Neues US-Kabinett: Obamas Club der weißen Männer

Von , New York

Wechsel im Kabinett: Obamas Macho-Zirkel Fotos
Pete Souza / The White House

Frauen verhalfen US-Präsident Obama zur zweiten Amtszeit - in seiner Führungsriege kommen sie aber deutlich zu kurz. Auch Minderheiten sind unterrepräsentiert. Im neuen US-Kabinett herrschen die weißen Männer.

Wo ist Mitt Romney, wenn man ihn braucht? Im Wahlkampf brüstete sich der Republikaner mit seiner offenen Personalpolitik: Als Gouverneur habe er sich "ganze Ordner voller Frauen" bringen lassen, damit sein Kabinett keinen Macho-Drall habe. Die Aussage bescherte ihm viel Spott, vor allem von Präsident Barack Obama.

Drei Monate später hat sich der Spieß umgedreht: Jetzt ist es ausgerechnet Softie Obama, dem solche Listen weiterhelfen könnten - bei der eigenen Kabinettsumbildung.

"Obama braucht ein paar Ordner mit Frauen", amüsiert sich die Kolumnistin Ruth Marcus in der "Washington Post", halb im Scherz. "Wieso hat Obamas Kabinett so viel Testosteron und so wenig Östrogen?", lästert der Republikaner Mike Huckabee. Auch der Demokrat Charles Rangel stimmt zu: Nach all der Wahlkampfhäme über Romney müsse Obama das jetzt wirklich peinlich sein, sagte er im Kabelsender MSNBC. "Embarrassing as hell." Oberpeinlich.

In der Tat: Obamas neues Kabinett ist ein Herrenclub, bisher zumindest. Ein weißer Herrenclub - kaum Frauen, kaum Minderheiten. "All The President's Men", schnauben Kritiker, eine Anspielung auf den Siebziger-Jahre-Bestseller über Richard Nixons Watergate-Schurkengarde aus weißen Männern. "Saudi-Arabiens König Abdullah ernennt mehr Frauen", sekundiert das "New York Magazine".

Ein Foto auf der Titelseite der "New York Times" wurde zum vielgetwitterten Symbol der Aufregung: Obama im Oval Office, im Kreise seiner engsten Berater. Zehn Männer stehen da um ihn herum, neun weiße und ein schwarzer. Die einzige Frau, Obamas - schwarze - Vertraute Valerie Jarrett, ist verdeckt, nur ihr linkes Hosenbein lugt halb hervor. "Genau hingucken", ulkte die "Times".

Die Optik ist vielsagend, auch wenn das Bild von Obamas Hausfotograf Pete Souza keinen empirischen Wert hat. Die "Times" nutzte es, um eine "Asymmetrie" zu illustrieren: "Obamas jüngsten Nominierungen lassen Bedenken aufkommen, dass Frauen auf der höchsten Ebene der Regierung unterrepräsentiert sind."

Ein korrekter Eindruck. Die drei wichtigsten Kabinettsmitglieder nehmen Abschied - zwei Männer (Verteidigungsminister Leon Panetta, Finanzminister Timothy Geithner), eine Frau (Außenministerin Hillary Clinton). Als Nachfolger nominierte Obama drei Männer (Chuck Hagel, Jack Lew, John Kerry). Plus John Brennan, der die CIA übernehmen soll - kein Kabinettsrang, doch innerster Sicherheitszirkel.

Eine vertane Chance. "Alles weiße Kerle", beschwert sich das Online-Magazin Slate: Obamas Führungsriege sei wie der Fantasy-Film "Der Hobbit" - "nicht genügend Frauen in Schlüsselrollen". Tatsächlich hatte "Hobbit"-Regisseur Peter Jackson noch schnell eine Quotenfrau eingebaut, die kühle Elbenkönigin Galadriel, die in der Buchvorlage ganz fehlt.

Braucht auch Obama mehr kühle Elfinnen für seinen "Boys Club" (CNN)? Das Urteil scheint einhellig: "Wir verdienen es, in den höchsten Staatsämtern vertreten zu sein", fordert Nita Chaudhary, die Chefin der Frauenorganisation UltraViolet, im Nachrichtendienst Bloomberg.

Frauen räumen Top-Posten freiwillig

Dabei hatte Obama zunächst auch für die drei entscheidensten Ministerien Frauen in Betracht gezogen: Michèle Flournoy (Pentagon), Lael Brainard (Finanzministerium) und Uno-Botschafterin Susan Rice (State Department). Rices Beförderung endete im Sperrfeuer der Republikaner, die beiden anderen wurden von der internen Männerkonkurrenz ausgebremst.

Weitere Top-Frauen gehen freiwillig, darunter Arbeitsministerin Hilda Solis und Lisa Jackson, die Chefin der Umweltbehörde EPA. Obamas Tafelrunde, beharrt das Weiße Haus, bleibe trotzdem bunt gemischt, mit Janet Napolitano (Heimatschutz), Kathleen Sebelius (Gesundheit), Rice bei der Uno und natürlich Jarrett als wichtigste Insiderin im West Wing.

36 Prozent aller Regierungssposten, die Obama bisher besetzte, gingen an Frauen. Das ist fast doppelt so viel wie unter George W. Bush - oder im neuen Senat, in dem nun 20 Frauen und 80 Männer sitzen, mehr als je zuvor.

Trotzdem: Eine magere Ausbeute fürs 21. Jahrhundert. Kongress wie Weißes Haus hinken der Nation hinterher. Landesweit sind 47 Prozent aller Beschäftigten überhaupt und 40 Prozent der Beschäftigten im Management Frauen.

Viele Frauenstimmen bei der Wiederwahl

Die Vorwürfe irritieren Obama, der mangels Vaterfigur mit starken Frauen groß wurde. "Dieser Präsident hat sich der Diversität verpflichtet", dementiert sein Sprecher Jay Carney wütend. "Schauen Sie sich nur die Bilanz an, die ist eine enorme Verbesserung."

Die Kritik wurmt den Präsidenten, da es, neben Schwarzen und Latinos, gerade die Frauen waren, die ihm zur Wiederwahl verhalfen. Er profitierte von den frauenfeindlichen Wahlkampftiraden der Republikaner und empfahl sich flugs als frauenfreundliches Kontrastprogramm. So sicherte er sich 55 Prozent der weiblichen Stimmen; Romney kam nur auf 44 Prozent.

Auch als Obama zuletzt seinen Stabschef Lew als neuen Finanzminister nominierte, saßen im East Room des Weißen Hauses mehr Frauen als Männer. "Ich kenne sehr wenige Menschen, die mehr Integrität haben als der Mann zu meiner Linken", sprach Obama - und dankte Lews Gattin Ruth ganz zum Schluss für ihre "außerordentlichen Dienste an unserem Land".

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1.
thinkrice 14.01.2013
Zitat von sysopFrauen verhalfen US-Präsident Obama zur zweiten Amtszeit - in seiner Führungsriege kommen sie aber deutlich zu kurz. Auch Minderheiten sind unterrepräsentiert. Im neuen US-Kabinett herrschen die weißen Männer. Neues US-Kabinett: Obamas Club der weißen Männer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/neues-us-kabinett-obamas-club-der-weissen-maenner-a-877323.html)
Immer dieser Quotenschwachsinn... Die Person, welche am Besten für einen Job geeignet ist sollte diesen bekommen. Unabhängig von Geschlecht, körperlicher Unversehrtheit oder Abstammung. Alles andere ist Schwachsinn und schädigt nur die Leistungsfähigkeit einer Regierung oder der Wirtschaft. Natürlich haben bestimmte Gruppen ein Interesse daran ihre eigenen Interessen durchzusetzen und deswegen plädieren sie auf Quotenregulierungen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass nicht das gesellschaftliche Gemeinwohl, sondern das Wohl der Gruppe im Vordergrund steht. Mittlerweile ist man ja leider daran gewöhnt, dass alle Medien der Political Correctness huldigen und dadurch die vor uns liegenden Probleme nur vergrößert werden.
2. ...
dein_idol 14.01.2013
Zitat von sysopFrauen verhalfen US-Präsident Obama zur zweiten Amtszeit - in seiner Führungsriege kommen sie aber deutlich zu kurz. Auch Minderheiten sind unterrepräsentiert. Im neuen US-Kabinett herrschen die weißen Männer. Neues US-Kabinett: Obamas Club der weißen Männer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/neues-us-kabinett-obamas-club-der-weissen-maenner-a-877323.html)
Obama ist doch selbst aus einer Minderheit und dazu dann noch zwei. Das Hosenbein und der eine Typ auf dem Bild. Sind drei. Wieviel "Minderheiten" hatten die vorherigen Regierungen? Vielleicht hatte er aber auch nicht mehr kompetente Leute? Und nur eine Frau wurde ersetzt....
3.
detrius 14.01.2013
Dann waren da noch Sonya Sotomayor, Shirley Sherrod, Sandra Fluke, Elizabeth Warren, die Angriffe auf Hillary Clinton nach ihrem Unfall mit anschließendem Krankenhausaufenthalt und die ständigen Attacken auf Michele Obama. Frauen scheinen nach Obama das beliebteste Angriffsziel der Republikaner zu sein. Echte Gentlemen.
4.
AegonVI 14.01.2013
Zitat von sysopFrauen verhalfen US-Präsident Obama zur zweiten Amtszeit - in seiner Führungsriege kommen sie aber deutlich zu kurz. Auch Minderheiten sind unterrepräsentiert. Im neuen US-Kabinett herrschen die weißen Männer. Neues US-Kabinett: Obamas Club der weißen Männer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/neues-us-kabinett-obamas-club-der-weissen-maenner-a-877323.html)
Ja, ja. Frauen hier, Minderheiten dort... Es sind für meinen Geschmack auf deutlich zu wenige Moslems, Transsexuelle und gefährdete Tierarten in Obamas Kabinett vertreten. Dagegen sagt komischerweise niemand etwas... Im Ernst: Es kommt bei Entscheidungsträgern doch wohl auf die Qualifikation an, die vor der betreffenden Person liegenden Aufgaben möglichst gut zu erfüllen, und nicht auf den Hormonspiegel oder die Hautfarbe. Zumindest wäre das mal wünschenswert. Ein bisschen weniger plump aufgesetzte "political correctness" und ein bisschen mehr Einsatz des gesundes Menschenverstandes wäre in solcher Berichterstattung sehr wünschenswert, SPON.
5. Hier könnte ein Titel stehen
shokaku 14.01.2013
Zitat von sysopFrauen verhalfen US-Präsident Obama zur zweiten Amtszeit.
Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me. Hätten sie mal besser den Mann mit dem Aktenordner gewählt.
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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