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12. Dezember 2011, 12:12 Uhr

Neuer Job als Internet-Berater

EU-Kommission adelt Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg hat einen neuen Job in Brüssel: Er wird Berater der EU-Kommission zum Thema Internetfreiheit. Dabei soll es um Unterstützung für Nutzer in autoritären Regimen gehen. Kommissarin Kroes erklärte ihre Wahl: "Ich suche Talente, ich brauche keine Heiligen".

Brüssel - Es ging nur kurz um die Inhalte. Dann drehte sich alles vordringlich um die Person Karl-Theodor zu Guttenberg. Der von Internetaktivisten als Abschreiber enttarnte Ex-Verteidigungsminister ist neuer Berater der EU-Kommission zur Internetfreiheit. Das teilte die für Digitales zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes am Montag in Brüssel mit. Sie habe Guttenberg als Berater in der Frage hinzugezogen, wie Internetnutzer, Blogger und Cyberaktivisten in autoritär regierten Ländern auf Dauer unterstützt werden können.

Am Mittag präsentierte die Kommissarin ihre Strategie gemeinsam mit dem 40-jährigen Guttenberg, der für die US-amerikanische Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) arbeitet. Es ist der erste politische Auftritt Guttenbergs in Europa seit seinem Rücktritt vor neun Monaten.

Die meisten Fragen drehten sich aber letztlich um die Frage, was dieser Job für Guttenberg bedeutet. Comeback oder nicht? Keine Rückkehr in die Politik, stellte er selber klar. "Das hier ist kein politisches Comeback und ich werde in den nächsten Monaten nicht zurückkommen."

Kroes erklärte, Guttenberg werde "Verbindung zu Mitgliedstaaten, Drittländern und Nichtregierungsorganisationen aufnehmen, die sich in diesem Bereich engagieren, und sie beraten, wie die Strategie vorangebracht werden kann". Letztlich kam aber auch die Kommissarin nicht drumherum, Stellung zu der überraschenden Personalie zu nehmen. "Ich suche Talente, ich brauche keine Heiligen." Für den Job seien gute Akteure und gute Ideen gefragt. Deshalb habe sie Guttenberg gebeten, sie zu unterstützen. Und das nicht erst kürzlich: "Ich habe ihn vor dem Sommer angesprochen. Er hat zwei Ministerien geführt, die für dieses Thema relevant sind."

Laut Guttenberg gibt es für den Job kein Geld. Er bekomme lediglich Reisekosten erstattet, sagte er in Brüssel.

Der CSU-Politiker war gestürzt, nachdem Aktivisten im Internet auf der Web-Seite "Guttenplag" dokumentiert hatten, wie viele Passagen seiner Doktorarbeit abgeschrieben waren. Die Plagiatsvorwürfe hatten ihn seinen Doktortitel gekostet. Ein Verfahren wegen Urheberrechtsverletzung wurde eingestellt. Nach Veröffentlichung seines Interviewbuchs "Vorerst gescheitert" Ende November wird in Deutschland über ein politisches Comeback Guttenbergs diskutiert.

ler/dpa/AFP

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