Neue US-Spezialeinheit Task Force 121 jagt Saddam und Bin Laden

Die US-Streitkräfte sind für den Krieg ausgebildet - nicht für die Jagd nach Menschen. Deshalb hat das US-Verteidigungsministerium der "New York Times" zufolge eine geheim operierende Zielfahnder-Truppe ausgehoben. Ihre Beute sollen Osama Bin Laden und Saddam Hussein sein.


US-Spezialeinheit in Afghanistan: Die Jagd auf Bin Laden wird intensiviert
EPA/DPA

US-Spezialeinheit in Afghanistan: Die Jagd auf Bin Laden wird intensiviert

Washington/Hamburg - Die Elitesoldaten, die unter dem Code Task Force 121 firmieren, werden von einem Brigadegeneral der Luftstreitkräfte angeführt, so viel ist bekannt. Aber über die weitere Organisationsstruktur der Einheit hüllt sich das Pentagon in Schweigen. Auch ist nicht klar, ob US-Präsident George W. Bush und die irakische Übergangsregierung in alle Einzelheiten über die Truppe von Kopfjägern eingeweiht sind.

Laut der "NYT" hatte der US-Oberbefehlshaber für die Region um den Persischen Golf, General John Abizaid, zuvor beschlossen, zwei unabhängig voneinander operierende Spezialeinheiten, die Task Force 5 in Afghanistan und die Task Force 20 im Irak, aufzulösen. In den vergangenen Monaten wurde dafür die Task Force 121 errichtet, nun ist sie im Einsatz. Amerikanische Militärs melden bereits erste Erfolge: Die Spezialeinheit sei sehr nah dran an Saddam Hussein.

Die Elitekämpfer, rekrutiert aus den Landstreitkräften, der Marine und der Luftwaffe, seien mit modernstem Material und Waffen ausgerüstet und dürften auch in Regionen agieren, in denen die Amerikaner offiziell nicht aktiv sind, berichtet die Zeitung. Zudem sollen sie schneller und flexibler auf aktuelle Informationen sämtlicher US-Geheimdienste reagieren können als bisher, schreibt die "NYT". Im Notfall würden die Kommandos auf konventionelle Truppen zurückgreifen, falls diese benötigt werden, um etwa Unruhen einzudämmen.

Saddams Tod oder Gefangenschaft hat hohe Priorität

Trotz hoher Belohnung noch immer im Untergrund: Fahndungsplakat von Saddam Hussein
DPA

Trotz hoher Belohnung noch immer im Untergrund: Fahndungsplakat von Saddam Hussein

Laut Angaben von hochrangigen Pentagon-Beamten und US-Militärs, auf die sich die "NYT" beruft, haben mehrere Faktoren zur Einrichtung der Spezialeinheit geführt. So hätten viele Iraker Angst, dass die Amerikaner angesichts der andauernd hohen Verluste bald den Rückzug antreten. Saddam Hussein, der sich bislang erfolgreich versteckt hält, könnte dann wieder einen Weg zurück an die Macht finden.

Auch die labile Sicherheitslage im Land werde sich nach Auffassung des Pentagons erst dann ändern, wenn Saddam aus dem Weg geräumt sei. Ihm und seinen Getreuen wird der Guerillakrieg angelastet, der seit Ende der offiziellen Kampfhandlungen Anfang Mai ausgebrochen ist. Nahezu täglich gibt es Anschläge auf US-Truppen, kooperative Iraker und westliche Hilfsorganisationen mit zum Teil vielen Toten und Verletzten.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat in jüngster Zeit öfters betont, für wie wichtig er die Gefangennahme oder den Tod von Saddam Hussein für die Stabilisierung des Irak hält. Und schon jetzt ist bei vielen US-Soldaten im Dauereinsatz die Schmerzgrenze erreicht. Deshalb hat Rumsfeld in dieser Woche verfügt, die Besatzungstruppen auszuwechseln und ihre Zahl zu verkleinern.

Doch an der Jagd auf Saddam ändere das nichts. Sie laufe, wie das US-Militär erklärt, "24 Stunden, sieben Tage die Woche".



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