nachtwei, warnte vor einer Reduzierung der internationalen Sicherheitskräfte im Kosovo. Die Stabilisierung des Kosovos und des Balkans sei "vor allem für Europa eine Generationenaufgabe", sagte Nachtwei am Donnerstag in Berlin. Er war erst am Vorabend von einem Kosovo-Besuch zurückgekehrt.



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