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Neuer TV-Sender: Türkei startet kurdisches Fernsehen

Signal der Annäherung: Auf Kurdisch hat der türkische Ministerpräsident Erdogan einem neuen staatlichen Fernsehsender gutes Gelingen gewünscht. TRT-6 sendet rund um die Uhr in kurdischer Sprache - als Gegenangebot zum PKK-nahen Satellitensender Roj-TV.

Istanbul - In der Türkei ging am Donnerstag ein neuer staatlicher Fernsehsender, der in kurdischer Sprache ausgestrahlt wird, auf Sendung. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wünschte dem Sender TRT-6 "gutes Gelingen" - auf Kurdisch. Dass Erdogan auf einer Pressekonferenz die kurdische Sprache verwendet hat, ist ein wichtiges politisches Signal - und eine kleine Sensation: Er ist der erste türkische Regierungschef, der auf Kurdisch in der Öffentlichkeit gesprochen hat. Noch bis 1991 war das Sprechen von Kurdisch verboten.

Erdogan (Archivbild): Wichtiges politisches Signal gesetzt
REUTERS

Erdogan (Archivbild): Wichtiges politisches Signal gesetzt

Seit Donnerstagabend um 19 Uhr Ortszeit sendet TRT-6. Zum Start war die türkische Flagge zu sehen, unterlegt von der Nationalhymne. Im Anschluss wurde ein Konzert der bekannten kurdischen Sängerin Rojin übertragen. TRT-6 sendet Filme, Musikshows und Nachrichten. Kurdische Politiker verlangen seit langem mehr Rechte für ihre Volksgruppe. Auch die Europäische Union verlangt Reformen von der Türkei, die sich um eine Mitgliedschaft in der EU bemüht.

Bisher sind Sendungen in kurdischer Sprache in der Türkei stark reglementiert. Auf Druck der Europäischen Union gibt es seit 2004 kurdisches Programm im staatlichen Fernsehen - jedoch beschränkt auf eine halbe Stunde pro Woche. Der neue Sender sei ein wichtiger Schritt für die Demokratie in der Türkei, sagte Erdogan. Das Programm in kurdischer Sprache sei ein Beitrag zum Frieden in der Türkei.

TRT-6 ist auch eine Antwort auf den kurdischen Sender Roj-TV. Der bei den rund zwölf Millionen Kurden überaus populäre Satellitensender hat seinen Sitz in Dänemark und steht der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe. Die türkische Regierung versucht bisher ohne Erfolg, Dänemark zur Schließung des Senders zu bewegen.

ore/AP/dpa

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