Neuer Herrscher Kim Jong Un: USA fürchten Machtvakuum in Nordkorea

Von , New York

Der Tod des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il traf Washington unvorbereitet. Selbst die CIA hat kaum Informationen über das Land - die Akte über Nachfolger Kim Jong Un ist dünn. Das Weiße Haus hatte gerade erste Bande mit Pjöngjang geknüpft. Damit dürfte es wieder vorbei sein.

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DPA

Präsident Obama: Kaum Informationen über Kim Jong Un

Twitter war mal wieder am schnellsten. Am späten Sonntagabend liefen dort die ersten Kommentare zum Tode Kim Jong Ils - viele spöttisch: "Der geliebe Führer ist nun der geliebte verstorbene Führer." Selbst NBC-Chefkorrespondentin Andrea Mitchell konnte sich etwas Häme nicht verkneifen. "Kim war so klein", twitterte sie über ihre eigene Begegnung mit Nordkoreas Diktator, "dass er hochhackige Schuhe trug."

Eine bezeichnende Anekdote: Diese Begegnung fand vor mehr als elf Jahren statt, als Mitchell Bill Clintons damalige Außenministerin Madeleine Albright nach Pjöngjang begleitete.

Albright war das letzte US-Regierungsmitglied, das Kim traf. Spätestens als Nordkorea aus dem Atomwaffensperrvertrag austrat, herrschte offizielle Eiszeit - markiert von George W. Bush, der Nordkorea 2002 mit dem Irak und Iran zur "Achse des Bösen" erklärte.

Kein Wunder, dass die Strategen im Weißen Haus von der Nachricht nun genauso überrascht wurden wie die US-Medien, die sich bei ihren Eilmeldungen aufs nordkoreanische Staatsfernsehen berufen mussten - 52 Stunden nach dem Todeszeitpunkt, so hermetisch abgeriegelt ist das Land. Selbst die CIA hatte offenbar keinerlei Vorwarnung. Auch über Kims designierten Nachfolger, seinen Sohn Kim Jong Un, weiß sie herzlich wenig - seine CIA-Akte bestand lange nur aus einem Studentenfoto.

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Nordkoreas Kim Jong Il: Tod des "Geliebten Führers"
Hektisch versucht Washington also, die neue Gemengelage auszutarieren. Hatten die USA hinter den Kulissen doch gerade erst begonnen, sich dem Regime wieder anzunähern. Diese zarten Kontakte dürften aber vorerst wieder unterbrochen sein.

Jay Carney, der Sprecher des Weißen Hauses, versuchte am Nachmittag jedenfalls, keine neue Schlagzeilen zu machen. "Ich glaube nicht, dass wir zusätzliche Bedenken haben, über die hinaus, die wir seit langem mit Nordkoreas Ansatz in nuklearen Fragen haben", sagte er. "Wir werden sie weiterhin drängen, ihre internationalen Verpflichtungen zu erfüllen." Was künftige Gespräche angehe, würden die USA die nordkoreanische Regierung "aufgrund ihrer Handlungen beurteilen" - vor allem was die Atomwaffenabrüstung angehe.

Obama sichert Japan Hilfe zu

Schon über Nacht hatte das Weiße Haus eine denkbar zurückhaltende Erklärung herausgegeben, die Kims Tod zunächst nur indirekt als unbestätigten "Bericht" verklausulierte, Pjöngjang aber zwischen den Zeilen sofort vor militärischen Mätzchen warnte: "Wir bleiben der Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und der Freiheit und der Sicherheit unserer Alliierten verpflichtet." Namentlich Südkorea - weshalb Präsident Barack Obama bereits um Mitternacht mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak telefonierte, mit dem er gut befreundet ist.

Auch den japanischen Regierungschef Yoshihiko Noda rief er an, um die Entschlossenheit der USA zu betonen, "unsere engen Verbündeten, einschließlich Japans, zu verteidigen". US-Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Leon Panetta klemmten sich ebenfalls sofort ans Telefon. Auch China und Russland wurden konsultiert.

Clinton forderte einen "stabilen und friedlichen Übergang" in Nordkorea. Die neue nordkoreanische Führung sei dazu aufgerufen, den Pfad des Friedens einzuschlagen und die Menschenrechte zu achten. Washington wünsche "verbesserte Beziehungen" zum nordkoreanischen Volk, über dessen Wohlergehen Clinton sich tief besorgt zeigte.

Machtvakuum, Regierungskrise, Militärputsch: Bei einem politischen Kollaps wäre Nordkorea der erste "Failed State" mit Atomwaffen. Alle Horroszenarien der CIA dazu beginnen mit ein und demselben Auslöser - Kims Tod.

Hat Kim Jong Un Rückhalt beim Militär, in der eigenen Familie?

"Wir befinden uns nun mitten in diesem Szenario", sagte Victor Cha, ein früherer Asienbeauftragter im Sicherheitsrat des Weißen Hauses und heute Professor an der Georgetown University, dem "Wall Street Journal". "Das ist wie ein Goldfischglas: Jeder starrt in das Glas, um zu sehen, was los ist, aber keiner steckt bisher seine Hand hinein."

Kims plötzlicher Tod "bringt bedeutende Gefahren mit sich", sagte auch Michael Singh, der Geschäftsführer des Washington Institutes, im Kabelsender MSNBC. Kims Sohn habe kaum Zeit gehabt, sich zu positionieren. "Hat er die Unterstützung des Militärs? Hat er überhaupt die Unterstützung seiner eigenen Familie?"

"Wir treten in eine besonders gefährliche Phase", sekundierte Jim Walsh, ein Professor für internationale Sicherheit am Massachusets Institute of Technology (MIT), der sich in den letzten Monaten im Rahmen inoffzieller US-Kontakte mit nordkoreanischen Delegationen getroffen hat. "Kim Jong Un ist ein blasses Abbild seines Vaters", ergänzte Bruce Klingner, Asienexperte der Heritage Foundation. "Er könnte es in Zukunft für notwendig erachten, eine Krise zu provozieren, um sich vor anderen Führungspersönlichkeiten zu profilieren oder von dem Versagen des Regimes abzulenken."

Kims Tod beschert Obama somit das nächste gigantisch-globalpolitische Problem - kaum dass die vorherigen (Irak, al-Qaida, Arabischer Frühling) halbwegs ausgestanden sind. Anders als bei denen aber operieren die USA bei Nordkorea notgedrungen nicht mit nur einer, sondern mit vielen unbekannten Größen.

Größte Sorge ist die Ungewissheit über Nordkoreas Atomwaffen. Die internationalen Versuche, diese einzudämmen, hatten gerade erst wieder ansatzweise begonnen. Experten erwarten jetzt erst mal eine bange Pause.

"Das Nachfolgeregime muss sich noch konsolidieren, bevor es so weit ist, mit den USA, Südkorea und anderen zu reden", schrieb Richard Bush vom Center for Northeast Asian Policy Studies auf der Website Daily Beast. "Es gab Bewegung auf ein solches Engagement hin, aber jetzt kann zunächst wenig passieren."

Dabei schien auch die US-Regierung zuletzt wieder die Fühler nach Pjöngjang ausgestreckt zu haben. Erst kürzlich hatte Obama eine neue Staatssekretärin ins Außenministerium berufen - Wendy Sherman, die Albrights historischen Besuch im Oktober 2000 eingefädelt hatte.

Obamas Nordkorea-Kurs wird von US-Konservativen jedoch heftig kritisiert. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney nannte Kims Tod eine Gelegenheit, "Nordkorea von seinem heimtückischen Kurs abzubringen". Sprich: Isolation und Regimewechsel statt Verhandlungen.

Ungeachtet dessen wollten sich US-Vertreter am Donnerstag in Peking mit nordkoreanischen Diplomaten treffen, um über Lebensmittelhilfe für das hungernde Land zu beraten. Diese schon länger geplanten Kontakte sollten eigentlich wiederum die Tür öffnen für neue Kernwaffenverhandlungen - vielleicht sogar eine Wiederbelebung der im April 2009 geplatzten Sechs-Parteien-Gespräche bewirken (USA, China, Japan, Russland, Südkorea, Nordkorea).

Kims Hassliebe zu Hollywood

Für Obama wäre dies ein Coup. Nicht zuletzt auch im Vorfeld das nächsten Atomsicherheitsgipfels, zu dem er im März 2012 nach Seoul reisen will. Jetzt scheint sich diese Tür aber erst mal wieder zu schließen.

Südkorea bleibt Angelpunkt aller Szenarios. Seit Jahrzehnten planen Washington und Seoul für den Ernstfall, vom Militärkonflikt bis zur humanitären Katastrophe - bei einem Machtkampf könnten Millionen Nordkoreaner an die Grenze strömen. Washington hat derzeit fast 30.000 Soldaten in Südkorea stationiert.

Der verstorbene Kim, den eine gegenseitige Hassliebe mit Hollywood verband, bleibt jedenfalls weiter im US-Abendprogramm präsent. Die populäre Comedy-Serie "30 Rock" hatte ihn schon vorher zum zentralen Punkt ihrer kommenden Staffel gemacht: Da entführte Kim die Frau des Serienhelden Jack Donaghy. Erste Promo-Spots liefen bereits.

Wie dieser fiktive Handlungsstrang nach Kims Tod nun weitergesponnen wird, bleibt offen.

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1.
objectiveview 19.12.2011
Zitat von sysopDer Tod des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il traf Washington unvorbereitet. Selbst die CIA hat kaum Informationen über das Land - die Akte über Nachfolger Kim Jong Un ist dünn. Das*Weiße Haus hatte gerade erste Bande mit Pjöngjang geknüpft.*Damit dürfte es wieder vorbei sein. Neuer Herrscher Kim Jong Un: USA fürchten Machtvakuum in Nordkorea - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804744,00.html)
Die Quellen des Spiegels sind doch immer ziemlich gut muss ich sagen. Zum Beispiel wissen sie, wie viele und welche Informationen die CIA über Nordkorea hat und wie genau die Akte von Kim Jong Un aussieht. Wirklich erstaunlich. Nur sollte man so einen Knüller vielleicht nicht gleich im Titel verbraten.
2. Spökenkiekerei
Demokrator2007 19.12.2011
Zitat von sysopDer Tod des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il traf Washington unvorbereitet. Selbst die CIA hat kaum Informationen über das Land - die Akte über Nachfolger Kim Jong Un ist dünn. Das*Weiße Haus hatte gerade erste Bande mit Pjöngjang geknüpft.*Damit dürfte es wieder vorbei sein. Neuer Herrscher Kim Jong Un: USA fürchten Machtvakuum in Nordkorea - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804744,00.html)
Es kann auch alles ganz anders kommen. Nordkorea öffnet sich und vereinigt sich mit Südkorea und alle leben glücklich bis an ihr Lebensende. Mal ehrlich was ist daran jetzt absurder als an einem Krisenszenario? Das sich damit nicht ordentlich Schlagzeile machen läßt? Manchmal kann man euch "Medienfuzzis" richtig gerne haben. P.S. "BLÖD sprach zuerst mit der Leiche"
3. Welche weitreichende Erkenntnis
stanislaus2 19.12.2011
"Der Tod des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il traf Washington unvorbereitet." Und? Mein Tod wird mich auch unvorbereitet treffen. Das ist nun mal schon seit ca. einer Millionen Jahren so, dass der Mensch nicht den Tod anderer Menschen vorhersagen kann. Oder haben nun "amerikanische Wissenschaftler" aus China eine Methode entwickelt?
4. Was geht den USA die Machtverteilung in Nordkorea an?
stanislaus2 20.12.2011
Das ist ein souveräner Staat. Die sollten erst einmal ihre Schulden zurückzahlen. Die USA meine ich. Un d sich nicht in alle Angelegenheiten der Welt einmischen, weil sie die Mach t über alle Menschen der Welt anstreben. Obama, der Attila der neuen Zeit, der seine Hummer im Ganges tränken will.
5. Unvorbereitet
tororosoba 20.12.2011
Zitat von sysopDer Tod des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il traf Washington unvorbereitet. Selbst die CIA hat kaum Informationen über das Land - die Akte über Nachfolger Kim Jong Un ist dünn. Das*Weiße Haus hatte gerade erste Bande mit Pjöngjang geknüpft.*Damit dürfte es wieder vorbei sein. Neuer Herrscher Kim Jong Un: USA fürchten Machtvakuum in Nordkorea - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804744,00.html)
Der Mann war knapp siebzig. Vor ein paar Jahren war er wochenlang von der Bildfläche verschwunden, so dass man schon über seinen Tod spekulierte. Man vermutete dann einen Schlag- oder Herzanfall. Kim Jong-Un ist schon länger als Nachfolger vorgesehen. Und die Amerikaner sollen unvorbereitet sein? Falls ja, wäre das wohl der Gipfel der Inkompetenz.
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Tod von Kim Jong Il: Staatstrauer in Nordkorea

Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
REUTERS
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
AP
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke
Militär in Nord- und Südkorea
Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76
(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)
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Kim Jong Il: Der Diktator inspiziert BHs, Gummistiefel und...

Nordkoreas Atomprogramm
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Nordkoreas Atomprogramm
AFP
Nordkoreas Atomprogramm sorgt seit Jahren für Spannungen. Mit Hilfe von weitreichenden Langstreckenraketen ist das kommunistische Land unter dem "lieben Führer" Kim Jong Il offenbar fähig, zumindest seine Nachbarstaaten mit Nuklearwaffen zu erreichen. Das Land behauptet, genug Plutonium für sechs Atombomben zu besitzen.

Nordkorea hatte sich zwar bei Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags 1985 verpflichtet, nukleare Anlagen nur zivil zu nutzen, im Geheimen aber waffenfähiges Uran angereichert. Als das Ende der neunziger Jahre bekannt wurde, wurde Nordkorea scharf kritisiert. Die USA stoppten die Hilfs- und Energielieferungen an das verarmte Land. Daraufhin kündigte Pjöngjang um die Jahreswende 2002/03 seine Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag und seine Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) . Die Uno-Inspektoren mussten das Land verlassen, alle Überwachungskameras wurden abmontiert.

Anfänge
AP
Das Atomprogramm Nordkoreas hat seinen Anfang in den sechziger Jahren, als der "große Bruder" Sowjetunion dem kommunistischen Nordkorea ein Atomforschungszentrum mit dem Forschungsreaktor Yongbyon baute, der 1965 seinen Betrieb aufnahm. Auf Druck der UdSSR verpflichtete sich Nordkorea 1985 als Mitunterzeichner des Atomwaffensperrvertrags , die Kernkraft ausschließlich zivil zu nutzen. 1992 schloss es mit Südkorea ein Abkommen, die koreanische Halbinsel frei von Atomwaffen zu halten.

Doch schon Ende der achtziger Jahre, so sind sich westliche Geheimdienste heute sicher, kam es zu geheimen Deals zwischen Pakistan und Pjöngjang. Der pakistanische Ingenieur Abdul Qadir Khan lieferte demnach wesentliche Bestandteile für den Atombombenbau, während Pjöngjang Pakistan Prototypen ihrer Mittelstreckenraketen stellte, die mit atomaren Sprengköpfen bestückbar sind. Seit dieser Zeit verfügt Nordkorea über Nukleartechnologie.

Genfer Rahmenabkommen 1994
AFP
Nach zähen Verhandlungen schloss der damalige US-Präsident Bill Clinton 1994 mit Pjöngjang das Genfer Rahmenabkommen , das den Atomkonflikt regulieren und die Gefahr einer nordkoreanischen Atombombe verhindern sollte. Darin garantierte Nordkorea die Stilllegung seines grafitmoderierten Reaktors in Yongbyon , aus dem wohl damals schon nuklearwaffenfähiges Material abgezweigt worden war. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA zur Lieferung von Erdöl und zum Bau von zwei Leichtwasserreaktoren, womit die Energieversorgung des verarmten Nordkoreas sichergestellt werden sollte. Allerdings regelte die Vereinbarung nur die Plutoniumproduktion , jedoch nicht die Möglichkeit, aus hochangereichertem Uran Kernwaffen herzustellen.
Sechs-Parteien-Gespräche ab 2003
REUTERS
2003 begannen Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms . An den Gesprächsrunden aus sechs Nationen waren neben Nordkorea China, Russland, Japan, die USA und Südkorea beteiligt. Als Gegenleistung für die nukleare Abrüstung wurde dem vollkommen verarmten Nordkorea Wirtschafts- und Energiehilfe angeboten. Die Gespräche blieben jedoch zunächst ohne Ergebnis.

Im Februar 2005 gab Kim Jong Il offiziell den Besitz von Atomwaffen "zur Selbstverteidigung" bekannt.
Zum Abschluss der vierten Sechs-Länder-Gespräche im September 2005 verpflichtete sich Pjöngjang grundsätzlich zur Aufgabe aller Atomwaffen und Nuklearprogramme, das Atomprogramm lief aber im Geheimen weiter.

2007 zeichnete sich erneut eine Einigung im Atomstreit ab: Die nordkoreanische Seite sagte zu, seine Atomanlagen stillzulegen und die ausländischen Atominspekteure wieder zuzulassen. Im Gegenzug sollte das Land wirtschaftliche, humanitäre und Energiehilfe erhalten und von der US-Liste der den Terror unterstützenden Staaten gestrichen werden. Im Juni 2008 übergab Nordkorea eine seit Monaten überfällige Liste mit Einzelheiten seines Nuklearprogramms an China und sprengte den Kühlturm der abgeschalteten Atomanlage Yongbyon.

Atombomben- und Raketentests
dpa
1998 löste das nordkoreanische Regime mit dem Test einer ballistischen Rakete vom Typ Taepodong-1 weltweit Empörung aus. Im Oktober 2006 schockierte Nordkorea die Weltöffentlichkeit mit unterirdischen Atomwaffentests. Daraufhin beschloss der Uno-Sicherheitsrat einstimmig die Resolution 1718 , in der der Atomtest verurteilt und Handels- und Finanzsanktionen gegen Nordkorea verhängt wurden.

Im April 2009 startete Pjöngjang eine Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2 mit einer Reichweite von Tausenden Kilometern. Angeblich wurde auch ein Kommunikationssatellit ins All gebracht. Als der Weltsicherheitsrat den Raketenstart verurteilte, brach Pjöngjang die Sechs-Parteien-Gespräche erneut ab und kündigte die Wiederinbetriebnahme des stillgelegten Atomzentrums Yongbyon an. Am 25. Mai kam es zum zweiten unterirdischen Atombombentest. Die Sprengkraft der getesteten Atombombe wird seismologischen Messungen zufolge auf zehn bis 20 Kilotonnen geschätzt, das entspricht der Vernichtungskraft der Bombe, die 1945 Hiroshima zerstörte. Nur einen Tag später startete das Regime zwei Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von 130 Kilometern.

Fotostrecke
Bilder aus Nordkorea: Alltag in einer Diktatur

Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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