Neuer Truppenchef in Afghanistan Petraeus predigt permanenten Kampf

Auf ihm ruhen die Hoffnungen der westlichen Verbündeten: US-General David Petraeus hat das Oberkommando in Afghanistan übernommen. Seine Strategie gleicht der von Vorgänger McChrystal - doch seine Rhetorik lässt vermuten: Er will härter gegen Aufständische vorgehen.

AP

Jetzt wird es ernst für den erfolgreichen US-General David Petraeus - dementsprechend geht er verbal in die Offensive: Obamas erster Krieger in Afghanistan hat bei seinem Amtsantritt als neuer Chef der internationalen Truppen im Land den Aufständischen den Kampf angesagt.

"Wir sind hier, um zu siegen", sagte der Viersternegeneral an diesem Sonntag bei seiner Amtseinführung im Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe Isaf in Kabul. Petraeus befehligt nun rund 140.000 Soldaten einer multinationalen Truppe, zu der auch das deutsche Afghanistan-Kontingent zählt, im Krieg gegen die Taliban und andere Aufständische am Hindukusch.

"Wir befinden uns in einem harten Kampf. Nach Jahren des Kriegs haben wir einen entscheidenden Moment erreicht", sagte Petraeus bei der Zeremonie auf einer Wiese nahe des Isaf-Hauptquartiers. Afghanistan dürfe für Al-Qaida und dessen extremistische Verbündete nicht noch einmal zu einem Schutzraum werden, aus dem sie Anschläge "gegen das afghanische Volk und andere freiheitsliebende Nationen" verüben könnten.

Verstärkt die Isaf künftig die Luftschläge?

Gleichzeitig machte er deutlich, dass sich die Strategie der Isaf durch den Wechsel an der Spitze nicht ändern werde. Vor dem Kongress hatte Petraeus allerdings Mitte der Woche betont, man werde "nicht zögern, alle verfügbaren Mittel einsetzten", um die eigenen und die afghanischen Truppen zu schützen.

Manche Beobachter bewerten diese Aussagen so, dass Petraeus die bisher vom Militär geübte Zurückhaltung, auch in Gefahrensituationen für Bodentruppen keine Luftschlägen anzuordnen, überdenken wird. Soldaten der US-Armee hatten sich wiederholt beschwert, weil Einsätze ohne Unterstützung aus der Luft viel gefährlicher für sie sind. Ziel der bisherigen Strategie ist es, Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden.

Im neunten Jahr des Afghanistan-Kriegs war der Juni der bislang verlustreichste Monat für die internationalen Truppen. 102 Soldaten der Koalition wurden in den vergangenen vier Wochen durch Sprengfallen oder bei Gefechten mit Aufständischen getötet.

Bereits am Samstag hatte Petraeus zur Einigkeit im Kampf gegen die Taliban aufgerufen. Zivilisten und Soldaten müssten gemeinsam alles unternehmen, um den seit neun Jahren währenden Konflikt zu beenden, sagte er vor Gästen in der US-Botschaft in Kabul.

Der 57-jährige Petraeus leitete bislang das US-Zentralkommando Centcom, das die Einsätze der Armee im Nahen Osten und in Zentralasien koordiniert. Er ersetzt nun den in Ungnade gefallenen US-General Stanley McChrystal, der nach heftiger Kritik an der US-Regierung von Präsident Barack Obama abgelöst worden war. In einem Artikel des Magazins "Rolling Stone" hatten Soldaten den Einsatz und die Strategie in Afghanistan scharf angegriffen. Das Magazin druckte auch Schmähungen des geschasste Afghanistan-Kommandeurs McChrystal gegen Obama und Mitglieder seiner Regierungsmannschaft, woraufhin Obama ihn zum Rücktritt zwang.

Mehrere Dutzend Taliban in Helmand getötet

Als Barack Obama die Generäle am Mittwoch austauschte, machte er klar, dass er damit keine militärische Wende signalisieren wollte. "Dies ist ein Personalwechsel", sagte er, "aber es ist kein Strategiewechsel." Petraeus habe "die gegenwärtige Strategie sowohl unterstützt wie auch zu entwickeln geholfen".

Von 2007 bis 2008 war Petraeus Kommandeur des US-Einsatzes im Irak, den er nach Einschätzung vieler Politiker in Washington durch einen Strategiewechsel vor dem Scheitern bewahrte. Petraeus' Vorgänger McChrystal setzte die Petraeus-Doktrin, zu der auch mehr Rücksicht auf die Zivilbevölkerung gehört, bis zu seiner Ablösung um.

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Afghanistan: Blutige Mission am Hindukusch
Gegen Aufständische gehen die US-Soldaten und ihre afghanischen Verbündeten dagegen hart vor. In der Provinz Helmand im Süden des Landes sollen Regierungssoldaten und internationale Truppen nach Angaben der Behörden mindestens 63 Kämpfer der radikalislamischen Taliban getötet haben, meldete das Kabuler Innenministerium am Sonntag. Bei dem Einsatz, der am Freitag begonnen hatte, seien zudem mehr als 16 Tonnen Rauschgift beschlagnahmt worden. Die Provinz zählt zu den weltweit wichtigsten Anbaugebieten von Schlafmohn, aus dem Opium und schließlich Heroin gewonnen wird.

Ebenfalls in Helmand kamen nach Regierungsangaben vom Sonntag ein Taliban-Kommandeur sowie mehrere Gefolgsleute bei einem US-Luftschlag ums Leben. 16 weitere Extremisten seien bei Luftangriffen in der zentralafghanischen Provinz Wardak getötet worden.

cht, rtr/AP/AFP/dpa

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Seite 1
semir, 23.06.2010
1.
Zitat von sysopDie Affäre um die Lästereien des einstigen Vorzeige-Generals Stanley McChrystal gefährdet den Einsatz der internationalen Truppen in Afghanistan. Was glauben Sie: Wie geht es weiter mit der Mission am Hindukusch?
Der Einsatz in Afghanistan ist nicht von einer Person abhängig.Weder Obama noch McChrystal haben etwas zu sagen - die wahren Herrscher sind diejenigen, die den Wahlkampf Obamas finanziert haben und im Hintergrund Anweisungen geben.
ray4901 23.06.2010
2. Die Militärs übernehmen die Politik
Zitat von sysopDie Affäre um die Lästereien des einstigen Vorzeige-Generals Stanley McChrystal gefährdet den Einsatz der internationalen Truppen in Afghanistan. Was glauben Sie: Wie geht es weiter mit der Mission am Hindukusch?
Für seine Militärkarriere scheint der Stan nicht das Richtige getan zu haben. Als Hoffnungsträger der Reps. 2012 könnte er weiter aufsteigen. Man stelle sich einen McCain im besten Alter vor, das wäre der Durchmarsch!
Vihaio 23.06.2010
3.
Zitat von sysopDie Affäre um die Lästereien des einstigen Vorzeige-Generals Stanley McChrystal gefährdet den Einsatz der internationalen Truppen in Afghanistan. Was glauben Sie: Wie geht es weiter mit der Mission am Hindukusch?
Wie bisher. Die westliche Truppenpräsenz wird, mit wechselnden Begründungen, aufrecht erhalten. Siehe Irak, Japan, Korea, Philippinen, Italien, Deutschland, Türkei etc. Siehe "Empire of Bases" (http://www.nytimes.com/2009/07/14/opinion/14iht-edjohnson.html) Es ist einfach zuviel Geld damit zu verdienen. "USA beherrschen zwei Drittel des Rüstungsmarkts" (http://www.welt.de/politik/article4479110/USA-beherrschen-zwei-Drittel-des-Ruestungsmarkts.html) Und noch sind zu viele Zeitgenossen Gefangene in Platos Höhle. Aber nicht mehr lange. "Council on Foreign Relations Warns U.S. Dollar and Debt at Tipping Point" (http://www.economicpolicyjournal.com/2010/06/council-on-foreign-relations-warns-us.html) Dann folgt die Evakuierung.
Stefanie Bach, 23.06.2010
4. Man muss reden
Zitat von VihaioWie bisher. Die westliche Truppenpräsenz wird, mit wechselnden Begründungen, aufrecht erhalten. Siehe Irak, Japan, Korea, Philippinen, Italien, Deutschland, Türkei etc. Siehe "Empire of Bases" (http://www.nytimes.com/2009/07/14/opinion/14iht-edjohnson.html) Es ist einfach zuviel Geld damit zu verdienen. "USA beherrschen zwei Drittel des Rüstungsmarkts" (http://www.welt.de/politik/article4479110/USA-beherrschen-zwei-Drittel-des-Ruestungsmarkts.html) Und noch sind zu viele Zeitgenossen Gefangene in Platos Höhle. Aber nicht mehr lange. "Council on Foreign Relations Warns U.S. Dollar and Debt at Tipping Point" (http://www.economicpolicyjournal.com/2010/06/council-on-foreign-relations-warns-us.html) Dann folgt die Evakuierung.
Dass Schröder Deutschland aus dem Irak-Krieg herausgehalten hat, wird sein Verdienst bleiben. Dass wir uns ansonsten in alle möglichen militärischen Auseinandersetzungen haben hineinziehen lassen ist bitter. Am Beispiel Afghanistan wird sehr deutlich, dass auch ein humanitär bemäntelter Militäreinsatz nur Menschenleben und Geld kostet. Sprache ist die Grundlage zur Verständigung mit anderen (http://www.plantor.de/2009/kann-man-ohne-sprache-denken/).
KabulChris 23.06.2010
5.
Quote "Sprache ist die Grundlage zur Verständigung mit anderen." - dazu gehoeren immer 2 Parteien und kann nicht nur einseitig geschehen.
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