Neuer griechischer Finanzminister "Ich ziehe in den wahren Krieg"

Er war bisher Verteidigungsminister, nun tritt Evangelos Venizelos den wohl undankbarsten Posten der Welt an: Er wird Finanzminister der Schuldennation Griechenland. Die Aufgabe, die auf ihn wartet, ist gigantisch - doch politisch ist seine Ernennung ein cleverer Schachzug.

Finanzminister Venizelos: Wohl einer der unbeliebtesten Jobs der Welt
REUTERS

Finanzminister Venizelos: Wohl einer der unbeliebtesten Jobs der Welt


Athen - Die griechische Presse geht in die Vollen. Eine Art "Zar" der griechischen Wirtschaft sei er, der neue Finanzminister Evangelos Venizelos. Der kräftig gebaute Mann, den sich Ministerpräsident Giorgos Papandreou in seiner Not ins Kabinett holte, war einst Rivale um den Vorsitz der sozialistischen Partei Pasok.

Der neue griechische Finanzminister meldete sich auch gleich mit markigen Worten: "Ich gehe weg vom Verteidigungsministerium und ziehe in den wirklichen Krieg", sagte er bei der Übernahme seines neuen Ressorts im Fernsehen. Venizelos war bislang griechischer Verteidigungsminister. Seine Gedanken seien bei jedem Arbeitslosen und jedem Händler, der unter der Rezession leide. "Unser Streben nach Zustimmung aller Klassen des Landes bleibt bestehen", sagte Venizelos weiter. Was die Griechen verbinde, sei viel mehr, als was sie trenne.

Für Regierungschef Papandreou wird die Rochade im Großen und Ganzen als Erfolg verbucht. Mit der Umstrukturierung des Kabinetts, so schätzen griechische Analysten, hat er vor allem seine innenpolitische Position gestärkt. Venizelos gilt als einer der schärfsten innerparteilichen Kritiker. In den vergangenen Wochen hatte er intern immer wieder seinen Unmut über die Maßnahmen gegen die Finanzkrise kundgetan. Nun ist er als Finanzminister selbst in der Bringschuld. Insgesamt wird die Personalrochade als Befreiungsschlag des Regierungschefs gewertet. Im Fall einer Vertrauensabstimmung, die nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen nun doch am Dienstag stattfinden könnte, stehen Papandreous Chancen nicht schlecht.

Auf Papandreou und Venizelos warten in den kommenden Tagen und Wochen viele Herausforderung. Sie müssen das 78 Milliarden Euro schwere nächste Sparprogramm durchs Parlament bringen. Denn ohne diesen Kraftakt werden die europäischen Partner und der Internationale Währungsfonds bei den aktuellen und künftigen Hilfen auf die Bremse treten. Im schlimmsten Fall wäre Griechenland bis Ende Juli pleite.

Merkel und Sarkozy einig

Doch im Moment sieht es ganz gut aus. Im Streit über neue Milliardenhilfen rückt eine Lösung offenbar näher. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy vereinbarten am Freitag, private Gläubiger auf freiwilliger Basis am zweiten Hilfspaket zu beteiligen. Nach Ansicht des Bundesfinanzministeriums ist eine grundsätzliche Einigung bereits Anfang kommender Woche beim Treffen der EU-Finanzminister möglich.

"Wir haben eine Lösung gefunden", sagte Sarkozy nach einem Treffen mit Merkel in Berlin. Frankreich und Deutschland sind sich demnach einig, dass sich private Gläubiger wie Banken auf freiwilliger Basis an der Griechenland-Rettung beteiligen sollen. Die Beteiligung des Privatsektors müsse zudem im Einvernehmen mit der Europäischen Zentralbank (EZB) erfolgen.

Auch der Internationale Währungsfonds ( IWF) erklärte inzwischen, man sei zur Hilfe für Griechenland bereit, sehe das angeschlagene Euro-Land aber auf einem Weg voller Opfer und Schmerzen. "Ich denke, wir alle wussten, dass dies eine schmerzvolle Anpassung wird", sagte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard am Freitag in São Paulo. "Wir wussten, das Konsolidierungsprogramm würde Opfer verlangen." Die griechische Regierung müsse nun das Parlament und das Land überzeugen, dass es praktisch keine Alternative zu der Politik gebe.

ler/dpa/AFP

insgesamt 70 Beiträge
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Seite 1
bunterepublik 17.06.2011
1. Pleite
lasst sie pleite gehen....je früher sie die realität erkennen, desto besser. der euro wird es überleben. und wir auch.
_meinemeinung 17.06.2011
2. viel wichtiger und interessanter ist dies:
Zitat von sysopEr war bisher Verteidigungsminister, nun*tritt Evangelos Venizelos den wohl undankbarsten Posten der Welt an: Er wird*Finanzminister der Schuldennation Griechenland. Die Aufgabe, die auf ihn wartet,*ist gigantisch - doch politisch ist seine Ernennung ein cleverer Schachzug. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,769087,00.html
umgefallen, unser Bundeshosenanzug, wie nicht anders zu erwarten gewesen war.
Progressor 17.06.2011
3. Krieg
Als ehemaliger Verteidigungsminister hat er ja sicherlich noch gute Kontakte zur Armee. Mal gespannt, wenn das erste Mal auf griechische Demonstranten geschossen wird.
Transmitter, 17.06.2011
4. Popanze!
Zitat von sysopEr war bisher Verteidigungsminister, nun*tritt Evangelos Venizelos den wohl undankbarsten Posten der Welt an: Er wird*Finanzminister der Schuldennation Griechenland. Die Aufgabe, die auf ihn wartet,*ist gigantisch - doch politisch ist seine Ernennung ein cleverer Schachzug. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,769087,00.html
Der tritt bald zurück, dann tritt die ganze griechische Regierung zurück. Dann tritt die Übergangsregierung zurück und die nächste Übergangsregierung tritt zurück. Und das Volk der Griechen demonstriert weiter, fackelt im Zweifel halb Athen ab. Der deutsche Steuerzahler zahlt und zahlt und zahlt und lässt sich von seinen herrschenden Berufspolitiker-Eliten verarschen. Ausgerechnet von den verlogenen und verluderten Herrschern, die diese Suppe nicht mehr auslöffeln können. Es ist langsam unerträglich sehen zu müssen, wie geschichtsvergessen fahrlässig die tumbe deutsche Merkel-Regierung mit Nationen wie Griechenland umgeht. Die Griechen haben eine spezielle Mentalität, mehr Erfahrung mit korrupten Politikern und Regierungen, als Deutsche es je haben können. Dieses stolze Volk wird so weitermachen, wie es es immer gemacht hat. Seit Jahrhunderten. Euro hin, EZB her! Staatsverschuldung hin, Euro-Chaos her! Und rauswerfen aus dem Euro-Verbund kann sie keiner!!! Keinen einzigen Euro bekommen die tumben Deutschen von Griechenland zurück. Keinen einzigen Euro. Und das ist gut so!
flötrolf 17.06.2011
5. Zar der griechischen Wirtschaft?????
Zitat von sysopEr war bisher Verteidigungsminister, nun*tritt Evangelos Venizelos den wohl undankbarsten Posten der Welt an: Er wird*Finanzminister der Schuldennation Griechenland. Die Aufgabe, die auf ihn wartet,*ist gigantisch - doch politisch ist seine Ernennung ein cleverer Schachzug. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,769087,00.html
Er wird als Zar der griechischen Wirtschaft charakterisiert? Könnte das mal intensiver beleuchtet werden. Als interner Kritiker soll der doch bloß ausgebootet werden. Ich vermute schlimmstes! Papandreou kann dann weiter in Ruhe einsacken!
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