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Neuer Befehl fürs Militär: USA planen Ausweitung von Geheimoperationen

Brisanter Befehl im Kampf gegen al-Qaida und andere Gegner: Das US-Militär soll einem Bericht der "New York Times" zufolge erheblich mehr Geheimaktionen im Nahen Osten und in Zentralasien durchführen. Damit könnten auch Militärschläge vorbereitet werden.

Spezialeinheit der US-Navy beim Training: "Es gibt für alle genug zu tun" Zur Großansicht
AP

Spezialeinheit der US-Navy beim Training: "Es gibt für alle genug zu tun"

Hamburg - Die Direktive sollte möglichst wenig Aufsehen erregen, deshalb lautete die Weisung "Streng geheim". Laut einem Bericht der "New York Times" soll das US-Militär verstärkt verdeckte Operationen im Nahen Osten und Zentralasien durchführen. Den Befehl dazu habe der für die Region zuständige General David Petraeus bereits am 30. September gegeben, schrieb das Blatt. Auch Militärschläge könnten so vorbereitet werden.

Mit dem Einsatz von Eliteeinheiten wollten die USA das Terrornetzwerk al-Qaida und Gefahren in Iran, Saudi-Arabien, Somalia und anderen Ländern bekämpfen. Die Zeitung berief sich auf das von ihr eingesehene siebenseitige Dokument und Aussagen aus Militär- und Geheimdienstkreisen.

Demnach haben Spezialeinheiten die Erlaubnis, sowohl in freundlich als auch feindlich gesinnten Staaten im Mittleren Osten, Zentralasien, und am Horn von Afrika Informationen zu sammeln und Bündnisse mit lokalen Kräften zu schmieden.

Laut der Zeitung könnten die USA die Direktive auch im Atom-Konflikt mit Iran anwenden. Denn US-Verteidigungsvertretern zufolge sind auch Erkundungen erlaubt, die einem Militärschlag gegen Teheran den Weg ebnen könnten, falls der Streit um das Nuklearprogramm eskalieren sollte. So dürften Informationen über Irans Atompläne oder über Oppositionsgruppen eingeholt werden. "Das Verteidigungsministerium darf nicht unvorbereitet sein", hieß es demnach von offizieller Seite.

Die sieben Seiten umfassende Direktive laufe unter dem Namen "Joint Unconventional Warfare Task Force Execute Order", berichtete die Zeitung. Damit sollen Geheimoperationen systematisch und längerfristig angelegt werden. Ziel sei es, Netzwerke aufzubauen, um al-Qaida und andere militante Gruppen zu infiltrieren, zu spalten oder zu zerstören. Auch solle das "Umfeld" für mögliche Militärschläge von US-Kräften oder lokalen Truppen bereitet werden.

Sorge vor dem Zorn der Gegner

Mit dem Befehl für die US-Spezialeinheiten wolle sich das Militär auch unabhängiger vom Geheimdienst CIA und anderen Spionagediensten machen, schrieb das Blatt. Die Elitetruppen des Militärs sollen auf eigene Faust fehlende Informationen über Terrornetzwerke und andere Bedrohungen einholen können.

Befürworter der neuen Direktive, wie General Petraeus, argumentierten, dass das Militär im Kampf gegen militante Gruppen auch außerhalb von Afghanistan und dem Irak mehr Freiraum brauche.

Allerdings gebe es im US-Verteidigungsministerium auch Bedenken gegen dieses Vorgehen, schrieb die Zeitung. Denn Sicherheitsexperten im Pentagon hätten vor Spannungen mit Ländern wie Jemen und Saudi-Arabien gewarnt, deren Regierungen den USA eigentlich freundlich gesinnt seien. Denn diese Staaten würden die Geheimoperationen zwar billigen, wollten damit aber offiziell nicht in Verbindung gebracht werden, hieß es.

Auf der anderen Seite befürchten Experten, dass Geheimoperationen den Zorn von Ländern wie Syrien und Iran anstacheln könnten.

Auch für die beteiligten Soldaten bergen die Einsätze offenbar Risiken. Denn Militärs befürchten, dass sie im Falle einer Gefangennahme als Spione gelten könnten und damit nicht mehr unter dem Schutz der Genfer Konventionen stehen würden.

Einsatz-Details bleiben geheim

Wie die Geheimoperationen im Detail ablaufen, berichtete die Zeitung nicht. Sie begründete diese Zurückhaltung damit, dass die Preisgabe von Informationen die Truppen in Gefahr bringe. Auch das Verteidigungsministerium und das Militär wollten sich nicht offiziell äußern.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Geheimdienstoperationen bedarf der Einsatz der Militär-Spezialeinheiten laut der Zeitung keiner Extra-Erlaubnis des Präsidenten. Auch regelmäßige Berichte an den Kongress seien nicht vorgesehen. Laut Beamten des Verteidigungsministeriums müsse aber in kritischen Fällen der Nationale Sicherheitsrat im Weißen Haus zusammenkommen.

Wie die Zeitung schrieb, gab es zwischen CIA und US-Militär wegen des neuen Befehls kaum Konflikte. "Es gibt für alle genug zu tun", zitierte die Zeitung einen Geheimdienst-Sprecher. Wichtig sei lediglich die Koordination.

mmq

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 67 Beiträge
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1. ..
Baracke Osama, 25.05.2010
Zitat von sysopBrisanter Befehl im Kampf gegen al-Qaida und andere Gegner: Das US-Militär soll einem Bericht der "New York Times" zufolge erheblich mehr Geheimaktionen im Nahen Osten und in Zentralasien durchführen. Damit könnten auch Militärschläge vorbereitet werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,696543,00.html
Solange die Amerikaner ihre Nasen in fremde Angelegenheiten reinstecken, wird die welt niemals zu Ruhe kommen.
2. Was für eine Verschwendung von Geld!
Viva24 25.05.2010
Jeder der dei West-Bank oder den Gaza Streifen besucht hat, wird wissen, die Armut schafft die Grundlage des Widerstandes gegen eine US Dominaz in der Welt. Anstatt Struktuten wie Strassen und Karnakenhäuser zu schaffen, sprengen die USA dann die letzten Brücken und Krankenhäuser. Was für eine Verschwendung....
3. ja,
PeaceNow 25.05.2010
Zitat von Baracke OsamaSolange die Amerikaner ihre Nasen in fremde Angelegenheiten reinstecken, wird die welt niemals zu Ruhe kommen.
Eine Meldung die keine ist, denn das tun die USA schon längst und bereiten den Krieg gegen dne Iran vor und versuchen ihren Einflus am Golf und drumherum immer weiter auszubauen.
4. Operation Adlerkralle
Chrysop, 25.05.2010
In Teheran lacht man noch heute über die letzte "Geheimoperation" der Amerikaner, Operation Adlerkralle war ein großartiger Mißerfolg. > http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Eagle_Claw
5. Alternativlos
hirn_einschalten 25.05.2010
Zitat von PeaceNowEine Meldung die keine ist, denn das tun die USA schon längst und bereiten den Krieg gegen dne Iran vor und versuchen ihren Einflus am Golf und drumherum immer weiter auszubauen.
Wenn der Iran seine Atombombenpläne nicht aufgibt, ist ein Krieg unvermeidbar. Alles ist besser, als eine Atombombe in den Händen durchgeknallter islamistischer Apokalyptiker.
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Somalia / Horn von Afrika

Jemen
Land
In der Antike war das Gebiet des heutigen Staates unter dem Namen "Arabia felix", das glückliche Arabien, bekannt. Hier nahm einst die "Weihrauchstraße" zum Mittelmeer ihren Anfang. Doch heute ist der Jemen am südwestlichen Zipfel der Arabischen Halbinsel eines der ärmsten Länder der Welt und das ärmste Land im Nahen Osten.

Nord- und Südjemen, die unterschiedliche politische und gesellschaftliche Wege zurückgelegt hatten, fanden 1990 zur staatlichen Einheit. Die Hauptstadt ist Sanaa. Mit knapp 528.000 Quadratkilometern ist das Land deutlich größer als Deutschland mit 357.000 Quadratkilometern. Wüstenregionen prägen die Landschaft.
Leute
Rund 23 Millionen Menschen leben im Jemen. Etwa 75 Prozent der Bevölkerung wohnen auf dem Land. Einzige Millionenmetropole ist das Verwaltungs- und Handelszentrum Sanaa.
Wirtschaft
Trotz der Erdöl- und Erdgasvorkommen, deren Förderung rund 70 Prozent der Staatseinnahmen ausmacht, gilt Jemen als das ärmste Land im Nahen Osten. Aufgrund von Wassermangel kann nur ein kleiner Teil als Ackerland genutzt werden; 75 Prozent der Nahrungsmittel werden eingeführt. Touristen werden besonders durch die Baukultur angezogen - charakteristisch sind die Hochbauten aus Lehm. Die in diesem Stil errichtete Altstadt der Hauptstadt Sanaa wurde von der Unesco zum Weltkulturerbe erhoben.
Konflikte
Die Herrscher von mehreren hundert Stämmen erkennen eine Zentralgewalt des Staates nicht an. Regionale Stammesfürsten, aber auch islamische Fundamentalisten haben in der Vergangenheit immer wieder Touristen und andere Ausländer entführt, um Forderungen an die Behörden durchzusetzen.
Entführungen
Ausländer werden im Jemen immer wieder Opfer von Entführungen, auch Deutsche waren mehrfach betroffen. Der ehemalige Außenstaatssekretär Jürgen Chrobog, seine Frau und seine drei Söhne wurden 2005 im Osten des Landes verschleppt und nach drei Tagen wieder freigelassen. Im Juni 2009 wurde eine fünfköpfige Familie aus Sachsen verschleppt - zwei mit ihnen entführte Deutsche und eine Koreanerin wurden schon am ersten Tag der Geiselnahme erschossen.
Al-Qaida
Im Jemen kommt es immer wieder zu terroristischen Anschlägen durch den regionalen Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida. Bürgerkrieg und die allgemeine Gesetzlosigkeit haben US-Regierungsvertretern zufolge den Jemen zu einem idealen Nährboden für Terroristen gemacht. Seit geraumer Zeit gilt das Land als neue Hochburg der in Afghanistan und Pakistan militärisch unter Druck geratenen al-Qaida. Viele der 85 meistgesuchten saudiarabischen Extremisten werden hier vermutet.

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