Neue US-Doktrin Ahmadinedschad verspottet Obama als "Amateur"

Teheran reagiert mit persönlichen Angriffen auf die neue US-Nuklearstrategie: Präsident Obama handele wie ein "Cowboy" und müsse mit einer "donnernden Antwort" rechnen. Washington will den Einsatz von Atomwaffen einschränken - behält sich aber gegen Iran den atomaren Erstschlag vor.

Iran Präsident Mahmud Ahmadinedschad: "Amerikanische Politiker sind wie Cowboys"
AP

Iran Präsident Mahmud Ahmadinedschad: "Amerikanische Politiker sind wie Cowboys"


Teheran/Berlin - US-Präsident Barack Obama will mit seiner neuen Atomdoktrin den Weg zu einer kernwaffenfreien Welt ebnen. Die Bundesregierung rühmt das als einen "historischen" Schritt, Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßt die neue Strategie.

Nach der neuen Doktrin will der US-Präsident Kernwaffen nicht mehr gegen Länder ohne solche Waffen einsetzen. Das ist jedoch an die Bedingung geknüpft, dass die betreffenden Länder den Atomwaffensperrvertrag einhalten, so dass Iran und Nordkorea potentielle Ziele bleiben.

Teheran provozierte prompt mit persönlichen Angriffen auf den US-Präsidenten. Der iranische Staatschef Mahmud Ahmadinedschad sagte am Mittwoch im Fernsehen, Obama sei ein unerfahrener "Amateur". "Amerikanische Politiker sind wie Cowboys. Wenn ihnen die Argumente ausgehen, greifen sie zur Waffe", kommentierte er die Entscheidung Washingtons. Die neue Doktrin der USA laufe darauf hinaus, Länder zu bedrohen, die nicht nach ihrer Pfeife tanzten. Iran werde sich amerikanischem Druck nicht beugen. Sollte Obama den Weg seines Vorgängers George W. Bush fortsetzen, werde er eine "donnernde" Antwort bekommen.

Obama bemüht sich derzeit im Atomkonflikt mit Iran um neue Sanktionen gegen die Islamische Republik. Die Weltgemeinschaft verdächtigt das Land, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung Kernwaffen zu entwickeln. Die Führung in Teheran bestreitet das.

Unterstützung von der Bundesregierung für Obama

Breite Zustimmung für Obamas Nuklearstrategie kommt aus Deutschland. Die Bundesregierung unterstützt Obama ausdrücklich. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) lobte den "großen Schritt in Richtung Abrüstung". "Wenn eine führende Nuklearmacht auf die Entwicklung neuer nuklearer Sprengköpfe verzichtet und auch die Nutzung der eigenen Atomwaffen schon konzeptionell einschränkt, dann ist das etwas, was man historisch nennen darf", sagte Westerwelle am Mittwoch in Berlin.

Der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans nannte das US-Konzept eine "Neu-Festlegung mit Augenmaß und Festigkeit zugleich". Es biete verantwortbare Zwischenschritte hin zu der von Obama ins Auge gefassten atomwaffenfreien Welt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die von Washington vorab vertraulich unterrichtet wurde, wolle diese Fragen bei ihrem USA-Besuch in der kommenden Woche ausführlich mit Obama erörtern. In Washington findet am 12. und 13. April ein Gipfel zur Nuklearsicherheit statt.

Die Opposition begrüßte den neuen Kurs der US-Regierung ebenfalls, äußerte aber auch kritische Töne. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sprach vom Ende der "abrüstungspolitischen Eiszeit". Sie mahnte jedoch gleichzeitig weitere Schritte an wie eine internationale Konvention zum Verbot aller Nuklearwaffen. Auch Linken-Fraktionsvize Jan van Aken betonte: "Zwei Schritte vor und einer zurück ist besser als nichts, aber für einen Friedensnobelpreis reicht das nicht wirklich."

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, hätte sich persönlich weitergehende Schritte gewünscht, verwies aber auf die Rahmenbedingungen in den USA. Obama sei innenpolitisch auf die Zustimmung der Republikaner angewiesen und habe jetzt etwas erreicht, was selbst in seiner Regierung sehr umstritten gewesen sei, sagte er im Deutschlandradio Kultur.

Auch das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg sprach sich für weitergehende Maßnahmen aus. Der stellvertretende Direktor Wolfgang Zellner betonte bei MDR Info, weltweit gehörten mehr als 90 Prozent der Atomwaffen den USA und Russland. "Das heißt, diese beiden Staaten haben auch noch eine ganz gehörige Bringschuld." Mit dem neuen Start-Abkommen wollen Obama und der russische Präsident Dmitrij Medwedew am Donnerstag in Prag den umfassendsten Abrüstungsvertrag seit zwei Jahrzehnten unterzeichnen.

kgp/dpa/Reuters/AP



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Seite 1
stanis laus 07.04.2010
1. Kriegsdrohung
Seltsame Sache. Da droht ein US-Präsident einem anderen Land, seine Atomwaffen gegen dieses Land einzusetzen und verletzt damit gröblichst die UN-Charta, also Internationale Verträge. Auch Nordkorea wird dezidiert bedroht. Der Friedensnobelpreis ist zum Kriegsnobelpreis verkommen.
Baracke Osama, 07.04.2010
2. .
Zitat von sysopTeheran reagiert mit persönlichen Angriffen auf die neue US-Nuklearstrategie: Präsident Obama handele wie ein "Cowboy" und müsse mit einer "donnernden Antwort" rechnen. Washington will den Einsatz von Atomwaffen einschränken - behält sich aber gegen Iran den atomaren Erstschlag vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,687736,00.html
Da muss man ihm leider recht geben...
juxeii 07.04.2010
3. ...
Zitat von sysopTeheran reagiert mit persönlichen Angriffen auf die neue US-Nuklearstrategie: Präsident Obama handele wie ein "Cowboy" und müsse mit einer "donnernden Antwort" rechnen. Washington will den Einsatz von Atomwaffen einschränken - behält sich aber gegen Iran den atomaren Erstschlag vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,687736,00.html
sollen das nun andere länder als positiv empfinden, wenn sie die USA angreifen, dass sich diese nicht nuklear wehren? und überhaupt: was soll so eine aussage eigentlich bewirken? dass alle länder, außer iran und nordkorea, nun das "recht" haben die USA anzugreifen? was ein unsin... auch ich verstehe nicht wie dieser mann den friedensnobelpreis bekommen konnte. der wird anscheinend heute auch präventiv verliehen, genauso wie präventiv massenvernichtungswaffen im irak gefunden wurden um damit einen präventivkrieg führen zu können.
nanokain 07.04.2010
4. .
Zitat von stanis lausSeltsame Sache. Da droht ein US-Präsident einem anderen Land, seine Atomwaffen gegen dieses Land einzusetzen und verletzt damit gröblichst die UN-Charta, also Internationale Verträge. Auch Nordkorea wird dezidiert bedroht. Der Friedensnobelpreis ist zum Kriegsnobelpreis verkommen.
Zu tief ins Glas geschaut? Obama hat nie einem der beiden Ländern direkt mit einem Erstschlag gedroht - nicht mehr als jeder andere Präsident zuvor dem Warschauer Pakt gedroht hat.
nanokain 07.04.2010
5. .
Zitat von juxeiisollen das nun andere länder als positiv empfinden, wenn sie die USA angreifen, dass sich diese nicht nuklear wehren? und überhaupt: was soll so eine aussage eigentlich bewirken? dass alle länder, außer iran und nordkorea, nun das "recht" haben die USA anzugreifen? was ein unsin... auch ich verstehe nicht wie dieser mann den friedensnobelpreis bekommen konnte. der wird anscheinend heute auch präventiv verliehen, genauso wie präventiv massenvernichtungswaffen im irak gefunden wurden um damit einen präventivkrieg führen zu können.
Das einzige was du wirklich nicht verstehst, ist die politische notwendigkeit einer solchen oder ähnlichen doktrin. Das du allerdings nicht mal zu wissen scheinst was sich dir nicht erschliesst, ist aber die tatsächliche tragik...
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