Neue Vorwürfe gegen Berlusconi Hostessen im Regierungsflieger?

Schon wieder ein Skandalgerücht um den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi: Der bald 75-Jährige soll Prostituierte und Tänzerinnen mit Regierungsflugzeugen befördert haben. Die Opposition schäumt.

Regierungschef Berlusconi: "Nur acht geschafft, dann konnte ich nicht mehr"
AP

Regierungschef Berlusconi: "Nur acht geschafft, dann konnte ich nicht mehr"


Rom - Das Privatleben von Silvio Berlusconi beschäftigt die italienische Öffentlichkeit auch weiterhin mehr als die Politik des Ministerpräsidenten. Die Opposition forderte am Samstag Aufklärung darüber, ob junge Frauen mit Regierungsflugzeugen zu Berlusconis privaten Partys geflogen worden sind. Hinweise darauf finden sich laut italienischen Medienberichten in abgehörten Telefongesprächen.

Die Mitschriften der Telefonate, die vom Fernsehsender Sky Tg24 veröffentlicht wurden, stammen den Angaben zufolge aus polizeilichen Ermittlungen gegen den italienischen Geschäftsmann Giampaolo Tarantini, der nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frauen für Sex mit Berlusconi bezahlt haben soll.

Die Gespräche wurden 2009 abgehört. Bei den Ermittlungen geht es um den Verdacht, dass Tarantini hübsche Frauen für Berlusconis Partys anheuerte und für Sex mit dem Premierminister bezahlte, um sich Einfluss und lukrative Aufträge zu sichern. Die Staatsanwaltschaft der süditalienischen Stadt Bari hat ihre Arbeit inzwischen abgeschlossen und will einen Prozess gegen Tarantini und sieben weitere Verdächtige unter anderem wegen Anstiftung zur Prostitution anstrengen.

Nur einem Bekannten aus der Klemme geholfen?

Tarantini und seine Frau Angela Devenuto wurden Anfang September bereits unter Erpressungsverdacht verhaftet. Laut der Staatsanwaltschaft von Neapel soll Tarantini Hunderttausende Euro von Berlusconi erhalten haben, damit er bei Vernehmungen angibt, der Ministerpräsident habe nicht gewusst, dass eine Reihe weiblicher Gäste bei seinen rauschenden Festen zwischen Juli 2008 und April 2009 bezahlte Callgirls waren. Die Staatsanwaltschaft betrachtet den Regierungschef als Opfer - er bestreitet jedoch, erpresst worden zu sein.

Das Geld, so Berlusconi laut einem Bericht des "Corriere della Serra", habe er Tarantini und dessen Frau gegeben, um "einer Familie in Not" zu helfen. Auch mit der Erlaubnis, Tarantini und einige seiner Hostessen mit einem Regierungsflieger zu befördern, habe er dem Bekannten lediglich aus einer logistischen Klemme helfen wollen. Berlusconi bestreitet außerdem, jemals für Sex bezahlt zu haben, machte aber auch in der Vergangenheit kein Hehl aus seinem Faible für junge hübsche Frauen.

In einem der Telefongespräche, über das am Samstag auch zahlreiche Zeitungen berichteten, prahlt der Regierungschef angeblich damit, dass elf Frauen vor seinem Zimmer Schlange gestanden hätten. "Es waren elf, aber ich habe es nur mit acht von ihnen geschafft, dann konnte ich nicht mehr". In einem anderen Telefonat mit einer Tänzerin aus der Dominikanischen Republik entschuldigt sich Berlusconi, dass er nicht mehr Zeit mit ihr verbringen könne: "Weißt du, Marysthell, in meiner Freizeit gebe ich den Regierungschef".

Die Opposition forderte am Samstag wegen der neuen Sex-Affäre zum wiederholten Male Berlusconis Rücktritt. Der Regierungschef betonte jedoch, er habe sich nichts vorzuwerfen und werde bis Ablauf seines Mandats 2013 im Amt bleiben. Sein Umfeld soll angeblich bereits an einem Gesetzesentwurf arbeiten, der die Nutzung und Veröffentlichung von Mitschnitten abgehörter Telefonate einschränken soll. Das Gesetz solle so rasch wie möglich vom Parlament verabschiedet werden.

bor/AFP/DAPD



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