Neues Tonband Geheimdienste halten Bin-Laden-Botschaft für echt

US-Geheimdienste haben die jüngste Tonband-Botschaft von Osama Bin Laden als authentisch eingestuft. Der Terrorfürst hatte dem Westen in der Mitteilung einen Kreuzzug gegen den Islam vorgeworfen.


Twentynine Palms/Dubai- Die Geheimdienste seien der Ansicht, dass es sich bei dem Band um keine Fälschung handle, sagte US-Regierungssprecher Scott McClellan. Die al-Qaida-Führung sei auf der Flucht und stehe unter großem Druck, sagte McClellan. Es handelte sich um die erste Botschaft Bin Ladens seit dem 19. Januar. Damals hatte der Terroristenführer mit neuen Anschlägen in den USA gedroht und zugleich einen Waffenstillstand "mit fairen Bedingungen" angeboten. Davor hatte er sich im Dezember 2004 zu Wort gemeldet.

Der arabische Fernsehsender Al-Dschasira hatte gestern die neue Erklärung Bin Ladens ausgestrahlt. Der TV-Sender lehnte es aber ab, zu erläutern, wie er an die Aufnahme gelangte. Sie muss allerdings nach dem 14. März entstanden sein, da sich Bin Laden auf einen israelischen Angriff auf ein Gefängnis im Westjordanland an jenem Tage bezieht.

Neben seinen Vorwürfen gegen die Bevölkerung im Westen, die er für einen "Krieg gegen den Islam" mitverantwortlich macht, nimmt sich Bin Laden in seiner Botschaft auch die Vereinten Nationen vor. Die Uno sei eine ungläubige Institution. Jeder, der ihre Resolutionen akzeptiere, werde ebenfalls zum Ungläubigen, sagte er der Aufnahme nach. Die Vereinten Nationen seien "ein Werkzeug zur Durchsetzung von Resolutionen der Kreuzritter und Zionisten", deren Ziel ein Krieg gegen Muslime sowie die Besetzung deren Territorien sei.

Bin Laden kritisierte, dass die Muslime keinen ständigen Sitz im Sicherheitsrat hätten, obwohl sie ein Fünftel der Weltbevölkerung stellten. Er stellte dennoch klar, keinen ständigen Sitz in dem Gremium zu fordern, da die Uno schließlich eine ungläubige Institution sei.

Derzeit haben mit den USA, Großbritannien, Frankreich, China und Russland fünf Länder je einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat. Mit ihrem Veto-recht können sie Entscheidungen des Gremiums blockieren.

als/Reuters/AP



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