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Neuer Posten für Kim Jong Un: Der Große Nachfolger zementiert seine Macht

Der Sohn des verstorbenen Machthabers festigt seine Stellung. Der offiziell als "Großer Nachfolger" bezeichnete Kim Jong Un wird Vorsitzender des Zentralkomitees der kommunistischen Arbeiterpartei - ein weiterer Schritt in Richtung Alleinherrschaft.

Pjöngjang - Kim Jong Un, der Erbe der Macht in Nordkorea, hat einen neuen Posten. Die Zeitung "Rodong Sinmun", Zentralorgan der kommunistischen Arbeiterpartei, bezeichnete ihn am Montag in mehreren Artikeln als Chef des Zentralkomitees der Partei und rief dazu auf, treu hinter ihm zu stehen. Der Chef des Zentralkomitees ist zugleich automatisch Generalsekretär der regierenden PdAK (Partei der Arbeit Koreas), was als höchster ziviler Posten in Nordkorea gilt. Bis zu seinem Tod hatte Kim Jong Il dieses Amt inne.

Die Zeitung appellierte an die Soldaten des Landes, ihr Leben dem Schutz des Zentralkomitees zu widmen, das vom Genosse Kim Jong Un angeführt werde. Bislang hat Kim junior die offiziellen Beinamen "Großer Nachfolger" und "Großer Genosse" bekommen. Das Blatt rief zudem die Menschen auf, "ewige revolutionäre Genossen der Sonne des 21. Jahrhunderts zu werden" - eine Anspielung auf seinen Großvater und Staatsgründer Kim Il Sung, der als "ewige Sonne" bezeichnet wird.

Kim Yong Hyun von der südkoreanischen Dongguk-Universität betonte, Kim Jong Un habe den Posten des Generalsekretärs der Arbeiterpartei noch nicht offiziell inne. "Er dürfte dies aber bald tun und auch andere Posten übernehmen, die sein Vater bekleidete." Kim senior hatte als Chef von drei Organisationen - der Partei, der Armee und der nationalen Verteidigungskommission - über das Land mit etwa 24 Millionen Einwohnern geherrscht.

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Nordkorea: Noch ein Job für den Erben
Führung über politische und militärische Fragen

Der neue Posten gibt dem jungen Kim nach dem Tod seines Vaters die Kontrolle über eines der wichtigsten Entscheidungsorgane des Landes. Damit wird der junge Kim die Führung über politische und militärische Fragen haben. Am Samstag war er bereits zum "obersten Führer" der 1,2 Millionen Soldaten des Landes ausgerufen worden. Zudem wurde berichtet, Top-Militärs hätten Kim ihre Loyalität versichert.

Auch eine Woche nach dem Tod Kim Jong Ils standen Menschen Schlange, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Vor dem Kumsusan-Palast in Pjöngjang, wo Kims Leiche aufgebahrt ist, waren angesichts der Kälte geheizte Busse geparkt, in denen sich die Leute aufwärmen konnten.

Nordkorea hatte den Tod von Kim Jong Il ausgiebig zelebriert. Zugleich warf das Land seinem Nachbarn im Süden vor, den Tod des Diktators nicht ausreichend betrauert zu haben. Zudem kritisierte das Regime, dass Südkorea abgesehen von zwei Ausnahmen keine Besuche von Beileidsdelegationen zulässt.

Südkoreanische Delegationen reisen nach Nordkorea

Genau diese zwei Delegationen sind am Montag über die schwer bewachte Grenze nach Nordkorea eingereist, um dem verstorbenen Machthaber die letzte Ehre zu erweisen. "Ich hoffe, dass unser Besuch helfen wird, die Beziehungen zwischen dem Süden und dem Norden zu verbessern", sagte die Witwe des ehemaligen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung, Lee Hee Ho. Ihr verstorbener Ehemann hatte Verbindungen zu Nordkorea.

Die zweite Delegation wird von der Hyundai-Chefin Hyun Jung Eun angeführt. Während ihres zweitägigen Besuchs wollen die Südkoreaner in Pjöngjang auch mit nordkoreanischen Offiziellen zusammenkommen.

Offiziell befindet sich Pjöngjang seit dem Koreakrieg (1950-1953) im Kriegszustand mit Seoul. Nach dem Tod Kims hatte der Süden seine Armee in Alarmbereitschaft versetzt.

Der langjährige Machthaber Kim Jong Il war nach amtlichen nordkoreanischen Angaben am 17. Dezember im Alter von 69 Jahren auf einer Bahnfahrt an einem Herzinfarkt gestorben. Das Staatsbegräbnis für ihn soll am Mittwoch stattfinden, eine Gedenkveranstaltung am Donnerstag.

ulz/dapd/AP/AFP

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insgesamt 27 Beiträge
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1. Unterschiedliche Diktion
frank_w._abagnale 26.12.2011
Ich finde die Schreibweise interssant. Der Vorgang in Nordkorea wird, wenn er in pro-westlichen Staaten vonstatten geht, mit "Festigung der Macht" oder so ähnlich beschrieben. Hier spricht man von "zementieren" und hat gleich einen negativen Schlag manifestiert. Schade...
2. Der grosse Nachfolger vom groesseren Nachfolger
tailspin 26.12.2011
Zitat von sysopDer Sohn des verstorbenen Machthabers festigt seine Stellung. Der offiziell als "Großer Nachfolger " bezeichnete Kim Jong Un wird Vorsitzender des Zentralkomitees der kommunistischen Arbeiterpartei - ein weiterer Schritt in Richtung Alleinherrschaft. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805787,00.html
Ich weiss nicht, wie so was in Korea durchgeht: Der grosse Nachfolger scheint mir doch eher etwas kurz und dicklich zu sein. Ein Umstand, er in westlichen Kulturen nicht karrierefoerdernd ist. Die intransingente Mimik des gN laesst eine gewisse Ueberforderung erahnen. Richtig ueberzeugend dagegen in der Fotostrecke, Bild 5/8 die gemalte Familienidylle im Wintersujet mit Huette. Ein gutgelaunter Staatsgruender Kim Il Sung (inzw. verstorben), laessig mit Kalaschnikov am Guertel, die froehliche Mama im olivgruenen Armeerock und behaengt mit einer 6,35 er, den zweijaehrigen Kim Jong Il (inzw. verstorben) auf dem Arm, der schon an seinem ersten Orden arbeitet. Eine Diktatorendynastie zum liebhaben.
3. Uephorischer titel
Wasnun 26.12.2011
Zitat von sysopDer Sohn des verstorbenen Machthabers festigt seine Stellung. Der offiziell als "Großer Nachfolger " bezeichnete Kim Jong Un wird Vorsitzender des Zentralkomitees der kommunistischen Arbeiterpartei - ein weiterer Schritt in Richtung Alleinherrschaft. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805787,00.html
Manchmal sind auch "Große Nachfolger" sehr rasch sehr klein geworden und gestürzt. Die Geschichte der kommunistischen Bruderstaaten UdSSR, China, Vietnam, Laos und der Operettenstaaten des Balken bieten viele Beispiele.
4. Caress Of Steel
rudolf_mendt 26.12.2011
Mein Gott, Jahrzehnte hat keiner über Nordkorea irgendetwas mitbekommen. Es hat auch keinen interessiert oder gestört. Und jetzt der grosse Aufriss. Soll Nordkorea etwa zur neuen Weltbedrohung hochgejazzt werden? Selbst über Abbildungen auf Fotos muss gemutmasst werden. Also was soll das?
5. Relevanz?
d.nix 26.12.2011
Ich meine, das Thema ist schon mindestens der dritte Titelaufmacher dazu - und leider nicht nur hier. Welche Relevanz hat ein viertklassiges Kleinland mit wenig internationalen Beziehungen ohne freie Berichterstattung, was solchen Aufwand rechtfertigt? In anderen Fällen dieser Art sind das Zweizeiler als Randnotiz. Also wenn schon, dann bitte professionell: ich habe noch nichts erfahren über die letzte Katze von Kims vierter Mätresse!
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Nordkoreas Kim Jong Il: Der Tod des "Geliebten Führers"

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Kim Jong Il: Der Diktator inspiziert BHs, Gummistiefel und...
Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke
Militär in Nord- und Südkorea
Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76
(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)

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Bilder aus Nordkorea: Alltag in einer Diktatur
Nordkoreas Atomprogramm
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Nordkoreas Atomprogramm
AFP
Nordkoreas Atomprogramm sorgt seit Jahren für Spannungen. Mit Hilfe von weitreichenden Langstreckenraketen ist das kommunistische Land unter dem "lieben Führer" Kim Jong Il offenbar fähig, zumindest seine Nachbarstaaten mit Nuklearwaffen zu erreichen. Das Land behauptet, genug Plutonium für sechs Atombomben zu besitzen.

Nordkorea hatte sich zwar bei Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags 1985 verpflichtet, nukleare Anlagen nur zivil zu nutzen, im Geheimen aber waffenfähiges Uran angereichert. Als das Ende der neunziger Jahre bekannt wurde, wurde Nordkorea scharf kritisiert. Die USA stoppten die Hilfs- und Energielieferungen an das verarmte Land. Daraufhin kündigte Pjöngjang um die Jahreswende 2002/03 seine Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag und seine Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) . Die Uno-Inspektoren mussten das Land verlassen, alle Überwachungskameras wurden abmontiert.

Anfänge
AP
Das Atomprogramm Nordkoreas hat seinen Anfang in den sechziger Jahren, als der "große Bruder" Sowjetunion dem kommunistischen Nordkorea ein Atomforschungszentrum mit dem Forschungsreaktor Yongbyon baute, der 1965 seinen Betrieb aufnahm. Auf Druck der UdSSR verpflichtete sich Nordkorea 1985 als Mitunterzeichner des Atomwaffensperrvertrags , die Kernkraft ausschließlich zivil zu nutzen. 1992 schloss es mit Südkorea ein Abkommen, die koreanische Halbinsel frei von Atomwaffen zu halten.

Doch schon Ende der achtziger Jahre, so sind sich westliche Geheimdienste heute sicher, kam es zu geheimen Deals zwischen Pakistan und Pjöngjang. Der pakistanische Ingenieur Abdul Qadir Khan lieferte demnach wesentliche Bestandteile für den Atombombenbau, während Pjöngjang Pakistan Prototypen ihrer Mittelstreckenraketen stellte, die mit atomaren Sprengköpfen bestückbar sind. Seit dieser Zeit verfügt Nordkorea über Nukleartechnologie.

Genfer Rahmenabkommen 1994
AFP
Nach zähen Verhandlungen schloss der damalige US-Präsident Bill Clinton 1994 mit Pjöngjang das Genfer Rahmenabkommen , das den Atomkonflikt regulieren und die Gefahr einer nordkoreanischen Atombombe verhindern sollte. Darin garantierte Nordkorea die Stilllegung seines grafitmoderierten Reaktors in Yongbyon , aus dem wohl damals schon nuklearwaffenfähiges Material abgezweigt worden war. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA zur Lieferung von Erdöl und zum Bau von zwei Leichtwasserreaktoren, womit die Energieversorgung des verarmten Nordkoreas sichergestellt werden sollte. Allerdings regelte die Vereinbarung nur die Plutoniumproduktion , jedoch nicht die Möglichkeit, aus hochangereichertem Uran Kernwaffen herzustellen.
Sechs-Parteien-Gespräche ab 2003
REUTERS
2003 begannen Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms . An den Gesprächsrunden aus sechs Nationen waren neben Nordkorea China, Russland, Japan, die USA und Südkorea beteiligt. Als Gegenleistung für die nukleare Abrüstung wurde dem vollkommen verarmten Nordkorea Wirtschafts- und Energiehilfe angeboten. Die Gespräche blieben jedoch zunächst ohne Ergebnis.

Im Februar 2005 gab Kim Jong Il offiziell den Besitz von Atomwaffen "zur Selbstverteidigung" bekannt.
Zum Abschluss der vierten Sechs-Länder-Gespräche im September 2005 verpflichtete sich Pjöngjang grundsätzlich zur Aufgabe aller Atomwaffen und Nuklearprogramme, das Atomprogramm lief aber im Geheimen weiter.

2007 zeichnete sich erneut eine Einigung im Atomstreit ab: Die nordkoreanische Seite sagte zu, seine Atomanlagen stillzulegen und die ausländischen Atominspekteure wieder zuzulassen. Im Gegenzug sollte das Land wirtschaftliche, humanitäre und Energiehilfe erhalten und von der US-Liste der den Terror unterstützenden Staaten gestrichen werden. Im Juni 2008 übergab Nordkorea eine seit Monaten überfällige Liste mit Einzelheiten seines Nuklearprogramms an China und sprengte den Kühlturm der abgeschalteten Atomanlage Yongbyon.

Atombomben- und Raketentests
dpa
1998 löste das nordkoreanische Regime mit dem Test einer ballistischen Rakete vom Typ Taepodong-1 weltweit Empörung aus. Im Oktober 2006 schockierte Nordkorea die Weltöffentlichkeit mit unterirdischen Atomwaffentests. Daraufhin beschloss der Uno-Sicherheitsrat einstimmig die Resolution 1718 , in der der Atomtest verurteilt und Handels- und Finanzsanktionen gegen Nordkorea verhängt wurden.

Im April 2009 startete Pjöngjang eine Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2 mit einer Reichweite von Tausenden Kilometern. Angeblich wurde auch ein Kommunikationssatellit ins All gebracht. Als der Weltsicherheitsrat den Raketenstart verurteilte, brach Pjöngjang die Sechs-Parteien-Gespräche erneut ab und kündigte die Wiederinbetriebnahme des stillgelegten Atomzentrums Yongbyon an. Am 25. Mai kam es zum zweiten unterirdischen Atombombentest. Die Sprengkraft der getesteten Atombombe wird seismologischen Messungen zufolge auf zehn bis 20 Kilotonnen geschätzt, das entspricht der Vernichtungskraft der Bombe, die 1945 Hiroshima zerstörte. Nur einen Tag später startete das Regime zwei Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von 130 Kilometern.


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