Von Benjamin Bidder, Fiona Ehlers, Horand Knaup, Anne Onken, Anna Reimann, Christoph Schult, Stefan Simons und Carsten Volkery
Auch in Afrika haben die Deutschen Kicker eine Menge Anhänger gewonnen. Verfolgt wird das Spektakel in Kneipen, improvisierten Kinos und - für die, die sich einen eigenen Fernseher leisten können - auch zu Hause. Für die allfälligen Stromausfälle steht im Notfall ein Generator bereit.
An den neu geweckten Sympathien ändert auch die Halbfinal-Niederlage nichts. "Ich habe mich in das deutsche Team verliebt", sagt der Sportlehrer Imodou Francis in Maiduguri im Nordosten Nigerias. Es ist eine trostlose Region, aber der Fußball hat auch hier eine Menge Emotionen freigesetzt. Weniger fröhliche für die eigene Mannschaft, geradezu beschwingte für das deutsche Team. "Ich glaube, alle Deutschen sind wie ihre Fußballer", sagt Francis, "mit gegenseitigem Respekt, engagiert und fair anstatt aggressiv, um ein Spiel zu gewinnen."
Vor allem nach dem berauschenden Argentinien-Spiel hagelte es auf dem ganzen Kontinent für die deutschen Repräsentanten Glückwünsche und Grußadressen. Südafrikas Präsident Jacob Zuma schüttelte noch auf der Tribüne in Kapstadt Angela Merkel die Hand. Spät in der Nacht meldete sich auch Zumas Vorgänger Thabo Mbeki beim deutschen Botschafter Dieter Haller und gratulierte dem "großartigen deutschen Team" zu seinem "sternenhaften Auftritt".
Schlecht war das deutsche Image in Afrika nie. Der Fußball der Löw-Truppe hat diesen Ruf noch mal ein bisschen aufgehübscht. Und nicht zuletzt bei den Diplomaten auch persönliche Beziehungen verbessert. So rief der kenianische Außenminister Moses Wetangula unmittelbar nach dem Argentinien-Spiel bei der deutschen Botschafterin Margit Hellwig-Bötte in Nairobi an, um seine Glückwünsche zu übermitteln. Und Tourismusminister Najib Balala simste nach dem dritten Treffer gegen Argentinien enthusiastisch: "Germany will make it to the final." Selbst der argentinische Botschafter zeigte sich sportlich: "Congratulations. A wonderful team!"
Zwar lag der Tourismusminister nicht ganz richtig mit seiner Prognose. Aber der Imagegewinn ist beträchtlich. Zu Dutzenden gingen bei der Botschaft in Nairobi nach der Partie gegen Argentinien die Glückwunsch-E-Mails ein. "Lang lebe die Botschafterin", formulierte ein beseelter Schreiber. Andere verknüpften ihre Grußadresse gleich mit einem Aufnahmeantrag für eine deutsche Staatsbürgerschaft oder einem Gesuch für ein Stipendium.
Horand Knaup, Nairobi
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Fußball-WM 2010 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH